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Verkehr in Bergisch Gladbach: Bergisch Gladbach hat das berühmteste Schlagloch Deutschlands

Auf dieser Straße bei Herkenrath platzte der Reifen von Günther Klum.

Auf dieser Straße bei Herkenrath platzte der Reifen von Günther Klum.

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Klaus Daub

Bergisch Gladbach -

Die Stadt Bergisch Gladbach hat einiges zu bieten. Das Grandhotel in Bensberg mit Spitzenkoch Joachim Wissler gehört dazu, das Mediterana wohl auch. Der Driescher Kirmeskreisel genießt nicht nur bei Liebhabern von Eisenbahnbauwerken hohe Aufmerksamkeit. Und gibt es in Deutschland eine Radstation, in der weniger Drahtesel stehen als in der am S-Bahn-Hof? CDU-Bundestagsabgeordneter Wolfgang Bosbach gilt laut jüngstem Politbarometer immerhin als der drittbeliebteste Politiker der Republik – vor Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Wer jetzt aber im deutschen Blätterwald oder im Internet den Namen Bergisch Gladbach sucht, der findet – ein Schlagloch: das Schlagloch, in dem Günther Klum, Vater von Model Heidi Klum, sich einen Platten fuhr. Fernsehstationen filmten in Herkenrath mit eigens entsandten Reportern. Agenturen tickerten um die Wette. Und in der Mitte all des Medienrummels stand ein gut gelaunter Günter Klum. „Ist doch Wahnsinn, wer sich alles für das Schlagloch interessiert“, sagte er gestern. Ein solches Interesse stachelt den Mann richtig an. Da schaltet er auf den Kampfmodus: Durch alle Instanzen will Klum für sein „Recht“ kämpfen. Nicht wegen der 741,94 Euro Reparaturkosten, sondern „wegen der Sache“. Schließlich hätte ja auch ein Motorradfahrer stürzen können. „So gesehen hat die Stadt mit meinem Platten noch richtig Glück gehabt.“ Im derzeit anhängigen Prozess sieht es aber eher schlecht für ihn aus. Da hat der Richter am Kölner Landgericht die Straße als „Feldweg“ bezeichnet und von Klum mehr Aufmerksamkeit hinterm Steuer verlangt. Den Begriff „Feldweg“ will Klum aber nicht stehen lassen. Da recherchiert er derzeit mit Fachleuten. „Wir werden den Nachweis erbringen, dass es sich um eine ganz normale Straße handelt, die die Stadt verkommen lässt.“

Klum als streitbarer Zeitgenosse bekannt.

Und noch einen Beweis führt Klum für das Unrecht der Stadt an: „Inzwischen hat die Stadt die Schlaglöcher in der Straße ja alle geflickt.“ Wenn alles in Ordnung gewesen wäre, so die Logik von Klum, dann hätte auch nichts geflickt werden müssen. Von der Stadt war am Freitag keine Stellungnahme zur geflickten Fahrbahndecke zu erhalten. Im Rathaus ist diese Art der Publicity alles andere als erwünscht.

Während also sogar seriöse Medien vom Klumschen Schlagloch berichten und Kommentatoren sich verwundert die Augen reiben, wie ein schwerreicher Mann wegen 741,94 Euro einen Rechtsstreit vom Zaun bricht, ist Günther Klum in seiner Heimatstadt als streitbarer Zeitgenosse bekannt. So kann Klum auch von „viel Zuspruch“ berichten. Ganz normale Bürger eben, die sich darüber freuen, dass sich da endlich einer wehrt. Gegen die Abzocke der Stadt, gegen die Steuerverschwendung und, ja, gegen die Schlaglöcher dieser Welt.