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Notunterkunft Bierenbachtal: Beinahe hieß das oberbergische Baby „Merkel“

Stolze Eltern (v.l.): Ahmad Saleh und Zara Abbara Hamod mit Baby Josef und Shana Khalil und Hassan Issa mit Angela. (Foto: Hoene)

Stolze Eltern (v.l.): Ahmad Saleh und Zara Abbara Hamod mit Baby Josef und Shana Khalil und Hassan Issa mit Angela. (Foto: Hoene)

Bierenbachtal -

Dass ihr Baby den Namen der Bundeskanzlerin tragen soll, war für Hassan Issa und seine Ehefrau Shana Khalil klar. „Weil die Kanzlerin die Grenzen nicht dicht gemacht hat und wir nun in Frieden leben können“, erklärt der Vater. Nicht so klar war dem Flüchtlingspaar aus Syrien, dass „Merkel“ als Vorname in Deutschland eher unüblich ist. Zum Glück intervenierten die Mitarbeiter der Notunterkunft in Nümbrecht-Bierenbachtal frühzeitig – die Kleine heißt nun Angela.

Angela erblickte bereits am 8. Januar das Licht der Welt im Gummersbacher Kreiskrankenhaus. Und sie ist nicht die einzige kleine Bewohnerin der Erstaufnahmeeinrichtung, die im Sturm die Herzen der Mitarbeiter und der anderen Flüchtlinge erobert hat: Am 3. Februar wurden zudem die syrischen Eheleute Ahmad Saleh und Zara Abbara Hamod Eltern des kleinen Josef. Auch Josef wurde in Gummersbach geboren, und er wird nun ebenso wie Angela vom Malteser Hilfsdienst besonders umsorgt – „weil wir alle total vernarrt in die Babys sind“, wie der gestandene Malteser Markus Stühlen lächelnd zugibt.

Eigentlich seien die 16 Betreuer der Notunterkunft angehalten, keinen Bewohner aus Sympathie zu bevorzugen. Dass Angela und Josef etwas mehr verhätschelt werden als die anderen Flüchtlinge, sei aber regelkonform, scherzt Stühlen: „Eigentlich sind die beiden ja auch echte Oberberger.“ Und eben weil die beiden Paare für ihre Kinder auf ein Leben in Deutschland hoffen, haben sie sich für hierzulande geläufige Namen entschieden.

24 Bewohner im Kindesalter

Die beiden Mütter tauschen sich nun besonders oft aus: Denn für die 21-jährige Zara Abbara ist Josef das erste Kind – da kann die 19-jährige Shana mit guten Tipps dienen, denn sie ist bereits Mutter eines Jungen und eines Mädchens, Sabri und Barin. Die Malteser haben über die örtliche Kleiderkammer für eine komplette Baby-Ausstattung gesorgt, und regelmäßig schaut eine Hebamme im Haus vorbei und unterstützt die beiden Paare. Dann sind da noch die zurzeit 58 weiteren Bewohner, davon 24 im Kindesalter. Über einen Mangel an Spielkameraden könnten sich Angela und Josef also nicht beschweren – wenn ihr Tagesablauf nicht ohnehin ausschließlich aus Essen und Schlafen bestünde. Für alles andere sind sie noch zu klein.

Dass die Neugeborenen mit ihren Eltern so lange in Bierenbachtal bleiben, dass sie das Spielzimmer der Notunterkunft voll auskosten können, ist unwahrscheinlich. Wie alle Flüchtlinge bleiben auch die beiden syrischen Familien nur für einige Wochen in der Erstaufnahmeeinrichtung, werden dann auf Kommunen irgendwo im Land verteilt.

Die Syrer aber äußern sich dankbar und glücklich, dass Deutschland ihnen überhaupt Herberge bietet. Sie haben begonnen, die deutsche Sprache zu lernen, um sich hier bestmöglich integrieren zu können – und ihrem Nachwuchs ein Leben fernab von Krieg und Gewalt zu ermöglichen.