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Kölnische Rundschau | Supermarkt vor Gericht: Auf matschiger Mandarine ausgerutscht – 12.000 Euro Schmerzensgeld
28. January 2016
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Supermarkt vor Gericht: Auf matschiger Mandarine ausgerutscht – 12.000 Euro Schmerzensgeld

Eine matschige Mandarine wurde der Frau zum Verhängnis.

Eine matschige Mandarine wurde der Frau zum Verhängnis.

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dpa

Bonn/Nümbrecht -

Berta B. (Name geändert) hatte am 6. Oktober 2014 beim Einkauf im Supermarkt den Sahnequark vergessen. Also sprang die 71-Jährige aus Nümbrecht noch mal aus dem Auto, an dessen Steuer ihr Ehemann saß, und betrat erneut den Supermarkt in Ruppichteroth.

Die Frau durchquerte den Eingang und lief durch die Obst- und Gemüseabteilung, als sie völlig unvorbereitet sehr unglücklich stürzte: Sie knallte mit dem Kopf gegen eine Theke und fiel ungebremst auf die Fliesen.

Als die 71-Jährige aufschaute, entdeckte sie die Ursache: Eine matschige, orangefarbene Masse klebte auf dem Boden, aber auch an ihrem Schuh – eine zertretene Mandarine hatte sie zu Fall gebracht. Die Frau erlitt ein Schädelhirntrauma, eine Beckenringfraktur und einen Sehnenabriss am Daumen, der später noch operiert werden musste. Ein Notarztwagen brachte sie ins Krankenhaus Waldbröl.

Auch ein Jahr nach dem Sturz leidet Berta B. nach eigenen Angaben noch unter den Folgen und hat die Supermarktkette deshalb vor dem Bonner Landgericht auf 22 000 Euro Schmerzensgeld verklagt.

Filialleiterin als Zeugin vor Gericht

Die Filiale habe ihre Verkehrssicherungspflicht verletzt, so ihr Vorwurf. In der Obst- und Gemüseabteilung habe es an jenem Tag eine Dreiviertelstunde lang keine Kontrolle gegeben. Die verklagte Supermarktkette bestreitet die Vorwürfe: Die Klägerin sei nicht vorsichtig genug durch den Supermarkt gegangen. Sie habe sich selbst fahrlässig dem Risiko ausgesetzt, über eine Mandarine zu stürzen. Damit trage sie eine Mitschuld an ihrem eigenen Sturz. Außerdem sei die Filialleiterin zehn Minuten vor dem Sturz noch mit einem Reinigungswagen durch die Gemüseabteilung gegangen.

Das aber konnte die 63-jährige Filialleiterin am Donnerstag als Zeugin vor der 18. Zivilkammer des Bonner Landgerichts so nicht bestätigen. Sie selbst gibt an, dass sie den Boden eine halbe Stunde vor dem Sturz zuletzt mit der Maschine gereinigt habe. Auch eine regelmäßige Sicht-Kontrolle alle 15 Minuten konnte sie nicht bestätigen.

Schließlich machte der Bonner Richter einen Vergleichsvorschlag, den beide Parteien annahmen: 12 000 Euro zahlt der Supermarkt an die 71-Jährige. Damit sollen nicht nur das Schmerzensgeld, sondern auch alle künftigen Folgen des Sturzes abgegolten sein.