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Kirche: Franziskanerinnen-Orden ist seit 150 Jahren in Marialinden aktiv

Altenheim Mariahilf mit Schwestern
Foto:

Christopher Arlinghaus

Overath-Marialinden -

Alle sieben frommen Schwestern von Marialinden heißen Maria. Das führt allerdings in diesem Fall nicht zu Verwechslungen. Denn zunächst heißen sie, in der Reihenfolge ihres Alters, Robertis, Ruth, Christophora, Giselind, Antoinette, Katharina und Susanne. Und vor ihren eigentlichen Vornamen tragen sie jeweils ein „M.“ für Maria. Doch ist die Berufung der sieben nicht allein das Beten, sondern auch die Altenpflege im Altenheim Marialinden.

Mit ihrem Wirken können sie auf eine lange Tradition zurückblicken: Seit 150 Jahren helfen die Franziskanerinnen Salzkotten, benannt nach einem Ort bei Paderborn, in Marialinden: Erst den Kranken, später den Alten. Die Zukunft der Franziskanerinnen sieht jedoch nicht nur in Marialinden derzeit nicht so rosig aus: Der Nachwuchs bleibt aus.

Gab es früher einmal an die 1000 Franziskanerinnen in Deutschland, so hatte sich ihre Zahl bis 1987, als Schwester Susanne Schrammel dem Orden beitrat, bereits auf 500 verringert. Heute mögen in Deutschland noch gut hundert Schwestern dem Orden angehören, schätzt die Chefin des Altenheims und Leiterin der Kommunität in Marialinden.

In Deutschland wirken die Franziskanerinnen Salzkotten schwerpunktmäßig in den fünf Altenheimen des Ordens, sind aber auch aktiv in der „Fürsorge für politisch, ethnisch oder religiös Verfolgte, für Flüchtlinge, Vertriebene, Asylsuchende und Menschen in besonderen sozialen Notlagen“, wie es auf der Ordens-Homepage heißt. Ordens-Homepage? Weiß Gott, ja. Die Schwestern sind fromm, aber nicht von gestern. Ihre Homepage ist professionell gestaltet. Schwester Susanne Schrammel in Marialinden nutzt das Internet ganz selbstverständlich: „Beruflich brauche ich das.“
Bevor sie die Einrichtungsleitung übernahm, hatte die aus dem westfälischen Höxter stammende Schwester die „Weiterbildung Einrichtungsleitung“ absolviert, zusammen mit „zivilen Leuten“, die sich genau wie sie beruflich weiterentwickeln wollten. Ihre Marialindener Mitschwestern sind neben den angestellten Pflegekräften in der Hauswirtschaft, an der Rezeption oder in der Seelsorge tätig, eine Schwester ist seit 2011 selbst Heimbewohnerin.

Gibt es im Jahr 2016 überhaupt noch einen Unterschied zwischen einem christlichen geführten Haus und einem weltlichen? „Ich denke schon“, sagt Schwester Susanne Schrammel. „Wir prägen das Haus, so gut wir können. Wir legen Wert auf die christliche Wertekultur und darauf, dass auch die Mitarbeiter Sinn dafür haben.“ Gerade den alten Menschen, die im Heim wohnten, seien die christlichen Rituale noch sehr vertraut. In Schulungen werden sie auch den Pflegekräften nahegebracht.

Über die Kenntnis christlicher Rituale hätte vor 150 Jahren vermutlich noch niemand nachdenken müssen, sie waren Bestandteil des Alltags. Am 7. Februar 1866 nahmen die ersten drei Franziskanerinnen ihre Tätigkeit als Krankenpflegerinnen in Marialinden auf. Der Pfarrer Wilhelm Burger hatte das auf den Weg gebracht – übrigens zum Nachteil des Nachbarortes Much, der dadurch seine Schwestern wieder verlor. Da nämlich der erst 1860 durch Mutter Clara Pfänder in Olpe gegründete Orden zu wenige ausgebildete Schwestern für beide Dörfer hatte, wurde die 1862 als erste Niederlassung der Kongregation eröffnete Stelle in Much wieder geschlossen.

Als Schwester Thecla Liese als Oberin, Schwester Armella Flügel aus Much und Schwester Antonia Kappen aus Vilich, einem heute zu Bonn gehörenden Dorf im Rheintal, im Jahr 1866 nach Marialinden kamen, fanden sie laut der „Geschichte der Kongregation der Franziskanerinnen Salzkotten“ Unterkunft „in einer Hütte, nicht weit von einer Wallfahrtskapelle entfernt, die eine alte Statue der Pieta beherbergte und unter dem Namen »Maria Hilf« verehrt wurde. Da ihre Kommunität zu klein war, um eine Kapelle zu errichten, machten die Schwestern regeltreu jeden Tag eine Wallfahrt, um die hl. Messe mitzufeiern und das Offizium sowie die täglichen Gebete in dieser Kapelle zu beten.“ Im Ort pflegten die Schwestern die Kranken in deren Häusern. Später übernahmen sie auch eine Schule für Mädchen.

Aus ihrer ersten Unterkunft wechselten die drei Schwestern bald in ein vom Orden angekauftes Haus, das zum Grundstock für das spätere Krankenhaus wurde, wie es der Journalist und Heimatforscher Werner Pütz vor drei Jahren beschrieben hat. Das Gebäude wurde mehrfach erweitert. Am 8. Juli 1900 wurde der Grundstein für den Neubau des Krankenhauses gelegt, das ein Jahr später eröffnet wurde. Eine weitere Vergrößerung gab es nach dem Zweiten Weltkrieg; 1950 war Bauabnahme. Danach verfügte das Krankenhaus nach Angaben des Overather Heimatforschers Franz Becher über Betten für 110 Patienten, die von 21 Franziskanerinnen betreut wurden.

Ein Bild aus vergangener Zeit: Das alte Krankenhaus der Franziskanerinnen Salzkotten bot in den 1950er-Jahren Platz für 110 Patienten, um die sich 21 Franziskanerinnen kümmerten.

Ein Bild aus vergangener Zeit: Das alte Krankenhaus der Franziskanerinnen Salzkotten bot in den 1950er-Jahren Platz für 110 Patienten, um die sich 21 Franziskanerinnen kümmerten.

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Werner Pütz

Jedoch brachten die 50er-Jahre eine Wende: „Das Krankenhaus hatte nicht lange Bestand. Bis 1961 (Schließung wegen Personalmangels) war das Krankenhaus gut belegt. Aber schon damals war erkennbar, dass eine bessere technische Ausstattung auf die Dauer unumgänglich war. Auch reichte die Bettenzahl nicht mehr für einen einigermaßen kostendeckenden Betrieb des Hauses“, schreibt Werner Pütz rückblickend.

Es ist übrigens derselbe Werner Pütz, auf dessen Initiative im Jahr 1963 das heute noch bestehende Bürgerkomitee Marialinden gegründet worden war, das sich für den Fortbestand der Klinik einsetzte – vergeblich: „Trotz aller Bemühungen wurde Anfang des Jahres 1965 Engelskirchen von der Landesregierung zum neuen Standort für das Krankenhaus benannt.
Das Personal, das in Marialinden fehlte, war in Engelskirchen vorhanden“, heißt es heute dazu auf der Homepage des Bürgerkomitees. Die Franziskanerinnen aber blieben Marialinden erhalten: Das Krankenhaus wurde zum Altenheim umgewidmet. 1972 wurde der gesamte alte Baukomplex abgerissen und weiter südlich ein modernes Altenheim neu errichtet.

Dieses Altenheim besteht bis heute. Das Leben der sieben frommen Schwestern spielt sich nach den Worten von Schwester Susanne Schrammel „hauptsächlich im Haus ab. Das bringt die Aufgabe so mit sich“. Gottesdienste nähmen die Schwestern auch in der Pfarrkirche wahr, und „wenn wir mal was einkaufen müssen, gehen wir auch in den Ort. Das Altenheim hat aber Priorität. Es gibt eine Menge zu tun, wenn es ein eigenes Haus ist und man vor Ort lebt“.

Ende einer Ära: 1972 wurde das alte Krankenhaus-Gebäude abgerissen und durch einen Neubau ersetzt.

Ende einer Ära: 1972 wurde das alte Krankenhaus-Gebäude abgerissen und durch einen Neubau ersetzt.

Wie entscheiden sich Frauen überhaupt dazu, in einen Orden einzutreten? Eine Mitschwester von Susanne Schrammel sagt: „Man muss innerlich angesprochen sein. Ich wurde mal gefragt, wie man Schwester wird. Ich habe geantwortet: So, wie man Ehefrau wird. Man lernt sich kennen, bekommt Spaß daran, man sagt wieder Nein. Man muss abwägen.“ Schwester Susanne Schrammel ergänzt: „Es fällt nicht jedem zu. Es ist eine Lebensform, nicht besser als andere Lebensformen.“

Tatsächlich entscheiden sich heute aber immer weniger Frauen für diese besondere Lebensform, und von denen, die den ersten Schritt gehen, treten viele schon bald wieder aus. „Es kristallisiert sich schnell heraus, wer bei der Stange bleibt“, hat Susanne Schrammel beobachtet. Für den Nachwuchs wird es immer schwieriger, weil die Mit-Schwestern immer älter werden – bei einer weltlichen Vereinigung würde man da glatt von einem Teufelskreis sprechen.

Ansprechend: Das Altenheim Mariahilf der Franziskanerinnen Salzkotten wurde zuletzt 2002 umfassend modernisiert.

Ansprechend: Das Altenheim Mariahilf der Franziskanerinnen Salzkotten wurde zuletzt 2002 umfassend modernisiert.

Andererseits gibt es die Kirche als solche allen Problemen zum Trotz bereits seit 2000 Jahren. Ideen, wie es wieder bergauf gehen könnte, gibt es: „Wir müssen uns bei jungen Leuten noch präsenter machen“, sagt Schwester Susanne Schrammel. In der Zentrale in Salzkotten mache der Orden Angebote, lade Schulklassen ein. „Wir machen das nicht gezielt, um Nachwuchs zu rekrutieren, sondern damit die Menschen uns kennenlernen“, versichert sie.

Weitere Angebote sind die Programme „Missionare auf Zeit“ und ein „Mitlebenkonvent“. Schwester Susanne Schrammel: „Das kann man aber nicht in jeder Kommunität machen. Es ist ja auch unser Zuhause. Wenn es da zugeht wie in einem Taubenschlag, ist das nicht gut. In einer Familie würde das ja auch nicht so gut ankommen.“