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Erste-Hilfe-Übung für Grundschüler: Viertklässler können jetzt Leben retten

Pumpen, pumpen, pumpen! Die Kinder aus der Klasse 4 der Grundschule Körnerstraße wissen jetzt genau, wie einem leblosen Menschen geholfen werden kann. (Foto:
Gaudich)

Pumpen, pumpen, pumpen! Die Kinder aus der Klasse 4 der Grundschule Körnerstraße wissen jetzt genau, wie einem leblosen Menschen geholfen werden kann. (Foto:

Gaudich)

Gummersbach -

Mats macht es schon richtig. Der Neunjährige kniet neben den regungslosen Körper, spricht ihn an und überprüft dann die Atmung. „Der hat einen Herzstillstand!“, ruft Mats. Kein Wunder, hat der Grundschüler doch soeben die Vitalfunktionen einer herzlosen Puppe gecheckt. Mats und seine Kameraden aus der Klasse 4 der Gummersbacher Grundschule Körnerstraße sind in dieser Woche von einer Krankenhausärztin als Ersthelfer geschult worden.

Mehr als 100 000 Deutsche sterben jedes Jahr an den Folgen eines plötzlichen Herzstillstandes. Auch, weil viele Menschen nur zögerlich oder gar nicht Erste Hilfe leisten. Aus Angst, etwas falsch zu machen, weil sie keine Ahnung (mehr) haben, wie Erste Hilfe überhaupt funktioniert.

Wenn beim neuen Schulungsprojekt des Gummersbacher Kreiskrankenhauses weitere Grundschulen mitmachen, könnte manches Menschenleben gerettet werden. Denn Studien hätten gezeigt, so Kliniksprecherin Angela Altz: Kinder dieses Alters kapieren nicht nur, wie Erste Hilfe funktioniert – sie greifen im Ernstfall auch beherzter ein.

Die Idee, aus Grundschülern Ersthelfer zu machen, hatte Dr. Matthias Paul, Chefarzt für Anästhesie und Intensivmedizin an der Gummersbacher Klinik. Zur Vorbereitung hospitierte seine Mitarbeiterin Dr. Simone Brenner am Krankenhaus Eschweiler, das bereits seit mehr als fünf Jahren in Grundschulen geht und damit gute Erfahrungen macht.

Dr. Brenner hat keine große Mühe, die Herzdruckmassage zu vermitteln. Beatmung steht nicht auf dem Lehrplan, weil die Massage meist ausreicht, bis der Notarzt kommt. Am Vortag war sie schon in der Klasse und hat den Kindern zwei Stunden lang die Theorie erklärt. Heute üben die Neun- und Zehnjährigen das Erlernte an speziellen Puppen. Warum es wichtig ist, sofort mit der Wiederbelebung zu beginnen, weiß Elias genau: „Wenn das Gehirn nicht mehr mit Sauerstoff versorgt wird, sterben nach drei Minuten die ersten Zellen ab.“ Und weil der Notarzt im Schnitt acht Minuten bis zum Einsatzort braucht, ist die Hilfe jedes Bürgers gefragt.

Julien-Arthur und Michael finden mit Dr. Brenners Hilfe heraus, an welcher Stelle der Brust die Hände zur Herzmassage angesetzt werden. Dann geht’s los: Pumpen, pumpen, pumpen, und immer schön im gleichen Takt. Nach dem Kurs sagt Mats: „Wenn mal jemand Hilfe braucht, werde ich natürlich eingreifen.“