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Kölnische Rundschau | Elektrik, Tische, Heizung: KG Lindlar hat vor erster Damensitzung viel zu tun
17. January 2016
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Elektrik, Tische, Heizung: KG Lindlar hat vor erster Damensitzung viel zu tun

Lindlar -

Der Blutdruck von Josef Wirtz erreicht langsam aber sicher den roten Bereich. Das Licht im mit mehreren Hundert Würstchen bestückten Kühlschrank brennt noch nicht, irgendwo zwischen Bühne und Küche gibt es einen Kurzschluss, ein junger Mann auf der Trittleiter beklagt lautstark die fehlende Beleuchtung der Notausgang-Schilder.

Elektromeister Wirtz ist der Herr über 20 Kilometer Stromkabel, einen Generator, der es in Sachen Pferdestärken mit jedem Sportwagen aufnehmen könnte, und den überdimensionalen Schaltschrank. Gerade ist er vor allem der gefragteste Mann der Lindlarer Karnevalisten, die den Innenausbau des Zeltes stemmen. „Ich muss dafür sorgen, dass nicht noch einer den totalen Flurschaden anrichtet“, ruft Wirtz und eilt davon. Der Mützenträger mit dem unbeleuchteten Fluchtschild muss erst mal warten.

Karten nur noch über die Tauschbörse

Die Zeit drängt. Am Mittwoch startet auf rund 2200 Quadratmetern die erste von vier Damensitzungen. Karten gibt es schon lange nicht mehr, auch die Herrenveranstaltung ist inzwischen ausverkauft (zur Tauschbörse siehe Kasten). „Wir übernehmen das Zelt praktisch nackt“, berichtet Joachim Stüttem von der KG, der mit rund 40 Helfern im Einsatz ist.

Zwei von ihnen hantieren gerade über dem Vorsitzenden in luftiger Höhe mit schwarzer Folie. Die wird an bestimmten Stellen auf die Zeltplane geklebt, damit die jecken Gäste Bands und Büttenredner selbst dann auf den Full-HD-Leinwänden verfolgen können, wenn die Sonne auf das Zeltdach scheint.

Über dem Künstlerbereich, in dem sich demnächst Brings und Kasalla die Hände reichen, sorgt eine ausgemusterte Straßenlaterne für Licht, im Küchencontainer gleich nebenan riecht es bereits nach Grünkohl. Die Kaffeemaschinen blubbern ohne Pause.

Der Feind des Lindlarer Sitzungskarnevalisten sei der Wind, erklärt Stüttem. Weil er die warme Luft im Nu aus dem Zelt vertreibe. „Lieber Minusgrade als Wind“, wünscht sich der Vorsitzende für die beiden nächsten Wochen und zeigt auf die dicken Heizungsschläuche, die nach und nach in Stellung gebracht werden. Angeschlossen sind sie an einen 5000 Liter großen Heizöltank, der mehrmals nachgefüllt werden wird.

Im Eingangsbereich werden gerade Tische angeliefert – exakt 254 Stück, berichten Michael Dlusniewski und Armin Brückmann von der KG. Mit zwei Lastwagen werden auch über 2000 Stühle aus einer Halle in Horpe zum Carola-Lob-Weg gekarrt. Etliche der Sitzgelegenheiten haben das Temperament der zuletzt auf ihnen tanzenden Cowgirls, Piratinnen und Feen offenbar nicht verkraftet – 400 neue Stühle habe man beschaffen müssen, sagt Stüttem.

Josef Wirtz hat sich inzwischen in seine Elektrobude zurückgezogen, bereitet einen Wasserschlauch mit integrierter Heizung auf seinen Einsatz vor. Wenn die Temperatur im Inneren der Leitung unter fünf Grad sinkt, wird er automatisch erwärmt, erklärt der Lindlarer.

Neben ihm hängt ein ganzes Dutzend Kleiderbügel an der Wand. „Für die Kostüme des Nummerngirls auf der Herrensitzung“, verrät Wirtz schmunzelnd. Wenn die Männer feiern, nimmt die einzige Dame im Zelt Wirtz’ Reich in Beschlag. „Einer muss noch den Spiegel für das Mädchen befestigen“, ruft der Elektromeister ins Zelt und eilt zur nächsten Baustelle. Der Mann mit dem Notausgangsschild steht immer noch auf der Leiter und verdreht die Augen.