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Strategien: Drei Säulen für neuen Wohnraum

Drei Säulen

Siedlungshäuser gegenüber der Heilig Geist Kirche an der Handerstraße.

Foto:

Klaus Daub

Bergisch Gladbach -

Große neue Baugebiete planen, Baulücken zügig mit neuen Wohnhäusern schließen und die Gründung einer eigenen Wohnungsbaugesellschaft. In diesen drei Punkten will die Stadt Bergisch Gladbach aktiv werden, um bezahlbaren Wohnraum in der Stadt zu schaffen. Die Strategien erläuterte die Stadtverwaltung am Donnerstagabend im Ausschuss für Soziales und Wohnungswesen und legte eine umfassende Darstellung der aktuellen Sachverhalte schriftlich vor.

„Die Stadt prüft jetzt ganz forciert, wo sind geeignete Grundstücke, die baldmöglichst bebaut werden können“, erläuterte Stadtbaurat Stephan Schmickler dem Gremium ein Beratungsergebnis, das zwei Abende zuvor im Planungsausschuss festgelegt worden sei. Auch soll die Zusammenarbeit mit der Rheinisch-Bergischen Siedlungsgesellschaft (RBS) intensiviert werden.

Zur Idee eine Wohnungsbaugesellschaft zu gründen, überlegt die Verwaltung zurzeit, wie sie gestaltet werden kann und will den politischen Gremien dann einen Vorschlag vorlegen. Da die RBS aktuell mit zwei neuen Bauprojekten befasst sei, gebe aus Schmicklers Sicht durchaus Handlungsbereiche für eine städtische Wohnungsbaugesellschaft. Das sieht die FDP dagegen kritisch. „Wir sind mit der RBS hier in Bergisch Gladbach gut aufgestellt“, erklärte Ingrid Koshofer (FDP).

In Bergisch Gladbach wohnt und lebt es sich gut. Doch das Wohnen hat seinen Preis. Mieten, Bodenpreise und Baukosten steigen weiter, so Schmickler. Bezahlbarer Wohnraum ist im Stadtgebiet seit Jahren knapp. Nicht zuletzt durch die Zuwanderung von Flüchtlingen nimmt die Brisanz des Themas für Politik und Verwaltung weiter zu. Die Verwaltung geht von einem Einwohnerzuwachs von 5000 Menschen aus sowie weiteren 5000 Flüchtlingen. Der Entwurf des neuen Flächennutzungsplanes für das Stadtgebiet soll deshalb Baulandreserven in einer Dimension enthalten, die ausreichen, um diesen Bevölkerungszuwachs über einige Jahre verteilt aufnehmen zu können. Um Mehrfamilienhäuser und geförderten Wohnungsbau realisieren zu können, kann die Siedlungsentwicklung nicht nur kleinteilig sein, sondern braucht größere zusammenhängende Baugebiete, stellt die Verwaltung fest.

Erhebliche Widerstände

Auch die Mobilität der Menschen und Gewerbeflächen, die letztlich Arbeitsplätze bedeuten, sollen im Plan berücksichtigt werden. Doch schon heute ist laut Stadtverwaltung erkennbar, dass erhebliche Widerstände verschiedener Interessengruppen gegen die Ausweitung von Bauflächen, insbesondere beim Gewerbe, laut werden. Wenn deshalb Wohn- und Gewerbeflächen nicht ausreichend ausgewiesen werden, befürchtet die Stadt „massive soziale und ökonomische Verwerfungen mit nachhaltigen Problemen“.

Zum Thema Baulücken hat die Verwaltung ermittelt, dass es rund 1000 bebaubare Lücken-Grundstücke im Stadtgebiet gibt. Doch hier neue Wohnungen zu bauen sei praktisch unmöglich, wenn die Privateigentümer daran nicht interessiert sind. Diese Erfahrung macht der Stadtbaurat immer wieder: „Da können wir nichts machen.“ Zudem würden die meisten Grundbesitzer angesichts der Lage auf dem Immobilienmarkt frei finanzieren wollen, ohne öffentliche Förderung. „Dabei ist es heute schon die Mitte der Gesellschaft, die vom Einkommen her für geförderten Wohnungsbau in Frage kommt“, sagte Schmickler.

Verstärkt nutzen könne die Stadt ihr Vorkaufsrecht zur Baulandgewinnung, schlägt der Schmickler vor. Nach dem Baugesetzbuch bestehe dieses Recht auch für unbebaute Wohnbauflächen. Hat die Stadt ihr Vorkaufsrecht ausgenutzt, müssten allerdings zügig Wohnungen gebaut werden. Andernfalls bestehe das Risiko, dass die Fläche rückübertragen werden muss. Das zügige Bauen spricht nach Ansicht der Verwaltung wiederum für eine eigene Wohnungsbaugesellschaft.