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3600 Euro Strafe: Tablets und Telefone aus der Paketpost gefischt

Symbolbild.

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dpa

Waldbröl -

Zwei Gastronomiebetriebe, zwei Pleiten und am Ende Schulden in Höhe von etwa 250 000 Euro. Ausführlich beschrieb der heute 44 Jahre alte Vater von drei Kindern vor dem Waldbröler Amtsgericht, was ihn dazu getrieben hatte, zwischen dem 19. September 2014 und dem 13. Mai vergangenen Jahres Pakete zu öffnen, um 15 Smartphones und drei Tablet-Computer zu stehlen.

Der Waldbröler, der erst als Gastronom selbstständig war und später bei der Deutschen Post als Angestellter arbeitete, gestand jede der Taten, die ihm die Staatsanwaltschaft zur Last legte. Dafür muss er eine Geldstrafe in Höhe von 3600 Euro bezahlen und ist fortan vorbestraft. Dabei nannte der Mann jene Diebstähle, die juristisch als Unterschlagung gelten, eine bescheuerte Idee. Damals war er als Zusteller sowohl in der Brief- als auch der Paketlogistik bei der Post beschäftigt, im Morsbacher Zustellzentrum war sein Arbeitsplatz. Diesen verlor er sofort, nachdem ihn der posteigene Sicherheitsdienst bei seinem letzten Vergehen erwischt hatte. Damals schon gestand er auch die weiteren Taten, die er allein aus finanzieller Verzweiflung begangen habe.

Hauptschüler zu Gast

im Gerichtssaal

Heute steht der Waldbröler wieder in Lohn bei einem Unternehmen, das nicht in der Logistikbranche tätig ist. Genau wollte Amtsrichter Carsten Becker wissen, wie der Angeklagte damals vorgegangen ist. Der sagte aus, er habe leichtes Spiel gehabt, weil die Post ohnehin ein Problem mit Diebstählen habe und Pakete auf ihrer Reise nur nach der Einlieferung und dann bei der Zustellung gescannt würden. „Dazwischen arbeiten auch noch Subunternehmer, die ebenfalls mit solchen Lieferungen schon mal im Wald verschwinden“, berichtete der frühere Bote.

Richter Becker rügte ihn dafür, dass er die „Todsünde Postöffnen“ begangen habe. „Man weiß ja sofort, was in den Paketen drin ist“, erklärte der Angeklagte seine zielsicheren Griffe nach Mobiltelefonen und eben Tablets. Diese bot er auf Flohmärkten an, etwa 200 Euro habe er pro Gerät bekommen.

Der kurze Prozess war für etwa 30 Zehntklässler der Albert-Schweitzer-Hauptschule in Nümbrecht eine Lehrstunde. 400 bis 500 Verhandlungen habe er im Jahr, sagte Richter Becker und verwies darauf, dass die Zahl der Prozesse gegen 14- bis 21-Jährige in Waldbröl heute einen großen Anteil im Gerichtsalltag ausmache.


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