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Finanzielle Schieflage: 14 DRK-Kitas von der Schließung bedroht

Eine Betreuerin in der Kita (Symbolbild)

Eine Betreuerin in der Kita (Symbolbild)

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dpa

Oberberg -

Nach der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Rhein-Oberberg schlägt jetzt auch der Kreisverband Oberberg des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Alarm: Bis zu 14 Kindertagesstätten zwischen Wipperfürth und Morsbach, die in Trägerschaft des DRK stehen, müssen möglicherweise abgegeben werden. Für betroffene Familien gilt auch hier: Die Tagesstätten werden nicht von heute auf morgen geschlossen, sondern fallen in die Trägerschaft des Kreises oder der Städte zurück – die die Trägerschaft ihrerseits dann wieder ausschreiben können.

Wie auch die AWO gibt das Rote Kreuz die hohen Tarifabschlüsse für Erzieherinnen und Erzieher im vergangenen Jahr als Grund dafür an, dass die Kosten der Kitas nicht mehr zu bezahlen sind. Das Rote Kreuz, so Kreisgeschäftsführer Rolf Braun gestern, zahle wie auch die AWO den kommunalen Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst (TVöD). Allein für dieses Jahr fehle eine viertel Million Euro. Und da seien die weiteren Erhöhungen, noch nicht eingerechnet.

Ob auch das DRK seine Erzieherinnen und Erzieher um freiwilligen Gehaltsverzicht ersuchen wird, steht noch nicht fest, so Braun: „So weit sind wir noch nicht. Wir erwarten eigentlich Hilfe vom Land.“ Denn wie auch die AWO kritisiert Braun massiv die Rolle, die das Land NRW spielt: Einerseits habe man dort den Tarifvertrag mit den deutlichen Gehaltserhöhungen abgeschlossen, andererseits lasse man die Träger, die nach TVöD zahlen, mit den finanziellen Folgen alleine, statt die nötige Refinanzierung bereitzustellen.

„Im Moment befinden wir uns in Gesprächen mit den Jugendämtern“, so Braun. „Wir wollen wissen, ob die uns helfen können.“

Kreis möchte bewährte Träger behalten

Es stehe zurzeit auch noch nicht fest, welche und wie viele der 14 oberbergischen DRK-Kitas auf der Kippe stehen, sagt der Kreisgeschäftsführer. Auch über den Zeitpunkt etwaiger Rückgaben kann er noch nichts sagen – ob zum Start des nächsten Kindergartenjahres im Sommer oder gar früher. „Da müssen wir in die Verträge gucken.“

Fest steht aber, dass beim DRK einiges auf dem Spiel steht: Über 60 Prozent des für 2015 erwarteten Umsatzes von rund zehn Millionen Euro wollte der Kreisverband mit der Kinderbetreuung machen, lautete im Dezember 2014 die Prognose.

Die Gespräche mit den Jugendämtern laufen. Der Draht zum Kreisjugendamt ist dabei besonders kurz: Landrat Jochen Hagt ist der Präsident des hiesigen DRK-Kreisverbandes, Kreisdezernent Dr. Christian Dickschen ist DRK-Kreisjustiziar. Landrat Hagt sagte am Dienstag auf Anfrage, er möchte sich – gerade wegen seiner Doppelrolle – vorerst nicht selbst zum Thema äußern.

Kreissozialdezernent Dr. Jorg Nürmberger sagt, es bestehe ein nachvollziehbares Defizit beim DRK. Um jetzt Optionen zu erarbeiten, brauche man aber belastbare Zahlen vom Land. „Die Pauschalen nach dem Kinderbildungsgesetz sollen erhöht werden, wir wissen aber nicht wann und um wie viel.“ Man frage permanent nach, erhalte aber keine Antwort. „Natürlich ist uns daran gelegen, bewährte Träger wie das DRK und die AWO zu halten.“ Ab Sommer ein Dutzend Kindergärten in Eigenregie zu führen, strebe der Kreis nicht an. Einen Billiganbieter wolle man aber auch nicht.