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Kabarett in Bergisch Gladbach: Mit seinem Programm eckt Ferdinand Linzenich praktisch überall an

Heimspiel für Ferdinand Linzenich: Seine Premiere im Löwen wurde vom Publikum gefeiert.

Heimspiel für Ferdinand Linzenich: Seine Premiere im Löwen wurde vom Publikum gefeiert.

Foto:

Christopher Arlinghaus

Bergisch Gladbach -

Ui, das saß! Mit einem tiefschürfenden Foto auf dem Plakat hat Ferdinand Linzenich alle Aufmerksamkeit auf sich gezogen vor der Premiere seines neuesten Kabarettprogramm „Tut mir leid, war Absicht!“ im Bergischen Löwen. Da lehnt er mit dem roten Pinsel in der Hand am Grabstein mit der Aufschrift „Hier ruht die Vernunft“. Mit einem roten „e“ hatte er die ewige Ruhe noch schnell in die Vergangenheit gerückt.

Daneben steht Freund Hein, der Tod, in lasziver Pose, zeigt mit dem Knochenfinger auf Linzenich und lüftet die rote Pappnas. Krass! So hat es einer seiner Mitarbeiter der jungen Generation formuliert. Dahinter steht selbstverständlich die pure Absicht, Linzenich, das Bergisch Gladbacher Urgewächs, gönnt sich zum 60. Geburtstag einfach mal eine „satirische Auferstehungsfeier wider den Zeitgeist“ – und seinen Fans ja auch.

Die laufen pünktlich am Freitagabend ins Bürgerhaus ein, allen Warnungen vor Eisregen zum Trotz. Zwei Stunden vor Beginn sind nur noch sechs Karten zu haben, so hat es Ferdi Linzenich in Facebook gepostet. Also ausverkauft!

Erst mal ein Selfie

So beliebt ist der Gläbbischer Kabarettist mit den literarischen Wurzeln und vielen Berufen! Und doch so nah am Zeitgeist! Den demonstriert er gleich mit einem Selfie, das er von sich mit dem Publikum im Hintergrund zu Beginn der Schau schießt.

Das ist ihm anscheinend nicht gelungen, denn bis Samstagnachmittag wird es nicht in Facebook gesichtet. Völlig untypisch! Denn der Kabarettist ist eben auch ein „Homo digitalis“, der sich vernetzt mit der Welt und damit im prallen Leben steht.

Mit der typisch markanten Stimme und scharf akzentuierten Sprache geht er los auf seine seine gleichaltrigen Zeitgenossen, die sich noch im knackigen Jugendalter wähnen, aber sich morgens nach dem Aufstehen mit „Hallo, Papa“ im Spiegel begrüßen. Und sich beim Urlaub in den Feriencamps nicht mehr beim Zumba, sondern bei der Wirbelsäulengymnastik anmelden.

Mit tiefen Sorgenfalten auf der Stirn lässt er seine Sicht auf die Familien von heute Revue passieren: 24-Stunden-Kitas, eigentlich keine Zeit für den Nachwuchs – und das nach der obligatorischen Trennung von Mama und Papa.

So richtig politisch wird es bei ihm nicht, man gerät nur furchtbar ins Schmunzeln, wenn er Köln als die einzige Stadt der Welt zitiert, die im katholischen Dom drei Araber aufbewahrt. Wahrlich etwas zum Nachdenken!

Die Multikulti-Frage transponiert er um in die Frage, was passiert wäre, wenn Jesus mit seinen Jüngern sich nicht in der galiläischen Wüste, sondern bei seinem Lieblingsitaliener in der „Trattoria Golgatha“ versammelt hätte. Mit Mohammed am Nebentisch.

Überhaupt hat es die Kirche verstanden, mit den Kardinälen als die ersten Unternehmensberater ein „religious merchandising“ zu entwickeln. Und Paulus hat mit seinen berühmten Briefen die erste Firmenzeitung herausgegeben. Also, nix Neues auf dieser Welt! Alles schon dagewesen. Heute wäre Jesus bei Markus Lanz aufgetreten mit dem Problem „Hilfe, meine Mutter ist Jungfrau!“.

Doch Ferdinand Linzenich schickt nicht einen Nonsens-Kalauer nach dem anderen in die Welt. Er singt satirische Lieder, zitiert Ringelnatz und Goethe mit gar possierlichen bis hocherotischen Gedichten und verwirklicht im Finale einen Traum: Linzenich bekennt, er wäre gerne Opernsänger geworden und singt völlig schmerzfrei gar schauderlich die berühmte Arie aus dem „Barbier von Sevilla“ im neuen Textgewande ab. Ferdinand bravissimo! Das Ding ist hitverdächtig, traut man dem rasenden Beifall des Publikums.