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Trianel-Pumpspeicher-Kraftwerk: Heimbach bangt um seine Zukunft

Vertreter der Ratsfraktionen, im Bild Bernhard Droege (FDP),  übten harsche Kritik.

Vertreter der Ratsfraktionen, im Bild Bernhard Droege (FDP),  übten harsche Kritik.

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Pesch

Heimbach -

Eine Stadt bangt um ihre Zukunft: Die Heimbacher Verwaltung hatte für Mittwochabend zu einer öffentlichen Ratssitzung ins Haus des Gastes eingeladen, und bis auf den letzten Platz waren alle Stühle besetzt. 120 Bürger wollten sich über die Planungen des Unternehmens Trianel, in nächster Nähe ein gigantisches 640 MW-Pumpspeicher-Kraftwerk für geschätzte 700 Millionen Euro am Rursee zu errichten, informieren. Den Firmenvertretern schlug teilweise von den Bürgern sehr deutlich geäußerte Ablehnung entgegen. Aber auch Verwaltung und Politiker waren sich darin einig, dass das ambitionierte Projekt nur zum Nachteil der Stadt geraten werde.

Dr. Christoph Schöpfer, der Technische Leiter Wasserspeicherkraftwerke, musste sich einiges anhören und verließ diesen für ihn unfreundlichen Ort nach Ende der Versammlung recht schnell. Kein Wunder: Als die Bürger selbst Fragen stellen durften, waren diese sehr emotional eingefärbt. Und was Dr. Harry Höger (SPD) ihm als gemeinsame Resolution von Bürgermeister und Rat vortrug, dürfte den Projektentwickler auch nicht gefreut haben. Die Stadt Heimbach habe als ausschließliche Wirtschaftsgrundlage einen naturnahen, nachhaltigen Tourismus etabliert, hieß es darin.

Heimbacher Rat generell gegen das Kraftwerk

Diese in langen Jahren erarbeitete Entwicklung werde ein jähes Ende finden, „wenn der naturnahe Tourismus durch Baumaßnahmen kaputt gemacht würde“. Die negativen Auswirkungen auf Natur, Landschaft und Tourismus seien nicht abzusehen. Die Vorteile bei dem Bauvorhaben lägen ausschließlich bei der Firmengruppe Trianel, während für Heimbach nur Nachteile entstünden. Man werde sich „dagegen wehren, notfalls mit Hilfe der Gerichte“, wurde Dr. Schöpfer unmissverständlich mitgeteilt. Anschließend gab es lang anhaltenden Beifall für diesen Standpunkt.

Unterzeichnet ist die Erklärung von Bürgermeister Bert Züll sowie den Fraktionsvorsitzenden von CDU, SPD, FDP und UWV. Die Grünen wirkten an diesem Papier nicht mit.

Für die Anbindung des Kraftwerks muss eine neue 380-kV-Netzanbindung geschaffen werden. Von den anfänglich anvisierten sechs Varianten blieb eine übrig, über die der Rat jetzt eine Stellungnahme abgeben sollte. So soll die Leitung von Simmerath-Gerstenhof entlang der L 218 bis Schmidt, durch den Ort bis Scheidbaum, abwärts durch das Odenbachtal in Richtung Blens durch den Hausener Busch bis Kohnental verlegt werden. Die zwölf Kilometer Leitung sind als Erdkabel geplant, obwohl dies, wie Dr. Schöpfer mitteilte, technisch bislang noch nie realisiert wurde. Vier Kilometer Netz sollen dann als Freileitung südlich an Vlatten vorbei bis an die 380-kV-Leitung östlich von Vlatten angebunden werden. Zwar ist der Heimbacher Rat generell gegen das Kraftwerk, er fordert jedoch trotzdem zur Wahrung der Rechte der Stadt, dass aus Gründen des Landschaftsschutzes auch hier eine Erdleitung verlegt werden soll.

Mitte 2013 wird entschieden

Kein gutes Haar ließen die Vertreter der Ratsfraktionen an der Stellungnahme, die das Unternehmen Trianel zu 60 Fragen der Verwaltung vorgelegt hatte. Zwar ist jetzt schon bekannt, dass es während der Bauphase zu 200 000 Massentransporten kommen soll, doch konkrete Aussagen dazu werden von dem Unternehmen mit dem Hinweis darauf, dass man sich im Vorplanungsstadium befinde, abgelehnt.

Dr. Schöpfer machte klar, dass Trianel wohl Mitte des nächsten Jahres eine definitive Entscheidung treffen werde, ob in der Eifel gebaut werde. Derzeit sind nämlich auch zwei weitere Projekte an anderen Standorten im Gespräch. „Wir werden alles daran setzen, das Projekt im Rahmen des Baugenehmigungsverfahrens zu verhindern,“ kündigte Bürgermeister Züll jedoch gegenüber der Rundschau an.

„Die Rurtalsperre ist unsere existenzielle Lebensgrundlage. Die Leute werden entsetzt über das Ausmaß der Arbeiten sein“, sagte er. „Ein touristischer Totalschaden“ drohe, wenn ab 2018 bis zu acht Jahre lang gebaut werde. Das von Trianel selbst vorgelegte Gutachten zu den Auswirkungen auf den Tourismus sei „unter aller Kanone“. Heimbach werde nun ein Gegengutachten in Auftrag geben.