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Kriminalitätsstatistik: „Die Statistik ist ein Lügenmärchen“

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Gummersbach -

Ist die Kriminalitätsstatistik für den Oberbergischen Kreis nichts wert, weil sie nur einen Bruchteil dessen erfasst, was die Kripo im Kreis tatsächlich zu tun hat? Kay Wegermann, Vorsitzender des Bezirksverbandes Gummersbach im Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK), nennt die Statistik ein „Lügenmärchen“. Sie spiegele nicht die reale Belastung der Kripobeamten und die Kriminalität wider, die es in Oberberg wirklich gebe.

„Wie viele Warnzeichen braucht die Politik eigentlich noch, um dem Zerfall der Sicherheit in unserer ländlichen Region Einhalt zu gebieten“, fragt Wegermann. Nach seiner Meinung sind Schutzpolizei und Kripo „am Ende“. Dass sich bei der aktuellen Personalausstattung die Ermittlungsakten auf den Schreibtischen der Kollegen stapelten, dürfe einen nicht verwundern.

Im Jahr 2013 habe man im Oberbergischen nur die Hälfte der Fälle statistisch erfassen dürfen, die zu bearbeiten waren. „In der veröffentlichten Statistik für den Kreis wurden 13 177 Delikte erfasst. Wir aber wissen, dass es mehr als 27 000 gewesen sind.“ Wegermann sieht auch bei der Personalausstattung dringenden Handlungsbedarf: Der Polizei im Oberbergischen fehlten 40 Polizisten, 20 davon bei der Kripo.

Gibt es bei der Polizei ein Verbot, bestimmte Ermittlungsarbeiten bei der Kripo in die Statistik einfließen zu lassen? „Nein“, sagte gestern Polizeisprecherin Monika Treutler im Namen der Führungsebene. Die Kreispolizeibehörde bekomme das Schema für die Statistik vom Land vorgegeben und habe daher keinen Einfluss darauf, was darin zu erfassen sei und was nicht. Das sei auch der Grund dafür, warum man hier vor Ort keine weitere Stellungnahme abgeben könne.

Allerdings widersprach Treutler der Darstellung Wegermanns, es gebe zu wenige Kriminalbeamte im Kreis. „Legt man die Statistik zugrunde, dann liegen wir hier sogar über dem Soll.“

Diese Argumentation kennt Wegermann „nur zu gut“, lässt sie aber nicht gelten. Der Innenminister habe ganz klar gesagt, dass für eine belastungsbezogene Kräfteverteilung die Statistik nicht geeignet sei. Und das sei auch in Gummersbach bekannt. Und Wegermann bleibt dabei: „Viele Arbeiten, die die Kripo erledigen muss, dürfen nicht erfasst werden, weil sie von der Statistik nicht vorgesehen sind.“

Vor allem die Internetkriminalität werde immer mehr und bereite den Kollegen viel Arbeit. Wenn sich während der Ermittlungen dann aber herausstelle, dass die Spur des Täters ins Ausland führe, werde der Vorgang abgegeben und die aufgebrachte Zeit von der Statistik im Oberbergischen nicht mehr berücksichtigt.

Dabei spiele es auch keine Rolle, dass die Opfer Oberberger seien. Und wer wisse denn, ob der Täter nicht auch von hier komme und nur seine Spur im Internet auf einen Server umgeleitet habe, der etwa auf den Kanalinseln steht.

„Die Straftaten in der digitalen Welt fallen dabei einfach unter den Tisch, und die Politik belügt den Bürger“, klagt der Vorsitzende.

Weitere Zeit müsse dafür verwendet werden, Ermittlungen für andere Dienststellen zu führen. „Wenn ein Beschuldigter hier im Oberbergischen wohnt, die Straftat aber beispielsweise in Dortmund stattfand, machen wir zwar die Vernehmung, bekommen dafür aber auch keinen Vermerk in irgendeiner Statistik“, erklärt Wegermann. Das gelte auch für Brandsachen, die am Ende keine Brandstiftung seien, Vermisstenanzeigen oder zunächst ungeklärte Todesursachen.