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50 Millionen sind zu viel: Die Wiehltalbahn ist nicht wirtschaftlich zu betreiben

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Oberberg -

Vize-Landrat Prof. Dr. Friedrich Wilke (FDP) hätte der Wiehltalbahn am liebsten gleich an Ort und Stelle den Garaus gemacht. Jetzt habe man schriftlich, was ihm und „jedem mit gesundem Menschenverstand“ von Anfang an klargewesen sei: Ein Schienenpersonennahverkehr auf der Wiehltalstrecke sei selbst im günstigst gerechneten Fall nicht wirtschaftlich. Und da man die Wiehltalbahnfreunde nicht vom Gegenteil überzeugen werde, „können wir das für den Kreis ebenso gut jetzt hier gleich abschließen“, fand Wilke am Montagnachmittag im Kreisentwicklungsausschuss, der im Festsaal des Waldbröler Krankenhauses tagte.

Tatsächlich ließen die bereits Mitte Januar vom Düsseldorfer Beraterbüro Spiekermann vorgelegten Zahlen keinen anderen Schluss zu: Die Wiehltalbahn rechnet sich heutzutage nicht. Sie erreicht nicht den erforderlichen Nutzen-Kosten-Index (NKI), der Voraussetzung ist, um die nötigen Investitionen in die Strecke gefördert zu bekommen. Allenfalls eine weitere touristische Nutzung ist wegen des geringeren technischen Aufwands denkbar.

Bahnfreunde zweifeln die Expertise an

Fünf Streckenvarianten gab es, die ertragreichste wäre die zwischen Waldbröl und Gummersbach: 50 Millionen Euro würde die Inbetriebnahme dieses Abschnitts kosten mit neuen Gleisen, Übergängen, acht Haltepunkten und drei Zügen, die für einen 60-Minutentakt in beiden Fahrtrichtungen nötig wären. Auf zwei Millionen Euro würden sich die jährlichen Betriebskosten belaufen, dazu käme noch etwa eine halbe Million für das Nutzen der DB-Gleise zwischen Osberghausen und Gummersbach.

Eingesparte Reisezeit, Pkw-Sprit und -emissionen wurden ebenso den Nutzeffekten der Reaktivierung zugerechnet wie geringere Unfallschäden samt Verletzten und Toten auf der Straße.

Doch am Ende bleibt der Nutzen-Kosten-Index mit 0,3 weit unter dem für eine Förderfähigkeit erforderlichen Wert von 1,0.

Während die vier Bürgermeister der Wiehltalbahn-Anliegergemeinden Reichshof, Wiehl, Morsbach und Waldbröl das Ergebnis der Expertise ebenso akzeptieren wie die Nahverkehr Rheinland GmbH, die im Falle einer Reaktivierung Auftraggeber des Bahnverkehrs wäre, sehen der Förderkreis zur Rettung der Wiehltalbahn und die Rhein-Sieg-Eisenbahn das Gutachten skeptisch. Die Berechnungen seien nicht immer korrekt und das Ergebnis falsch, sagt Wiehltalbahn-Vorsitzender Gerd Mansel. Eigenen Berechnungen zufolge liege der Nutzen-Kosten-Index deutlich über der Schallgrenze von 1,0. Das soll nun geklärt werden.

Vor Vergabe des Gutachtens hatten sich alle Seiten verpflichtet, dessen Ergebnis anzuerkennen. Dass die Bahnfreunde jetzt nachverhandeln wollen, stößt auf wenig Zustimmung, wurde aber um des Ziels willen, am Ende eine wirklich wasserdichte Aussage zu haben, akzeptiert.

Der Ausschuss folgte dem Vorschlag der Verwaltung, das Gutachten zunächst den Fraktionen zuzustellen und die strittigen Fragen im dafür eingerichteten Arbeitskreis zu besprechen.