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Festival der Meisterköch: Startproblem im Schloss der Sterne

Bensberg -

Nur ein kleines technisches Problem trennt die erwartungsvollen Gäste von den Köstlichkeiten des Drei-Sterne-Kochs Christian Jürgens: Der Herd will um kurz vor 13.30 Uhr an diesem Sonntag nicht angehen, die Pfanne bleibt dementsprechend stur – und kalt.

„Alle warten schon andächtig“, sagt der Drei-Sterne-Koch vom Restaurant Überfahrt in Rottach-Egern, schaut kein bisschen nervös auf die Menschenschlange vor seiner Kochstation im Grandhotel Schloss Bensberg und dreht dann aber doch ein wenig ungeduldig an den Knöpfen. Zwei Minuten später brutzelt es in seinen Pfannen, schmeckt der selbstbewusste Chef persönlich die Sauce mit dem Löffel ab. Dann gibt er den ersten Teller heraus.

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Insgesamt 27 Michelin-Sterne vereinten die 15 Spitzenköche auf sich, die gestern beim zwölften Festival der Meisterköche im Bensberg Schloss mit ihren kulinarischen Kunstwerken um die Gunst der Gäste warben. Lauwarme Champagner-Suppe mit Austern-Sandwich und Kaviar, Jakobsmuscheln und Austern: Die Sterneköche aus Deutschland, Portugal, den Niederlanden und der Schweiz überboten sich gegenseitig in wohlschmeckender Raffinesse.

„Seit einer Woche bereiten wir uns vor“, erzählte Zwei-Sterne-Koch Nils Henkel vom Schlosshotel Lerbach, der im Ballsaal den Heimvorteil genoss: Seine 650 Portionen gebeizter Seesaibling mit fermentiertem Fenchel und einer Bouillon von gegrilltem Sellerie gingen bis auf den letzten Teller weg. Nervös? Ach was. „Wir machen das doch schon zum zwölften Mal“, sagte Henkel. Unten im Restaurant Vendôme posierte Drei-Sterne-Koch und Lokalmatador Joachim Wissler im Minutentakt für Fotos mit den Gästen – wie ein Promi. Apropos Prominenz: Bürgermeister Lutz Urbach (CDU) war mit Ehefrau Tanja gekommen, ebenso wie der CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach mit Ehefrau Sabine.

Der Zwei-Sterne-Koch Tim Raue aus Berlin zählte wie Henkel und Wissler zu den Publikumsmagneten. Im vorigen Jahr hatte er alle Portionen schon in 47 Minuten gekocht – eine Stunde später gab es nichts mehr an seinem Stand. „Daraus haben wir gelernt. In diesem Jahr haben wir doppelt so viele Portionen“, ließ er schmunzelnd wissen, während er seinen Hummer höchstpersönlich servierte.

Dass aller guten Dinge drei, also drei Sterne, sind, wenn er im kommenden Jahr zum dritten Mal im Schlosshotel auflaufen wird, glaubt der momentan noch mit zwei Sternen dekorierte Koch nicht: „Für drei Sterne braucht es Harmonie beim Kochen. Ich mag keine Harmonie.“