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Damit der Dom nicht umfällt: Derschlager Firma Jobo sorgt für Furore in der Fotowelt

Derschlag -

Wer schon einmal vor dem Kölner Dom gestanden hat und ihn fotografieren wollte, dürfte das Problem kennen: Will man die Kreuzblume in 157 Metern Höhe mit aufs Bild bekommen, muss seine Kamera oder sein Smartphone nach oben kippen, weil das Objektiv nicht alles aufs Bild bannen kann. Der unschöne Nebeneffekt sind stürzende Linien und der Dom sieht so aus, als würde er zusammenfallen. Bei einigen Bildmotiven mag das noch ganz reizvoll erscheinen, doch spätestens bei Fotografien von Häusern oder technischen Anlagen sollten senkrechte Linien auch senkrecht stehen.

Während Profifotografen für solche Zwecke teure Spezialobjektive verwenden oder lieber gleich auf kompliziert verstellbare Fachkameras setzen, und so nicht nur den Dom gerade ablichten, mussten Amateure in Zeiten der analogen Fotografie vielfach mit Kompromissen leben.

Den Dom im Lot stehend ablichten

Abhilfe schafft jetzt ein kleines schwarzes Kästlein „made in Derschlag“, das einfach unter die Kamera geschraubt wird. Die im Gummersbacher Vorort ansässige Firma Jobo, einst in jeder Dunkelkammer mit einem Tageslichttank für Filmentwicklung vertreten, hat ein neues Gerät entwickelt, das in Verbindung mit einer digitalen Spiegelreflexkamera die Möglichkeit bietet, den Dom im Lot stehend abzulichten. So werden verzerrte Aufnahmen perspektivisch korrekt wiedergegeben.

Dabei machen sich die Oberberger um Firmenchef Johannes Bockemühl-Simon modernste Technik zu eigen, die auf kleinstem Raum untergebracht ist. Die hier verbauten Lagesensoren können die horizontale und die vertikale Position der Kamera erfassen und abspeichern.

Perspektive wird am PC korriegiert

Am Computer werden die Daten aus dem Lenstrue-Meter mit dem digitalen Bild verbunden. Auf Knopfdruck wird die Perspektive so korrigiert, dass der Dom wie durch Zauberhand wieder gerade steht. „Dieses System begeistert sowohl Profis als auch ambitionierte Amateure“, freut sich Johannes Bockemühl-Simon. Dabei ist das Lenstrue-System mit rund 1000 Euro Ladenpreis sicherlich kein Sonderangebot. Im Vergleich zu Großformatkameras mit einem digitalen Rückteil oder Spezialobjektiven, die eine mechanische Perspektivkorrektur ermöglichen, relativiert sich diese Summe dann wieder, wie auch Bockemühl-Simon findet.

Erfunden hat das Lenstrue-Meter der Odenthaler Detlef Großpietsch, der seine Erfahrungen als Fotograf und Fotoingenieur mit an den Start brachte. Der Physiker Prof. Dr. Christian Wöhler (TU Dortmund) zeichnete bei der Entwicklung für die Algorithmen verantwortlich. Die Bedieneroberfläche für den Computer entwickelte Thorsten Lemke (Peine), während Johannes Bockemühl-Simon für die Produktion und den weltweiten Vertrieb des Lenstrue-Meters zuständig ist.

„Geradlinigkeit garantiert“

In der Fachpresse wird die jüngste Innovation aus dem Oberbergischen bereits mit mehrseitigen Beiträgen vorgestellt und gelobt. „Geradlinigkeit garantiert“ titelte unlängst das Profi-Magazin „digit!“. Und die Colorfoto schreibt, dass das Lenstrue-System im praktischen Einsatz seine Flexibilität beweise.

Neben diesem digitalen High-End-Produkt bietet Jobo aber nach wie vor seine Entwicklertanks für die Analogfotografie an, wie Bockemühl-Simon berichtet. Denn der klassische Film erfreut sich ähnlich wie die Schallplatte einer Renaissance. Zu analogen Spitzenzeiten waren in Derschlag an die 120 Mitarbeiter beschäftigt. Heute ist die Jobo International GmbH noch ein Zehn-Mann-Betrieb. Immerhin gebe es Jobo heute noch, sagt der Chef – und verweist auf Agfa. Das Großunternehmen, das Filme, Fotopapiere oder Chemie produzierte, ist inzwischen völlig vom Markt verschwunden.