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Cybermobbing: Das Internet vergisst nichts

Manche werden Opfer von Cyber-Mobbing. (Foto: dpa)

Manche werden Opfer von Cyber-Mobbing. (Foto: dpa)

Rhein-Berg -

Die damals zwölfjährige Amanda Michelle Todd beging einmal in ihrem Leben einen großen Fehler. In einem Internetchat entblößte sie ihren Oberkörper vor einem Fremden. Der Mann fotografierte das Foto per Webcam, schickte es an Amandas Schule und lud es bei Facebook hoch.

Was für Amanda folgte, war ein Spießrutenlaufen, das schließlich im Suizid endete. Vorher lud der Teenager noch ein neunminütiges Video auf YouTube hoch, in dem sie über ihre Erlebnisse schweigend mit handgeschriebenen Zetteln berichtete.

Aufpassen, was ins Netz gestellt wird

Soweit wie bei Amanda kommt es nur in Extremfällen. Aber die Zahl der Cybermobbing-Opfer ist auch hierzulande steigend. Laut der Studie „Cyberlife“ waren im vergangenen Jahr 17 Prozent der Jugendlichen im Alter von 14-15 Jahren bereits Opfer von Cybermobing-Attacken. Jedes fünfte Cybermobbingopfer fühlt sich dauerhaft belästigt.

Auch im Kreis passieren solche Fälle. Zuletzt hatte ein 13-jähriges Mädchen ein offenherziges Foto von sich an den Freund geschickt. Prompt schickte der es an einen anderen Freund weiter. Es entstand eine Kettenreaktion. Das Foto wurde schließlich in der ganzen Schule bekannt. Erschwerend kam hinzu, dass das Mädchen aus einer Familie mit Migrationshintergrund stammt, wo besonders strenge Moralvorstellungen herrschen.

Glücklicherweise schaltete die Schule die Polizei ein. „Wir sind da sehr schnell reingegangen“, berichtete Kriminalhauptkommissar Björn Goecke von der Kreispolizei. Der Ermittler sprach intensiv mit den Schülern und erreichte, dass sich die Jugendlichen mit dem Opfer solidarisierten.

Die meisten Bilder wurden gelöscht und das Mädchen hat wieder seine Ruhe, wie Goecke erklärte: „Aber der Aufwand war schon enorm.“ Zwar verstößt das unerlaubte Weiterschicken eines Fotos gegen das „Recht am eigenen Bild“ und erfüllt damit einen Straftatbestand, aber das geringe Strafmaß schreckt die meisten Jugend kaum ab. „Eher können wir da schon mit den Eltern drohen, da haben die meisten Jugendlichen Angst vor“, erklärt Goecke.

Präventiv sei es aber wichtig, dass die Jugendlichen genau aufpassen, was sie so alles ins Netz stellen. Denn eine Fehlentscheidung oder ein verfängliches Foto kann einen schnell ein ganzes Leben lang verfolgen.

„Das Internet vergisst nichts“, betont Kriminalhauptkommissarin Gundhild Hebborn, die bei der Kreispolizei für den Bereich Opferschutz tätig ist. Sie wünscht sich besonders von den weiterführenden Schulen mehr Präventionsarbeit und Eltern, die beim Mobbing ihrer Kinder nicht vorschnell abwinken. Denn oft trifft Cybermobbing bei Jugendlichen die Stillen oder diejenigen, die ausgestoßen werden.

Medienpädagoge Tobias Schmölders setzt ebenfalls auf mehr Medienerziehung: „Die Jugendlichen sollten wissen, welchen Quellen sie vertrauen können“. Von rigorosen Maßnahmen wie einem Handyverbot hält Björn Goecke hingegen nichts: „Damit würde man sein Kind nur aus der Gruppe ausschließen.“