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Kölnische Rundschau | Brand in Odenthal : Mutmaßlicher Brandstifter von Flüchtlingsheim stellt sich der Polizei
06. December 2014
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Brand in Odenthal : Mutmaßlicher Brandstifter von Flüchtlingsheim stellt sich der Polizei

Ein Flüchtlingswohnheim in Odenthal ist am Samstagvormittag ausgebrannt. Ein Bewohner wurde verletzt.

Ein Flüchtlingswohnheim in Odenthal ist am Samstagvormittag ausgebrannt. Ein Bewohner wurde verletzt.

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Christopher Arlinghaus

Odenthal -

Bei einem Brand in einer Asylunterkunft am Ortsrand von Voiswinkel ist am Samstagvormittag ein 25-jähriger Flüchtling aus Algerien so schwer verletzt worden, dass er ins Krankenhaus gebracht werden musste und dort über Nacht blieb. Ein 24-jähriger Mitbewohner steht im Verdacht, das Feuer im Streit gelegt zu haben. Er stellte sich am Samstagabend selbst den Behörden und kam zunächst in Bergisch Gladbach in Polizeigewahrsam. Gegen ihn wird laut Polizei wegen schwerer Brandstiftung ermittelt. Die Unterkunft brannte völlig aus, die übrigen 15 in dem Altbau untergebrachten Bewohner wurden von der Feuerwehr in eine erst am Vortag fertiggestellte neue Flüchtlingsunterkunft im Gemeindegebiet gebracht.

Lange Schlauchleitung

Die kleine Waldstraße, die zum Flüchtlingswohnheim am westlichen Ortsrand von Voiswinkel führt, hat die Polizei am Samstagvormittag gesperrt. Die Feuerwehr hat hier eine mehrere Hundert Meter lange Schlauchleitung verlegt. „Wir löschen hier mit C-Rohren. Da brauchen wir viel Wasser“, erklärt der Odenthaler Feuerwehr-Chef Gregor Lange die aufwendige Aktion. Auch noch 45 Minuten nach dem gegen 11.45 Uhr ausgelösten Alarm schlagen offene Flammen aus dem Dach des Altbaus an der Straße Im Schwarzbroich, in dem bis dahin 16 Flüchtlinge, allein lebende erwachsene Männer, aber keine Familien, untergebracht gewesen sind. Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst sind mit ganz großem Aufgebot ausgerückt: Die komplette Odenthaler Feuerwehr ist vor Ort, sie wird unterstützt von einem Löschzug aus Bergisch Gladbach. Der Rettungsdienst geht von einem „Massenanfall von Verletzten aus“ und alarmiert zunächst vier Notärzte und fünf Rettungswagen. Auch die Polizei ist mit diversen Streifenwagen angerückt. Am Nachmittag rückt auch noch das Technische Hilfswerk an, um bei Bedarf die Einsatzstelle auszuleuchten. Die Bewohner der Unterkunft verfolgen die Löscharbeiten vor Kälte bibbernd und offenkundig geschockt. Sie stehen in der Garage eines Anwohners. Gerade erst haben sie sich vor Verfolgung in Sicherheit bringen können, und jetzt sehen die Menschen ihre Asylunterkunft abbrennen, haben sich aus der Lebensgefahr retten müssen. „Nein, Sie können da nicht mehr rein“ sagt ein Feuerwehrmann zu einem der Flüchtlinge, der wohl seine Papiere in dem Haus gelassen hat.

Die Anwohnerfamilie stellt nicht nur die Garage zur Verfügung. „Wir haben Tee gekocht und ein paar Decken verteilt“, sagt die Tochter des Hauses. Sie macht nicht viel Aufhebens um die Nachbarschaftshilfe von Mensch zu Mensch. Auch Ehrenamtler aus der Odenthaler Flüchtlingsbetreuung sind vor Ort, um zu helfen. Ein Mannschaftstransporter bringt die Flüchtlinge dann zum Rettungsbus der Kölner Berufsfeuerwehr, der an der Grundschule wartet. Von dort aus werden die Flüchtlinge zu ihrer neuen Bleibe gebracht.

Da hat die kleine Gemeinde Odenthal Glück im Unglück. „Gerade gestern erst ist die neue Unterkunft fertig geworden“, sagt Bürgermeister Wolfgang Roeske am Brandort. Den Flüchtlingen bleibt damit ein Notquartier beispielsweise in einer Turnhalle erspart.

Zur mutmaßlichen Brandursache ist vor Ort von offizieller Seite zunächst kaum etwas zu erfahren – wohl aber von den Flüchtlingen selbst. Einer von ihnen berichtet dieser Zeitung, Mitbewohner hätten geschildert, dass zwei der Bewohner sich heftig gestritten hätten. Einer der beiden habe schließlich Benzin geholt und es angezündet. Bereits am Vorabend habe es einen heftigen Streit gegeben, der zu einem Polizeieinsatz geführt habe. Die Beamten hätten mit den Männern geredet und seien dann wieder abgerückt. Der Einsatzleiter der Polizei vor Ort, Polizeihauptkommissar Jürgen Kurtenbach, sagt: „Es liegt der Verdacht einer Straftat vor.“

Neue Container blieben verschont

Am frühen Samstagabend dann stellt sich der 24-jährige Mann, der zunächst weggelaufen war, selbst auf der Bergisch Gladbacher Polizeiwache. Die Staatsanwaltschaft verneint den Verdacht auf ein versuchtes Tötungsdelikt. Stattdessen werde wegen schwerer Brandstiftung gegen den Verdächtigen, der zunächst im Polizeigewahrsam bleibt, ermittelt, so ein Polizeisprecher am Sonntag. Er bestätigt einen Polizeiansatz in dem Haus am Tag vor dem Brand. Dass die bisherige Asylunterkunft noch einmal genutzt werden kann, glaubt Bürgermeister Wolfgang Roeske nicht. Die hinter dem früheren Obdachlosenquartier stehenden neuen Wohncontainer hat die Feuerwehr schützen können. Vorher haben die Einsatzkräfte dort Türen aufbrechen müssen, um sicherzustellen, dass niemand mehr darin gewesen ist.

In dem Asylquartier waren die Flüchtlinge jeweils zu zweit in zwölf bis 16 Quadratmeter großen Räumen unterbracht. Zudem gab es gemeinschaftliche Sanitäranlagen und eine Kochgelegenheit. Roeske versichert, dass die Gemeinde nicht in Schwierigkeiten bei der Unterbringung kommen werde: „Wir haben entsprechend vorgesorgt – anders als die Stadt Köln.“