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Grünhelme: Auf dem Weg in den Großraum Aleppo

Martin Mikat (31) aus Wallefeld ist Vorstandsvorsitzender der „Grünhelme“. Er brachte das zur Zahnarztpraxis umgebaute Wohnmobil jetzt nach Hamburg, von dort wird es zurzeit gen Syrien transportiert.

Martin Mikat (31) aus Wallefeld ist Vorstandsvorsitzender der „Grünhelme“. Er brachte das zur Zahnarztpraxis umgebaute Wohnmobil jetzt nach Hamburg, von dort wird es zurzeit gen Syrien transportiert.

Foto:

Oehl

Wallefeld -

Martin Mikat aus Engelskirchen-Wallefeld ist Vorstandsvorsitzender der Grünhelme. Mit dieser Hilfsorganisation, die der im Mai verstorbene Rupert Neudeck gründete, war er weltweit unterwegs – in Syrien, im Kongo, auf den Philippinen. Jetzt war der 31-Jährige wieder im Einsatz – nicht in, aber für Syrien. Zusammen mit Raphael Möhrle, einem Absolventen der Akademie für Handwerksdesign in Aachen, verwandelte er ein altes Wohnmobil in eine rollende Zahnarztpraxis. Die ist gerade fertig geworden und befindet sich jetzt auf dem Weg nach Syrien.

Der Plan habe zu reifen begonnen, als Holger Vanicek, ein persönlicher Bekannter des Troisdorfers Neudeck, den Grünhelmen sein Fiat-Wohnmobil spendete, berichtet Mikat. In Absprache mit der „Barada Syrienhilfe“ und im engen Kontakt zur „Independent Doctor’s Association“ (IDA) in Syrien reifte schnell die Idee einer mobilen Zahnarzt-Einheit. „Die IDA ist in Syrien in mehreren Krankenhäusern aktiv und hat auch schon eine zahnärztliche Versorgung eingerichtet, aber eben nicht mobil“, sagt Martin Mikat.

Alles, was ein Zahnarzt für die alltäglichen Behandlungen braucht, findet sich in der kleinen Praxis.

Alles, was ein Zahnarzt für die alltäglichen Behandlungen braucht, findet sich in der kleinen Praxis.

Foto:

Oehl

Zähne ziehen,

Füllungen machen

Um Abhilfe zu schaffen, bekam das Fahrzeug weitgehend ein neues Innenleben. Sonnenenergie soll den Strom liefern, im Notfalls kann ein Generator aushelfen. Neben Mikat und Möhrle legte auch Mikats Vater Helmut, Kfz-Meister und Kfz-Mechatroniker, Hand an. „Er hat noch viel an der Verkabelung und am Aufbau gemacht“, freut sich der Sohn.

Jetzt gibt’s also eine rollende Zahn-Praxis, die künftig die erreichen soll, die jetzt noch ohne Versorgung sind. „Die Ärzte berichten uns, dass in die Flüchtlingslager an der Grenze kein Zahnarzt kommt.“ Genau da, im Norden Syriens und im Großraum Aleppo, soll die mobile Zahnarztpraxis eingesetzt werden.

Größere Operationen seien darin nicht möglich, so Mikat, „aber Füllungen machen und Zähne ziehen, das geht schon“. Ausgerüstet wird der Wagen mit Medikamenten und Material für ein halbes Jahr – Speichelsauger, Zangen-Set zum Zähneziehen, Bohrer und Aufsätze. . . Was genau man da so braucht, und wie man überhaupt eine kleine Zahnarzt-Einheit aufbaut, das haben sich Mikat und Möhrle, die sich als angehende Zimmerleute vor Jahren auf der Walz kennengelernt haben, von Zahnärzten und einer Zahnarzthelferin erklären lassen. Medikamente sind vorerst nicht an Bord; die sollen in der Türkei gekauft werden. Denn es sei kompliziert geworden, Hilfsgüter durch die Türkei zu bringen, so Mikat. Daher hat er selbst das Fahrzeug auch nur von Wallefeld nach Hamburg gebracht. Dort übernahm eine Spedition den weiteren Transport per Schiff ins türkische Mersin. Vom dortigen Hafen aus bringt der Türkische Rote Halbmond das Fahrzeug an die syrische Grenze, wo es Mitarbeiter der IDA in Empfang nehmen.

Mikat betont, dass der Umbau aus Spenden finanziert wurde. Spender und auch freiwillige Helfer können sich über die Grünhelme im Internet informieren.

www.gruenhelme.de