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Atomkraftwerk in Belgien: Wegen Reaktor in Tihange EU eingeschaltet

Das Atomkraftwerk Tihange

Das Atomkraftwerk Tihange

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dpa

Kreis Euskirchen -

Wegen der Atomkraftwerke in Tihange und Doel schaltet der Weilerswister Bundestagsabgeordnete Detlef Seif (CDU) nun die Europäische Union (EU) ein. In einem Schreiben an den EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker fordert Seif die EU auf, bei den belgischen Atomkraftwerken Doel 3 und Tihange 2 unverzüglich einzuschreiten.

In einem ersten Schritt, so Seif, solle die Europäische Union hierbei die aus dem Europarecht folgenden Informations- und Prüfungsrechte gegenüber Belgien einfordern. Sollte sich die Befürchtung eines technisch unvertretbaren Risikos bestätigen, fordert Seif die unverzügliche Einleitung eines Vertragsverletzungsverfahrens gegen Belgien.

Seif unterstützt nach eigenem Bekunden ausdrücklich die beiden Klageverfahren, die insbesondere von der Städteregion Aachen federführend auf den Weg gebracht wurden. Flankierend hierzu halte er jedoch ein Einschreiten der EU für wichtig, da so das gewünschte Ziel der Stilllegung der Reaktoren schneller erreicht werden könne.

Besorgniserregend sei, dass die Materialfehler am Herzstück der Reaktoren aufgetreten seien, so CDU-Mann Seif. Im Falle eines Unfalls bestünde die Gefahr, dass radioaktive Substanzen nach außen treten, wenn der Reaktordruckbehälter den Temperaturen nicht standhalte.

Stümperhaftes Vorgehen

„Die stümperhafte Vorgehensweise der so genannten belgischen Atomaufsicht, der Federal Agency for Nuclear Control (FANC), belegt dieses Risiko“, erklärte Seif. Im Falle eines Unfalls müsse eine ausreichende Menge Kühlwasser bereitstehen, das eine Temperatur von unter zehn Grad Celsius habe. „Eine regelrecht aberwitzige Auflage der Atomaufsicht sieht indes vor, dass das Kühlwasser mittlerweile auf 40 Grad Celsius vorgeheizt wird, um ein Bersten des Reaktors zu verhindern“, so Seif. Er könne sich keinen besseren Hinweis darauf vorstellen, dass sogar die Atomaufsicht von einem entsprechenden Risiko ausgeht. Er hoffe, „dass es sich hier nicht um einen faulen Deal zwischen der Atomaufsicht, der belgischen Regierung und der Betreiberfirma handelt“.

Immerhin habe Letztere zugesagt, in erheblichem Umfang – im Vergleich zur Kernenergie – weniger wirtschaftliche Anlagen im Bereich der erneuerbaren Energien auf den Weg zu bringen, so Seif. (sch)


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