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Kölnische Rundschau | Vortrag von Rainer Schmidt: „Da kann ja jeder kommen“
06. June 2014
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Vortrag von Rainer Schmidt: „Da kann ja jeder kommen“

Rainer Schmidt sieht mehr Chancen als Probleme bei der Umstellung des Schulunterrichts für Behinderte.

Rainer Schmidt sieht mehr Chancen als Probleme bei der Umstellung des Schulunterrichts für Behinderte.

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Hoene

Dieringhausen -

Rainer Schmidt hat sich in den 80er Jahren selbst inkludiert. Der Junge aus Nümbrecht-Gaderoth, der ohne Hände und Unterarme geboren wurde, wollte am Wiehler Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium aufgenommen werden und sprach beim damaligen Schulleiter Herbert Heidtmann vor. Dieser habe nur geantwortet: „Was müssen wir tun, damit Sie bei uns Abitur machen können?“

Dies sei „die inklusive Frage schlechthin“, sagt Schmidt dankbar im Rückblick. Alles, was er damals gebraucht habe, sei eine halbe Stunde Extrazeit bei den Klausuren, weil er eben nicht ganz so schnell schreiben konnte wie seine Mitschüler.

Über die Kunst des zusammen Lernens

Am Donnerstag war der Paralympics-Sieger, Pfarrer, Dozent und Kabarettist im Dieringhausener Berufskolleg zu Gast. Eingeladen hatte das Bildungsnetzwerk Oberberg. Der mehrdeutige Titel des Vortrags: „Da kann ja jeder kommen“. Vor etwa 170 Schülerinnen des Berufskollegs und Praktikerinnen aus Schulen und Kitas sprach Schmidt über „die Kunst des zusammen Lernens von ganz unterschiedlichen Menschen“. Mit dieser Definition des viel diskutierten Inklusionsbegriffs machte Schmidt deutlich, worauf es ihm ankommt: Die Aufnahme von behinderten Schülern in den Regelschulen ist zunächst eine Frage der positiven Haltung. Jedes Kind sei eine Chance und bringe Vielfalt und Reichtum in die Lerngruppe, versicherte Schmidt den angehenden Erzieherinnen im Saal.

Mit selbstironischen Anekdoten aus seinem Alltag machte der Referent deutlich, dass behinderte Menschen Verunsicherung hervorrufen, dass diese aber auch leicht überwunden werden kann. Die Bereitschaft, aufeinander zuzugehen, sei wichtiger als alle Barrierefreiheit.

In der Podiumsdiskussion herrschte Einigkeit darüber, dass die UN-Behindertenrechtskonvention ein notwendiger Schritt war. Caritas-Direktor Peter Rothausen erinnerte sich daran, dass Behinderte zum Alltag gehörten, bevor die Vielzahl der Betreuungseinrichtungen sie in eine eigene Welt holte. Einig war man sich aber auch darüber, dass der personelle und finanzielle Aufwand erheblicher sei als die Politik es gern hätte. Ulla Barth vom Kreisschulamt stellte fest, dass noch nicht alle Schulen in der Lage seien, die Aufgaben einer Förderschule zu übernehmen. Ansporn sei es ihr aber, dass immer mehr Förderschüler ihren Hauptschulabschluss nachholen.

Nicht alle Kinder seien in einer Regelschule gut aufgehoben, meint Volker Turk, der in Pulheim-Brauweiler Kinder mit schwerwiegenden emotionalen und sozialen Problemen unterrichtet: „Das System der Inklusion stößt da an seine Grenzen. Wir werden Einrichtungen brauchen, die diese Kinder auffangen.“ Rainer Schmidt sieht aber auch hier eher ein Milieuproblem: „Die Bildungsbürger schicken ihr Kind auch in die Regelschule, wenn es ein Rabauke ist.“


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