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ADFC testet Strunde-Radweg: Wo ist bloß ein Wegweiser?

Die Teilnehmer der ADFC-Exkursion (links: Vorsitzender Sven Bersch) beratschlagen an der Stadtgrenze von Bergisch Gladbach und Köln, wo es nun weitergeht.

Die Teilnehmer der ADFC-Exkursion (links: Vorsitzender Sven Bersch) beratschlagen an der Stadtgrenze von Bergisch Gladbach und Köln, wo es nun weitergeht.

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(Fotos: Brockmeier)

Bergisch Gladbach -

Samstagmittag in Bergisch Gladbach, die Sommerferien haben begonnen. Vor der provisorischen ADFC-Zentrale am S-Bahnhof treffen ein halbes Dutzend Radfahrer im Best-Ager-Alter ein. Sie sind dem Aufruf von Sven Bersch, dem Chef des rheinisch-bergisch/oberbergischen Kreisverbands der Fahrrad-Freunde, gefolgt, der testen will, wie gut der mit Landesförderung gebaute Radweg von der Quelle der Strunde bis zur Mündung ist.

Sven Bersch hat Erfahrung im Testen. Zuletzt machte er das im September 2013. Mit mit einem 30-Mann-Pulk steuerte er neuralgische Punkte im Gladbacher Verkehrsnetz an und brachte den Bau-Beigeordneten Stephan Schmickler so ins Schwitzen, dass der sich mit dem Hinweis behalf, er sei nur fürs Bauen, nicht aber für die Verkehrsregelung zuständig.

Hauptverkehrsstraßen vor Waldweg-Idylle

Heute Mittag ist Schmickler nicht dabei. Auch nicht der Kollege vom Verkehr. Obwohl die Stadt ja laut Bersch eingeladen worden ist. Aber es sind Schulferien. Und Sommer. Bergischer Sommer. Es regnet die meiste Zeit.

Die Radlergruppe tut so, als sei sie mit der S-Bahn in die Kreisstadt gekommen, um als Ausflügler den Strunde-Radweg zu befahren, der im Rahmen des Strukturförderungsprogramms Regionale 2010 geschaffen wurde. Aber wie findet der GL-Gast vom S-Bahnhof aus den Weg zum Weg? „Hier fehlt ein Schild“, sagt Bersch. Den Satz wird er heute noch einige Male sagen.

Indes hapert es aus Sicht von Radfahrern nicht nur an Schildern. Wer zur Strunde-Quelle radeln möchte, muss zunächst durch „Feindesland“, auf zum Teil vierspurige Hauptverkehrsstraßen. „Es wäre viel einfacher, wenn die Fußgängerzone für Radfahrer geöffnet würde“, sagt Bersch, „doch einige Geschäftsleute haben noch nicht verstanden, dass auch Radfahrer Kunden sind“.

Stattdessen muss das halbe Dutzend die Rhein-Berg-Galerie via Stationsstraße, Schrankenkreisel und Gohrsmühle umgehen. An der Gohrsmühle ist der Gehweg streckenweise für „Radfahrer frei“, der Radler kann sich laut Bersch also aussuchen, ob er Fahrbahn oder Gehweg wählt. Er muss aber, wenn es kein Extra-Verkehrszeichen gibt, stets in dieselbe Richtung fahren wie die Autos. „Geisterradler“ auf dem Gehweg fahren im Grundsatz genauso gegen die Regeln wie Geisterfahrer auf der Autobahn. Schwer zu begreifen nur, dass die Radtouren-Ausschilderer die Radler an der Bensberger Straße auf genau solche Strecken schicken.

Richtig schön wird der Strunde-Radweg, als die aus Refrath, Schildgen, Köln und Gummersbach angereisten Radler von der Odenthaler Straße in die Straße „An der Strunde“ und im Anschluss in die Straße „Am Mühlenberg“ abgebogen sind. Von hier aus geht es auf einen wundervollen Waldweg, an dem auch Bersch fast nichts auszusetzen hat. „Der Weg hier ist nicht asphaltiert, aber das muss er im Wald auch nicht.“ Man müsse nur aufpassen, dass man keine tief hängenden Dornen ins Gesicht bekomme.

Über Stock und Stein geht’s weiter, vorbei an einem großen Anwesen … War das nicht das Papiermuseum? „Ein vernünftiges Hinweisschild wäre hier ganz gut, damit das auch Fremde erkennen“, meint Bersch. Wenige hundert Meter vor Gut Schiff geht’s zurück an die L 286, an die Kürtener Straße, und hier macht das Grüppchen, was es eigentlich nicht soll: Es fährt links der Straße. Auf einem Weg, der aussieht wie ein Radweg, aber nicht gekennzeichnet und in beide Richtungen freigegeben ist.

Am Alten Freibad geht’s vorübergehend wieder von der Straße weg, bis die Quelle der Strunde erreicht ist. Zwischendurch informieren Tafeln über die Orte am Wegesrand.

Auch in die Strundequelle ist viel Steuergeld investiert worden. Jetzt ist sie auch im Dauerregen ein hübsches Ausflugsziel – und das nicht nur für Fußwanderer, die durch den städtischen Flyer „Der Strunder Bach“ und kleine, blau-gelbe Hinweisschilder gut geleitet werden, sondern auch für Radler. Allerdings ähneln deren Hinweisschilder denen der Fußgänger, und an vielen Stellen, wo man sie bräuchte, fehlen sie ganz oder sind schlecht erkennbar angebracht.

Von der Quelle geht’s zur Mündung – aus 158 Metern Höhe in Herrenstunden bis 68 Meter an der Stadtgrenze zu Köln. Es geht zum Teil über spitze Steine, die, wie Bersch scherzt, vermutlich von den hiesigen Fahrradhändlern gesponsert wurden. Am Papiermuseum gibt es eine Zwangspause, da einem der Teilnehmer ein Reifen geplatzt ist.

In Gladbach selbst gibt es noch einmal einen kurzen Aufstieg an der Bensberger Straße, weil die Firma Zanders umfahren werden muss, dann geht es durch die Gronauer Wald-Siedlung bis zum Refrather Weg, von wo ein schwer zu erkennenden Radweg abgeht. Der Radweg kreuzt das Sträßchen Am Rodenbach, dann wird die Wegequalität noch einmal deutlich schlechter. Den Planern scheint die Puste ausgegangen zu sein. Da, ein ein Waldweg, und dann, hast du nicht gesehen?, steht man auf dem Gehweg der breit ausgebauten Gierather Straße und findet keine Bordstein-Absenkung.

Nach einigem Umherirren erreicht die Gruppe die Stadtgrenze. „In Köln wird es mit der Beschilderung auch nicht besser. Eher schlimmer“, verrät Rad-Experte Sven Bersch. Dafür führe der Weg bis zum Rhein an vielen schönen Kneipen vorbei. Na dann.