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Dieter Roth in der Villa Zanders: Entdeckung eines wilden Geistes

Die isländische Insel Surtsey druckte Dieter Roth in den 60er Jahren häufig. Die Restbestände überdruckte sein Sohn Björn 2003 zu einem neuen Zyklus im Stil der Pop-Art. (Fotos: Daub)

Die isländische Insel Surtsey druckte Dieter Roth in den 60er Jahren häufig. Die Restbestände überdruckte sein Sohn Björn 2003 zu einem neuen Zyklus im Stil der Pop-Art. (Fotos: Daub)

Bergisch Gladbach -

Am Treppenabsatz grüßt freundlich der „Pet“. So nannte Dieter Roth ein Selbstbildnis aus Schokoguss, das gar nicht mal so vergammelt ist, wie man es nach 40 Jahren vermuten könnte. Doch die kleine Skulptur aus dem verderblichen Lieblingsmaterial des Künstlers scheint unter der Glasglocke gut geschützt.

Gewürzfenster, Karnickelköttelhase, Wurst auf Papier, Landschaft mit Quarkbäumchen, Sonnenuntergang aus Schmelzkäse auf Dachpappe, Gartenzwerg im Schlafrock: Es sind natürlich die schrägen Erzeugnisse der Eat Art, die die Aufmerksamkeit als erstes auf sich ziehen, wenn man die neue Ausstellung in der Villa Zanders betritt. Und bei den meisten gehört der Verwesungsprozess zum Konzept.

Doch künstlerisch spektakulär ist der andere Teil der Schau, den Galerie-Leiterin Dr. Petra Oelschlägel „ein kleines Wunder“ nennt. Tatsächlich sind die Umstände, wie die Gesamtschule im kleinen Paffrath an den 22-teiligen Grafikzyklus des großen Universalkünstlers kam, aufregend bis skurril (siehe BLZ vom 14. September). Sie entstanden als Kunst am Bau im Rahmen des neuen pädagogischen Gesamtkonzepts, das vor nunmehr 40 Jahren zur Schulgründung führte.

Jahrzehnte waren die Blätter – abgesehen von einer Kurzpräsentation 2006 – aus dem Fokus. Jetzt hängen sie zusammen in einem gut ausgeleuchteten Raum und können ihre Meisterschaft so richtig entfalten. „Dieter Roth war fasziniert von der Druckgrafik und hat sie immer wieder variiert“, zeigt Oelschlägel. Für den Paffrath-Zyklus erfand er sogar eine neue Technik: den Sandwichdruck. Einzelne Platten werden dabei mehrfach überdruckt, wobei sich Farben und Motive überlagern und verdichten.

Ob dies als Reflex auf das didaktische Konzept der Gesamtschule zu verstehen ist oder „nur“ künstlerische Spielerei, ist unwichtig angesichts der Faszination, die dieser ungewöhnliche Umgang mit dem in den 70er Jahren heranwachsenden „Modemedium“ ausübt. Darum ist es auch kein Zufall, dass Roths Drucker Carl Christoph Schulz die Werke mitsignierte: „Es war eine außergewöhnlich intensive Zusammenarbeit“, betont Oelschlägel.

Auch zahlreiche Selbstporträts entstanden als Lithografien oder Grafiken, vom 1998 gestorbenen Künstler „Selbste“ genannt. Sie ergänzen, neben Artefakten aus Roths umfangreichem Werk als Autor, einem „Archivraum“ und Arbeiten von IGP-Schülern, die sehenswerte Ausstellung.


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