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Radschnellwege geplant: Entspannt am Stau vorbeiradeln

Flott unterwegs dank Unterführungen sind Radler auf eigenen Schnellwegen wie hier in Zwolle (Niederlande). (Foto: Ulrich Kalle, ADFC NRW)

Flott unterwegs dank Unterführungen sind Radler auf eigenen Schnellwegen wie hier in Zwolle (Niederlande). (Foto: Ulrich Kalle, ADFC NRW)

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Köln -

Es ist der Traum jedes Pendlers: Entspannt zur Arbeit in die Stadt fahren, auf einer eigenen Fahrbahn, vorbei an Staus und Ampeln. Dieser Traum soll in einigen Jahren in Köln in Erfüllung gehen. Gemeint sind allerdings nicht Autofahrer, sondern Radfahrer.

Um mehr Berufspendler aus dem Umland zum Umstieg aufs umweltfreundliche Fahrrad oder Elektro-Bike zu bewegen, plant die Stadt Köln gemeinsam mit Nachbarkommunen den Bau von Radschnellwegen. Das sind eigene Strecken für Radfahrer mit mindestens zwei Fahrstreifen (einer je Richtung) à 2,00 Meter Breite, wie es sie in Holland oder Dänemark längst gibt, in Deutschland aber nicht.

Der Clou: Radschnellwege werden nach Möglichkeit mittels Brücken oder Unterführungen kreuzungsfrei an Straßen vorbeigeführt und erlauben so wesentlich höhere Reisegeschwindigkeiten als normale Radwege. Während man sonst in der City kaum mehr als zwölf Kilometer pro Stunde schafft, sind es auf Radschnellwegen 20 km/h und mehr. So erweitert sich der Radius deutlich. Vor allem mit Pedelecs sind Distanzen von mehr als zehn Kilometer kein Problem. Dank Elektroantrieb kann man entspannt ohne zu schwitzen im Anzug ins Büro radeln.

Seit längerem ist Köln mit dem benachbarten Rhein-Erft-Kreis, dem Rhein-Sieg-Kreis und der Stadt Bonn über entsprechende Projekte im Gespräch. Noch handelt es sich um Zukunftsvisionen, doch in Kürze soll es konkret werden. "Wir wollen uns am Planungswettbewerb Radschnellwege des Landes NRW beteiligen", so der Fahrradbeauftragte der Stadt Köln, Jürgen Möllers.

Den Siegern winken Fördergelder. Landesweit sollen fünf Konzepte für Radschnellwege in NRW prämiert werden, bei denen die Machbarkeitsstudie, die Ausführungsplanung und der Bau mit jeweils 80 Prozent der Kosten vom Land finanziert werden.

Verbindung zwischen Kommunen

Wichtig ist dabei, dass der Radschnellweg eine Verbindung zwischen zwei oder mehreren Kommunen schafft. Die Zeit drängt: Wettbewerbsbeiträge können bis zum 22. Juli beim NRW-Verkehrsministerium eingereicht werden. In einer Vorlage, über die der Verkehrsausschuss der Stadt Köln heute entscheiden soll, schlägt die Verwaltung vor, sich mit einem Konzept für die Strecke Köln-Frechen am Wettbewerb zu beteiligen. Kostenpunkt: rund 5000 Euro.

Der 7,4 Kilometer lange Abschnitt eigne sich besonders, weil er sich am ehesten umsetzen lasse und das Nutzerpotenzial hoch sei, erläutert Möllers. Auf der geplanten Route über die Bachemer Straße und Bachemer Landstraße gibt es schon heute für Autos gesperrte Fahrbahnabschnitte, die sich leicht umbauen lassen. Schwieriger werde es an großen Kreuzungen wie Militärring und Bonnstraße. Zurzeit verkehren täglich rund 300 bis 500 Radfahrer zwischen Frechen und Köln. "Wir wollen erreichen, dass es mehr als 1000 werden. Sinn der Radschnellwege ist es, die Zahl der Fahrradpendler zu vervielfachen, um den Autoverkehr und den ÖPNV zu entlasten", betont Möllers. Alternativ könne man sich auch mit der 10,9 Kilometer langen Route von Köln nach Pulheim bewerben, die über den Mühlenweg geführt werden soll. Auch eine Verbindung über Porz nach Troisdorf sei als Beitrag denkbar. Zudem beteiligt sich Köln auch an einer Untersuchung der Stadt Bonn und des Rhein-Sieg-Kreises über Zukunftspotenziale von Radschnellwegen in der Region.

Unabhängig davon hat Köln ein Radschnellweg-Konzept erarbeitet, das langfristig umgesetzt werden soll. Es besteht aus einem innerstädtischen Ring an der Inneren Kanalstraße, einem äußeren Ring von Worringen nach Sürth sowie neun radialen Verbindungen mit Anschlüssen unter anderem nach Bonn, Brühl, Erftstadt, Hürth, Horrem, Leverkusen, Bergisch Gladbach und Rösrath (siehe Grafik).

Der Fahrradclub ADFC begrüßt die Pläne. Bleibt die Frage der Finanzierbarkeit. Je nach Aufwand kostet ein Kilometer zwischen 200 000 und einer Million Euro. In Holland seien die ersten Radschnellwege mit Mitteln aus einem Anti-Stauprogramm der Regierung finanziert worden, weiß Ulrich Kalle vom ADFC NRW.