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Entsorgung von Elektromüll: Müllsammler im Visier

Genauer kontrolliert die Polizei die Kastenwagen. ()

Genauer kontrolliert die Polizei die Kastenwagen. ()

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Foto: Oehl

Gummersbach -

Es ist ein auf den ersten Blick unscheinbares Mehrfamilienhaus mitten in einem Gummersbacher Stadtteil. Eine Vielzahl von gelben Säcken stand dort gestern auf dem Fußweg neben der Straße, aber heute kommt ja auch die Müllabfuhr. Dennoch hat das Haus die Aufmerksamkeit nicht nur der Polizei, sondern auch vieler weiterer Behörden und vor allem des Abfall-, Sammel- und Transportverbandes Oberberg (Asto) auf sich gezogen – und auch dabei geht es um Müll.

Asto-Geschäftsführer Burkhard Rösner spricht Klartext: „Obwohl es in dem Haus nur zwölf Wohneinheiten gibt, sind 90 Personen an der Adresse gemeldet – und 44 Kastenwagen.“ Diese Kastenwagen – deshalb natürlich mit dem Kennzeichen GM – seien nicht nur im Oberbergischen Kreis, sondern in der ganzen Region unterwegs – vom Sauerland über den Westerwald bis nach Bonn und Köln. Das Ziel der Fahrer: Soviel Elektro- und Metallschrott wie möglich einsammeln und zu Geld machen. Mit Erfolg, weiß Rösner: „Die Polizei in Neuwied hat ein Auto gestoppt und im Handschuhfach etliche Belege eines Schrotthändlers gefunden. Alle zwei bis drei Tage haben die da 250 bis 300 Euro kassiert.“

Das Problem an dem guten Geschäft: Es ist meist illegal. „Elektroschrott einzusammeln, ist ohne die entsprechende Erlaubnis verboten“, sagt Rösner. Wenn der Elektro- oder Metallschrott nach Anmeldung beim Asto auf die Straße gestellt werde und jemand anderes außer dem vom Asto beauftragten Unternehmen ihn dann einfach mitnehme, sei das sogar Diebstahl – und zwar des Wertstoffes, der später vermarktet wird. „Von der Vermarktung profitieren auch die Bürger – über die Höhe der Gebühren“, erklärt der Asto-Geschäftsführer. Mit den „Gummersbacher“ Wagen habe sich die Situation verschärft, sagt Rösner und betont: „Es geht nicht um den ,Familienbetrieb’, der Musik dudelnd durch die Straßen fährt und fragt, ob er etwas mitnehmen kann. Die anderen kommen leise und nehmen einfach mit, was sie brauchen können.“

Elektrogerätegesetz und Strafgesetzbuch sind dabei längst nicht die einzigen Vorschriften, gegen die Sammler verstoßen können: Sie müssen ihre Tätigkeit eigentlich anmelden, die Fahrzeuge kennzeichnen und, wenn sie aus dem Ausland kommen, im Besitz einer Reisegewerbekarte sein. Auch gegen das Umweltrecht können sie verstoßen, wenn sie die Geräte ausschlachten und den Rest wild im Wald entsorgen.

All das und die Tatsache, dass die Fahrzeuge nun – anders als früher – wegen der Adresse jetzt mit GM-Kennzeichen unterwegs sind, hat auch die Polizei auf den Plan gerufen. „Wir beobachten die Entwicklung hier in Gummersbach seit Mitte September“, sagt Polizeisprecherin Monika Treutler. Die Polizei arbeite mit allen zuständigen Behörden beim Kreis und bei der Stadt eng zusammen, um die Verstöße koordiniert zu bearbeiten.

In Verbindung mit dem Asto sorgt die Polizei nun auch dafür, dass illegal gesammelter Schrott doch noch seinen Bestimmungsort erreicht. Insgesamt 37 Anzeigen wegen Ordnungswidrigkeiten hat die Polizei laut Treutler in den vergangenen Monaten gefertigt und den Schrott fast immer auf den Bauhöfen abgeliefert: „In Gummersbach, Waldbröl und Wipperfürth haben die Kollegen auf der Wache sogar einen Schlüssel für den Bauhof, damit sie auch außerhalb der Öffnungszeiten den Schrott in einem extra bereitgestellten Container abladen können.“

Im Blick hat die Polizei die Fahrer auch, weil der Verdacht eines Zusammenhangs zur stark gestiegenen Zahl der Wohnungseinbrüche besteht. „Viele Beteiligte passen in unser Raster. Zudem liegt es nahe, dass jemand etwas auskundschaften könnte, wenn er abends langsam durch Wohngebiete fährt“, sagt Treutler. Die Polizeisprecherin stellt aber klar, dass es bisher keinen einzigen konkreten Hinweis auf eine Verbindung zwischen Schrottfahrern und Einbruchsdiebstählen gebe.