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Zentrum für Seelische Gesundheit: Mit dem Hund aus der Depression

Sven Hoffmeister gehörte zu den 60 Probanden, die im vergangenen Jahr untersucht worden.

Sven Hoffmeister gehörte zu den 60 Probanden, die im vergangenen Jahr untersucht worden.

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Hoene

Marienheide -

Der Hund gilt als der beste Freund des Menschen. Dass er schwer depressiven Menschen sogar ein Therapeut sein kann, hat jetzt erstmals eine Studie erwiesen, die gestern am Zentrum für Seelische Gesundheit in Marienheide vorgestellt worden ist. Der leitende Oberarzt für Allgemeinpsychiatrie und Psychotherapie, Dr. Andreas Sobottka, und die Tiertrainerin Mareike Doll-Degenhardt begleiteten 60 Patienten. So auch den 49-jährigen Sven Hoffmeister.

Nachdem Hoffmeister vor zwei Jahren gleich zwei Herzinfarkte erlitten hatte, wurde er zunehmend emotions- und antriebsloser. Die Diagnose: Depression. Im vergangenen Jahr kam er an die Marienheider Klinik – und als Proband der Studie mit Hündin Penny in Kontakt. Hoffmeister lehrte die Hündin unter anderem, eine Frisbeescheibe zu apportieren. Schnell wurden die beiden ein Herz und eine Seele. Durch die Arbeit mit Penny fand Hoffmeister sein verlorenes Selbstwertgefühl wieder.

Die „hundegestützte Therapie“, so die offizielle Bezeichnung, wurde in der Zeit zwischen Januar und November vergangenen Jahres untersucht. Jeweils über acht Wochen wurden insgesamt 60 Patienten begleitet. Dazu trennten Dr. Sobottka und Hundetrainerin Doll-Degenhardt ihre Probanden in zwei Gruppen: Die eine Patientengruppe wurde auf herkömmliche Weise therapiert, mit Medikamenten, Gesprächen und in Gruppenarbeiten. Die andere Gruppe durfte zusätzlich mit den Hunden arbeiten. Nach vier Wochen wurde der Gemütszustand mit Hilfe eines international anerkannten Fragebogens ermittelt – das Ergebnis: Den Patienten mit Hund ging’s bedeutend besser.

In einem zweiten vierwöchigen Durchgang wurden die Gruppen getauscht. Es zeigte sich: Der Zustand der Patienten, die vor vier Wochen mit den Hunden gearbeitet hatten, war gleichbleibend gut. Und auch die Patienten, die nun in Kontakt mit den Vierbeinern gekommen waren, hatten eine bessere Stimmung. Viele gaben sogar an, nicht mehr an Selbstmord zu denken.

Dr. Sobottka berichtet, dass die Therapie auch Angstpatienten geholfen hat: „Ein Proband musste einem Hund beibringen, in einen Bach zu gehen – doch der Hund hatte vor dem Gewässer Angst. Durch diese Aufgabe hat der Patient Zugang zu den eigenen Ängsten bekommen.“ Ein wichtiger Bestandteil der Therapie war das Führen des Vierbeiners, sagt Sobottka: „Hat ein Patient gelernt, seinen Willen gegenüber dem Hund durchzusetzen, wird er es auch hoffentlich in seinem Privatleben und Job besser können.“ Denn viele Patienten lasten sich zu viel auf, weil sie nicht „Nein“ sagen können, und zerbrechen daran.

Die Studie sei ein „guter Auftakt“, sagt Dr. Sobottka. Warum und wie die hundegestützte Therapie hilft, müsse weiter erforscht werden. Eines sage die Untersuchung jedoch nicht aus: dass sich jeder depressive Mensch einen Hund zulegen solle. Es braucht schon den passenden Vierbeiner, um Gutes zu bewegen.