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Werkstätte in Bergneustadt: Schmiede am Heimatmuseum wieder in Betrieb

Norman Senft schleift einen der alten Ambosse zurecht.

Norman Senft schleift einen der alten Ambosse zurecht.

Bergneustadt -

Nebenan im Backes duftet es herrlich nach frisch gebackenem Brot, hier aber riecht es streng und nach harter Arbeit. Norman Senft geht in die Hocke und lässt den Schleifer kreischen, Funken fliegen. Und hinter ihm wühlt Christian Gregorzewski in altem Werkzeug und prüft, was noch zu gebrauchen ist. Unterdessen hat Thomas Sauer die Schmiedekluft angelegt und die Esse befeuert. Gut gelaunt gehen die drei Männer an die Arbeit, längst haben sie die alte, meist verwaiste Werkstätte am Heimatmuseum in der Altstadt von Bergneustadt zu neuem Leben erweckt.

Wurde dort früher allein am Internationalen Museumstag geschuftet und dafür ein Leihschmied aus dem Ruhrgebiet angeheuert, so schwingt die Gruppe jetzt an jedem ersten und dritten Donnerstagabend im Monat den Hammer.

Werkzeuge sind 200 bis 300 Jahre alt

„Die Schmiede wurde einfach zu selten genutzt“, sagt Museumsleiter Walter Jordan und freut sich über den Lärm im Nachbarhaus. Dort wird zwar schon glühender Stahl in Form geschlagen, doch sind die Männer um Thomas Sauer seit dem vergangenen September vor allem damit beschäftigt, Ordnung zu schaffen in dem kleinen Fachwerkhaus, das so oft verwaist gewesen ist. „Viele der Werkzeuge sind 200 bis 300 Jahre alt“, schätzt der 52-jährige Sauer, der in einem Schmiedelehrgang einst Feuer gefangen hat für dieses alte Handwerk. Diesmal fertigt er Haken, während Mitstreiter Senft (49) Unebenheiten aus einem zweiten Amboss schleift.

In einer Ecke türmt sich bereits das alte Eisen, auch ein ausrangiertes Schild des Restaurants „Zur Burg“ thront auf diesem Haufen. Nichts kommt weg. „Das bringen wir in Ordnung, tauschen den Namen aus und hängen es dann an der Schmiede auf“, kündigt Gregorzewski (35) an. Er, ein Marienheider, ist der einzige der fünfköpfigen Männerrunde, der nicht aus Bergneustadt kommt.

Räumen sie nicht auf, dann führen die Handwerksenthusiasten kleine Aufträge aus, zum Beispiel für das Heimatmuseum oder für Nachbarn, die etwas Geschmiedetes für den Garten suchen. „Ein richtiger Schmied bin ich aber nicht, bloß ein begeisterter Amateur“, betont Thomas Sauer, nachdem er dafür gesorgt hat, dass die Esse wieder Luft bekommt. Etwa 850 Grad heiß ist das Eisen, das Sauer da in die Flammen hält.

Wie alt die Museumsschmiede ist, das weiß niemand. „Hier wurden zwei Werkstätten zusammengebracht“, weiß Museumsleiter Walter Jordan. „Eine stand auf dem Hackenberg, die andere um die Ecke an der Kirchstraße – diese gehörte früher der Firma Mertens. Jordan und die Schmiedegruppe hoffen, dass sich noch weitere Interessierte finden. Und spätestens zum nächsten Internationalen Museumstag, 22. Mai, soll die alte Schmiede wieder in Schuss sein.

Wer sich fürs Schmieden begeistert, ist am Donnerstag, 18. Februar, von 18 bis 20 Uhr in der Museumsschmiede in der Altstadt, an der richtigen Adresse. Das Heimatmuseum ist von Dienstag bis Sonntag, jeweils von 11 bis 17 Uhr, geöffnet.