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Hobbybäcker im Backes: Modernes Backwerk aus altem Ofen

Bergneustadt -

Ist der Teig gegangen, bricht er. „Perfekt“, flötet Heliane Keller und deutet auf Risse in jenem Vollkornbrot mit Weizen und etwas Dinkel, das sie gleich in den Ofen schieben möchte. „Da ist viel Aroma drin“, sagt die 69-Jährige und verrät weitere Zutaten: „Roggen und ein bisschen Sauerteig.“ Wann sie das letzte Mal ihr Brot bei einem Bäcker gekauft hat, weiß Heliane Keller aber nicht mehr. Sie gehört zu einer Gruppe von etwa 20 Hobby-Bäckern, die an jedem zweiten Samstag im Monat den Ofen im Backes am Heimatmuseum in der Altstadt von Bergneustadt anfeuern, um dort eigenes Brot zu backen.

Seit etwas mehr als einem Jahr ist das gemeinsame Backen auch aus dem Kalender von Marion Scharf (61) nicht wegzudenken, diesmal drückt sie Zupfbrot mit Bärlauchbutter in eine Springform, schon fertig sind ein Friesisches Schwarzbrot und ein Stuten mit Rosinen und Mandeln. „Es geht aber nicht nur ums Backen“, schwärmt Marion Scharf. „Wir tauschen fleißig Rezepte und genießen die Gemeinschaft.“ In der Küche des Museums rutschen Eier ins Mehl, fällt Hefe in die Schüssel, mischen sich Zutaten zu Teig.

Kostenlose Nutzung des Backes

Echte Kerle stehen derweil am Feuer. Ralf Holland (69), Stephan Hürholz (54) und Dietmar Weiß (64) packen Buchenholz in den Ofen, bald lodern die Flammen. Dazu gibt es rohen Schinken und ein kühles Bierchen, „gelöscht werden muss ja auch“. Nach etwas mehr als zwei Stunden sind 280 Grad Celsius erreicht, Zeit fürs Brot.

Beherzt holt Dietmar Weiß glühende Holzreste aus dem Ofen, mit einem nassen Lederlappen reinigt Rolf Holland die heißen Steine. Und während die Ehefrauen mit den Broten vor dem Backes schon Schlange stehen, bedauert Stephan Hürholz, dass er nicht an Würstchen und Steaks gedacht hat: „Sonst grillen wir über der heißen Aschewanne.“

Unterdessen freut sich Museumsleiter Walter Jordan, dass die Backstube endlich genutzt wird. „Da lebt etwas auf, das es früher in jedem Dorf gab“, sagt Jordan über den Backes, der einst in Leienbach stand, 1986 oder 1987 abgebaut und neben dem Museum im Inneren eines kleinen Fachwerkhauses wieder errichtet wurde. Dieses ist neueren Datums. Die Gruppe nutzt Backes und Küche kostenlos, allein fürs Holz ist ein Obolus fällig.

Erst das Brot, dann das Gebäck

Am Anfang war es der heute 81 Jahre alte Bäckermeister Artur Feist, der den Brotliebhabern zeigte, wie man Teig ansetzt. Heute werden die Bäcker mutiger, die Rezepte ausgefallener. Pavla Brandsch (35) backt Buchteln aus ihrer Heimat Tschechien ebenso wie Kümmelbrot. Immer gilt: Erst wird das Brot eingeschossen – so heißt es im Bäckerjargon – , danach das süße Gebäck. Etwa eine Stunde liegen die Laibe in der Hitze. Dietmar Weiß leuchtet durch ein Guckloch in den Ofen, dann angelt er nach dem Gebackenen und klopft auf die Kruste: So hört der Kenner, ob das Brot fertig ist. Kein Stück wird übrigens verkauft, jeder backt für sich. Diesmal aber gibt es auch Börek, türkisches Blätterteiggebäck mit Schafskäse – und das ist für alle.

Kostproben gibt es jedoch am Sonntag, 22. Mai, der zum „Internationalen Tag des Museums“ erklärt ist und das Thema hat: „Museen in der Kulturlandschaft“. Dann zeigen auch die Bäcker ihr Können.

Wer zu der Backgruppe hinzustoßen möchte, ist zum nächsten Mal am Samstag, 12. März, um 10 Uhr im Heimatmuseum, Wallstraße 1, in der Altstadt willkommen. Auskünfte: V (02261) 4 31 84.