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Schützenbruderschaften: „Hier wäre kein Muslim König geworden“

Auch Landrat Günter Rosenke ist Mitglied einer Schützenbruderschaft. Er will unbedingt seinen Heimatverein, die Weilerswister St.-Sebastianus-Bruderschaft, als Schützenkönig anführen. Doch bislang schoss er den Vogel noch nicht ab. (Archivfoto: Zimmermann)

Auch Landrat Günter Rosenke ist Mitglied einer Schützenbruderschaft. Er will unbedingt seinen Heimatverein, die Weilerswister St.-Sebastianus-Bruderschaft, als Schützenkönig anführen. Doch bislang schoss er den Vogel noch nicht ab. (Archivfoto: Zimmermann)

Kreis Euskirchen -

Für den Bundesmeister des Bezirksverbands Euskirchen, Hermann-Josef Bollig, ist der Fall ganz klar: „Hier im Kreis Euskirchen wäre ein Muslim kein Schützenkönig in einer der Bruderschaften geworden, die dem Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften angehören. Ein Muslim hat bei uns nichts verloren, weil wir konfessionell und religionsgebunden sind.“

Denn die Satzung des BHDS beinhalte, dass die Mitglieder einer der christlichen Kirchen zwingend angehören müssten. In den Bruderschaften im Nordkreis gibt es nach Bolligs Kenntnissen „auch keine Mitglieder muslimischen Glaubens“. Auch Menschen, die keiner christlichen Kirche angehörten, könnten nicht in eine der christlichen Bruderschaften aufgenommen werden. Trete hingegen ein aktives oder inaktives Mitglied einer Historischen Schützenbruderschaft aus der Kirche aus, dann „werden wir ihn nicht rauswerfen, weil wir den verlorenen Sohn ja nicht aufgeben wollen“, so Bollig weiter.

Landrat Günter Rosenke, der selbst Mitglied der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft Weilerswist ist und unbedingt König werden will, hat andere Erkenntnisse als Bollig. Er erklärte, dass in seinem Verein ein Muslim Mitglied sei. Das bestätigte auch Präsident Walter Kau: „Da haben wir kein Problem mit. Aber es ist geklärt, dass er beim Königsschießen nicht mitmachen kann.“

Als eine Frage der Logik betrachtet der Bezirkspräses des Bezirksverbands Euskirchen, Monsignore Bernhard Auel, die Problematik: „Das fängt ja schon bei der Mitgliedschaft an. Solange die Bruderschaften christlich organisiert sind, sind sie nur für Christen offen. Bei einer Bürgerlichen Schützengesellschaft wäre das etwas ganz anderes.“ Er empfinde es als unglücklich, dass es in Werl zu einer solchen Situation gekommen ist. Solange eine Bruderschaft ein christlich organisierter Verband sei, sei das eben so. Das habe nichts damit zu tun, ob man einen Muslim seinen Freund nenne. Es stehe ja den Menschen frei, ihre Religion zu wählen.

Aber man könne nicht gleichzeitig Muslim und Christ sein. Das schließt sich laut Auel ebenso aus, wie die gleichzeitige Mitgliedschaft in den großen Parteien CDU und SPD: „Für mich ist das wirklich eine logische Frage.“ Er könne sich nur vorstellen, dass ein Muslim in einer Historischen Schützenbruderschaft einen „Freundes-Status“ bekommen könne, nicht aber die Mitgliedschaft.

Im Bezirksverband Schleiden ist das Thema bislang noch nicht kontrovers diskutiert worden. Bezirksbundesmeister Christoph Kammers aus Gemünd erklärte, seine persönliche Meinung sei jedoch, dass der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften nun mal eine christliche Vereinigung sei. Dies sei ausdrücklich in der Satzung so verankert. Kammers: „Die Mitglieder müssen einem christlichen Glauben angehören, aber sie brauchen nicht katholisch zu sein.“

Andersgläubige oder Atheisten seien ausgeschlossen. Kammers: „Wenn man das mal nicht so genau nimmt, kann man es natürlich so lange machen, wie kein Hahn danach kräht.“ Vor 20 Jahren hätten die Gemünder Schützen auch Muslime bei den Schülerschützen mitmachen lassen. „Wir haben ihnen aber damals ausdrücklich gesagt, dass sie am Schülerprinzenschießen leider nicht teilnehmen können.“ So hätte man es seiner Meinung nach auch im aktuell diskutierten Fall halten sollen. Wenn man seine eigene Satzung ernst nehme, könne es gar nicht zu solchen Fällen kommen. Wer Würdenträger bei den Schützen werden wolle, müsse sein Leben am christlichen Glauben ausrichten. Auch Homosexualität sei ein Ausschlussgrund, so Kammers. Über die Rolle von geschiedenen Wiederverheirateten werde derzeit neu diskutiert.

Der Nettersheimer Bezirkspräses Gerd-Heinrich Mitzscherling sieht es etwas moderater. Er spricht sich dafür aus, derartige Fragen „etwas offener zu handhaben“. Ihm gehe es um den Menschen an sich, sagte er. Aber natürlich müsse man sich nach der Satzung richten, die aber auch verändert werden könne.