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Energie: Nicht jeder in Rhein-Berg profitiert vom billigen Öl

Speditionen berücksichtigen den Preiswechsel in den Verträgen.

Speditionen berücksichtigen den Preiswechsel in den Verträgen.

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Arlinghaus

Rhein-Berg -

Der Ölpreis ist mit rund 30 Dollar pro Barrel auf einem Tiefststand. Das freut die Autofahrer, die so günstig wie schon lange nicht mehr tanken können, aber auch die Hausbesitzer. Wie wirkt sich der niedrige Ölpreis auf die Unternehmen in Rhein-Berg aus? Wir haben nachgefragt.

Heizölhandel

Bei den Bergisch Gladbacher Heizölhändlern macht sich der geringe Ölpreis nicht im Umsatzverlauf bemerkbar. „Wir bearbeiten im Moment die typischen Anfragen für diese Jahreszeit“, sagt Andreas Brass, Verkaufsleiter der Firma Kops. Der Ölhändler sieht in seinem Unternehmen keinerlei Hamsterkäufe aufgrund der niedrigen Rohölpreise.

Ölhändler Jürgen Kops (r.), hier mit Mitarbeiter Karl Heinz Wogner hofft auf Rückzahlungen für Verbraucher.

Ölhändler Jürgen Kops (r.), hier mit Mitarbeiter Karl Heinz Wogner hofft auf Rückzahlungen für Verbraucher.

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So sei der Ölpreis schon seit Mai 2015 sehr niedrig, der Umsatzverlauf gleiche den Vorjahren. Einzig die Endverbraucher müssten den niedrigen Ölpreis bei ihrer Nebenkostenabrechnung für das Jahr 2015 deutlich spüren. Brass: „Falls bei den monatlichen Abschlagzahlungen die hohen Ölpreise von 2014 zugrunde gelegt worden sind, müssten die Endverbraucher eigentlich Rückzahlungen erhalten.“

Speditionen

Anders als zu erwarten gewesen wäre, lässt der aktuelle Dieselpreis die Spediteure relativ kalt. Sie profitieren kaum von den niedrigen Preisen. Andererseits leiden sie auch nicht mehr so stark darunter, wenn der Preis einmal sehr hoch ist. Denn die meisten Firmen der Logistikbranche haben mit ihren Auftraggebern feste Verträge, die jeweils auf die aktuellen Dieselpreise Rücksicht nehmen. „Für uns ist das ein Nullsummenspiel“, sagt der Geschäftsführer des Verbandes Spedition und Logistik NRW, Dr. Rüdiger Ostrowski aus Bergisch Gladbach.

Das Rechenmodell nennt sich „Dieselfloater“. Dazu wird der Kraftstoff-Durchschnittspreis eines Monats ermittelt. Eine Veränderung um zwei Cent nach oben oder unten führt dann beispielsweise zu einem Anstieg oder einer Reduzierung von 0,5 Prozentpunkten. Der jeweils gültige Preis wird in den Rechnungen separat ausgewiesen. Ostrowski: „Auf diese Weise konnten wir das ständige Auf und Ab der Dieselpreise so auffangen, dass wir den Kunden eine verlässliche Preisgestaltung anbieten können.“

Busverkehr

Die Kunden des öffentlichen Personennahverkehrs werden von von den niedrigen Treibstoffpreisen eher nicht profitieren. Sinkende Ticketpreise wird es nicht geben, obwohl die Betriebskosten gesunken sind. „Wir haben 2015 rund 45 000 Euro pro Monat weniger an Dieselkosten gehabt“, sagt Wupsi-Sprecherin Kristin Menzel. „Der Treibstoff macht aber nur 15 Prozent der Gesamtkosten aus“, erklärt Holger Klein vom Verkehrsverbund Rhein-Sieg. Fast 70 Prozent seien Personalkosten, die anderen 15 Prozent brauche man für die Wartung der Busse, die immer teurer werde. Der VRS ist der Dachverband von 26 Verkehrsunternehmen im Rheinland, und seine Verbandsversammlung entscheidet über die Ticketpreise. Nachdem in den vergangenen zwei Jahren die Preise für einen Fahrschein durchschnittlich um 2,8 Prozent gestiegen sind, vermutet Klein, dass der Preisanstieg für 2017 etwas geringer ausfallen könnte. Das müssen die Gremien des VRS aber noch beschließen. Denn: „Der ÖPNV ist grundsätzlich ein Zuschussgeschäft.“

Achim Schmitz betankt einen Wupsi-Bus. Trotz sinkender Kostern werden die Tickets nicht billiger.

Achim Schmitz betankt einen Wupsi-Bus. Trotz sinkender Kostern werden die Tickets nicht billiger.

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Über die gesunkenen Kraftstoffpreise freut sich Bernd Rubarth, Geschäftsführer des Reiseunternehmens Blitz-Reisen in Overath. 30 000 Euro hat seine Firma (acht Reise- und acht Kleinbusse) im Vergleich zu 2014 einsparen können, die Preise seien in allen Zielländern gesunken. Doch gibt es für das Unternehmen auch eine andere Seite der Medaille. Rubarth: „Wir hatten im letzten Jahr mit einem schwachen Euro zu kämpfen, und die für uns wichtigen Wechselkurse des US-Dollars, des Britischen Pfundes und des Schweizer Franken sind sehr stark gestiegen. Dies hat bei uns zu Kostensteigerungen geführt, die weit über den eingesparten Kosten aufgrund der günstigen Kraftstoffpreise lagen.“

Oft werde seine Firma im Ausland zudem mit „neuen Steuern und Abgaben konfrontiert“, die zum Zeitpunkt der Reiseplanung gar nicht vorhersehbar gewesen seien. So sei in Norwegen die Mehrwertsteuer auf Hotelleistungen von acht auf zehn Prozent angehoben worden, „was die Hotels natürlich an uns weitergeben“.

Stadtverwaltung

Zupacken bei den derzeit günstigen Energiepreisen will die Gladbacher Stadtverwaltung: Statt im Jahr 2017 soll der ab 2018 laufende Stromvertrag für alle öffentlichen Liegenschaften schon 2016 ausgeschrieben werden. Der Vorteil: Die Energieversorger müssen bei ihrem Angebot für die dreijährige Laufzeit die momentanen Preise bindend zugrunde legen. Beim Gas sei dieses Vorziehen ebenfalls eine Option, berichtet Stadtsprecherin Marion Linnenbrink. Konkrete Auswirkungen haben sinkende Ölpreise auf die städtische Wohnunterkunft in Katterbach; dort gibt es eine Ölheizung. Für Kürten berichtet Bürgermeister Willi Heider ebenfalls von einer dreijährigen Vertragslaufzeit für Strom und Gas. „Unser jetziger Vertrag ist deutlich günstiger als der vorherige.“ Bei jährlichen Gaskosten von 400 000 Euro kalkuliert Heider mit Einsparungen von etwa 10 000 Euro.

Mieten

Mieter werden – wenn überhaupt – von den niedrigen Ölpreisen erst in ihrer Jahresabrechnung für 2016 profitieren. Die Geschäftsführerin von Haus und Grund, Sylvia Schönenbröder, sieht allerdings keine Preissenkungen in Sicht. „Bei den Nebenkosten gibt es inzwischen so viele Preistreiber, zum Beispiel die gestiegene Grundsteuer, dass unterm Strich keine Ersparnis für die Mieter zu erwarten ist.“


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