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Deutsch lernen ist das Wichtigste: Wipperfürther Schulen haben internationale Klassen für Flüchtlinge

Deutsch lernen: Eine Vorbereitungsklassse an der Wipperfürther Hauptschule. (Foto: Schmitz)

Deutsch lernen: Eine Vorbereitungsklassse an der Wipperfürther Hauptschule. (Foto: Schmitz)

Wipperfürth/Lindlar -

„Ich schreibe, Du schreibst, er schreibt“ – flüssig liest ein Schüler von der Tafel ab. Das ist nicht selbstverständlich, denn Deutsch ist nicht seine Muttersprache. Einige seiner Mitschüler sind erst seit drei Monaten in Deutschland. Ob Anfänger oder Fortgeschrittene, ein deutsches Wort beherrschen alle: „Fußball“.

Längst nicht alle Schüler sind Flüchtlinge

An der Konrad-Adenauer-Hauptschule gibt es mittlerweile drei sogenannte Vorbereitungsklassen, auch internationale Klassen genannt. Zwei Stunden pro Tag lernen hier derzeit 33 junge Menschen aus Ländern wie Afghanistan, Syrien und Albanien die deutsche Sprache. Daneben besuchen sie eine reguläre Klasse. Längst nicht alle Schüler sind Flüchtlinge: Einige kommen aus den EU-Ländern Spanien und Polen – ihre Eltern haben in Deutschland Arbeit gefunden. Auch Schüler aus Mexiko, den Philippinen und Brasilien lernen hier Deutsch.

Die Vorbereitungsklassen sind altersmäßig gemischt, Zehnjährige sitzen neben 16-Jährigen. Statt nach Alter wird nach Leistungsstand differenziert. Einige Schüler lernen seit einem Jahr Deutsch und sprechen die fremde Sprache schon sehr gut, andere stehen ganz am Anfang und kämpfen mit Artikeln und unregelmäßigen Verben. Lehrerin Jutta Lentz berichtet noch von anderen Problemen: „Die Schüler aus dem arabischen Sprachraum tun sich schwer, zwischen ,ei’ und ,ie’ zu unterscheiden, weil die arabischen Schrift keine Vokale kennt.“

„Wir müssen das mit Bordmitteln stemmen“

Während die fortgeschrittenen Schüler mit Lernkarten selbstständig arbeiten, erweitern die Anfänger ihren Grundwortschatz. Vier Lehrer der Konrad-Adenauer-Hauptschule haben die Qualifikation „Deutsch als Fremdsprache“, sie unterrichten in den Vorbereitungsklassen. Zu ihrem Leidwesen hat Schulleiterin Ulrike Disselbeck von der Schulaufsicht bislang keine zusätzlichen Lehrerstunden bekommen. „Wir müssen das mit Bordmitteln stemmen“, berichtet sie. Dazu habe man auch Lehrer, die eigentlich schon im Ruhestand sind, wieder reaktiviert.

Mit dem Deutschlernen alleine sei es nicht getan, berichtet die Schulleiterin. Auch das richtige Verhalten in der Schule müsse gelernt sein, dabei helfe der Schulsozialarbeiter. „Wenn ein Schüler eine Plastikflasche über den Flur kickt, machen wir ihm sehr schnell klar, dass das nicht geht.“

Viele kommen aus Iran, Eritrea und Irak

Am Wipperfürther Berufskolleg gibt es zwei Vorbereitungsklassen mit je 25 Schülern. Im Gegensatz zur Hauptschule sind die Teilnehmer hier etwas älter – in der Regel zwischen 15 und 21 Jahren. Die meisten kommen aus dem Iran, Eritrea und dem Irak.

Drei Tage in der Woche lernen die Berufsschüler Deutsch, dazu kommen Fächer wie Mathematik und Sport, aber auch ein Praxistag, derzeit in der Metallwerkstatt. Schulleiterin Sylvia Wimmershoff ist mit dem Erfolg sehr zufrieden. „Die Schüler sind sehr motiviert, die ersten gehen jetzt schon ins Praktikum.“ Am Berufskolleg sei zumindest eine zusätzliche Lehrerstelle bewilligt worden, das entspreche allerdings nicht dem tatsächlichen Bedarf. Dennoch seien die Lehrer des Berufskollegs mit hohem Engagement dabei. „Mit den Vorbereitungsklassen erfüllen wir eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe“, betont Wimmershoff. Die Wipperfürther Hermann-Voss-Realschule hat ebenfalls eine Vorbereitungsklasse beantragt.

In Lindlar haben sich die Schulleiter vorgestern mit Schulamtsleiterin Ingrid Neumann zu diesem Thema getroffen. In naher Zukunft sollen Vorbereitungsklassen für Flüchtlingskinder eingerichtet werden, die Anträge werden gerade formuliert. Zehn schulpflichtige Flüchtlingskinder sind entsprechend ihrem Alters an der Hauptschule Lindlar aufgenommen worden, acht jüngere Flüchtlingskinder besuchen aktuell die Lindlarer Grundschulen.