Aktuelle Nachrichten aus Köln, der Region und der ganzen Welt
Kölnische Rundschau | Volksbank Euskirchen : „Zinsen so niedrig wie lange nicht“
23. October 2012
http://www.rundschau-online.de/5208336
©

Volksbank Euskirchen : „Zinsen so niedrig wie lange nicht“

Ihre Strategie sei nicht auf schnelle Renditen, sondern auf langfristige Kundenbindung ausgerichtet, versichern die Vorständler der Volksbank Euskirchen Manfred Gatz (v.l.), Hans-Jürgen Lembicz und Marc Güttes.

Ihre Strategie sei nicht auf schnelle Renditen, sondern auf langfristige Kundenbindung ausgerichtet, versichern die Vorständler der Volksbank Euskirchen Manfred Gatz (v.l.), Hans-Jürgen Lembicz und Marc Güttes.

Foto:

Schwarz

Kreis Euskirchen -

Wenn es „piept“, wird es Zeit für die Mitarbeiter der Volksbank Euskirchen, Kontakt zum Kunden aufzunehmen, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Dann nämlich hat die Elektronische Datenverarbeitung festgestellt, dass die Ausgaben auf dem Girokonto des Kunden seit einiger Zeit in einem ungesunden Verhältnis zu den Eingängen stehen.

Eine eilige Kontaktaufnahme ist hingegen bei Kunden, bei denen das Konto hin und wieder in den Soll-Bereich abgleitet, nicht nötig. Warum auch? Schließlich kassieren die Kreditinstitute dann Dispositionszinsen – und manche nicht zu knapp, wie kürzlich die Stiftung Warentest feststellte. Dass die Euskirchener Volksbank dabei mit 8,94 Prozent noch vergleichsweise gut abschnitt, ist deren Vorstand Hans-Jürgen Lembicz beim Pressegespräch dann schon eine Erwähnung wert: „Und wir tricksen dabei auch nicht.“

„Wir tricksen nicht“

Wie sollte das gehen? Lembicz gibt einen Einblick in die Bankenwelt: Da gebe es Institute, die ein Girokonto mit ganz niedrigen Dispozinsen anböten, aber für die Kontoführung Gebühren von 50 bis 60 Euro im Monat kassierten. „Das macht natürlich kein Kunde mit“, so Lembicz. Dies sei auch nicht nötig. Das Kreditinstitut könne so aber bei Verbraucherschützern mit den niedrigen Dispozinsen imagefördernd prahlen – und gleichzeitig bei „normalen“ Konten höhere Dispozinsen kassieren.

Mit solchen Tricks wolle die Volksbank nichts zu tun haben. „Wir sind da ganz solide“, sagt Vorstandssprecher Manfred Gatz in dem steten Willen, nicht mit jenen Instituten in einen Topf geworfen zu werden, die für die Finanzkrise verantwortlich gemacht werden. „Wir zocken nicht, wir tun nur das, was wir verstehen“, betont Gatz. Das Geld, das die Volksbank gerade nicht an die Kunden verliehen habe, lege sie zu Teilen bei ihrer Zentrale WGZ an – zu einem äußerst mageren Jahreszins von 0,03 Prozent beim Tagesgeld oder 0,34 Prozent, wenn sie es dort ein Jahr liegen lässt – nicht gerade aufregend, aber beruhigend.

Kein Geld von der EZB

Auch der weit verbreitete Vorwurf, Banken würden sich bei der Europäischen Zentralbank (EZB) zu Niedrigzinsen mit Geld eindecken und gleichzeitig hohe Dispozinsen beim Kunden kassieren, sei zu kurz gesprungen – zumindest, was die regionalen Institute angehe. „Wir leihen uns gar kein Geld bei der EZB“, sagt Gatz. Die Volksbank verfüge über ausreichend Eigenkapital und Liquidität.

Fürs „Tagesgeld Cash online“ biete die Volksbank 1,25 Prozent Jahreszins, bei zehnjähriger Festlegung 2,5 Prozent. Wer Geld zum Häuslebau benötige, erhalte es effektiv zu 1,97 Prozent bei fünfjähriger Dauer und 2,53 Prozent auf zehn Jahre – Eigenmittel von 30 bis 40 Prozent vorausgesetzt. Wer es könne, solle sich bei derart niedrigen Zinsen eine Immobilie zulegen, raten Gatz und Lembizc. Diese Investition sei ziemlich sicher und zeuge von Weitsicht. „Man sollte darauf achten, dass man später mietfrei wohnt“, so Lembicz mit Blick auf drohende Altersarmut und aktuelle Zinssätze. Wer sich 1990 100 000 Euro geliehen habe, habe dafür 837 Euro monatlich aufbringen müssen, derzeit seien es 310 Euro.