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Schloss Bensberg: Wenn das Hotel zum Museum wird

Parthena Pauli führt Besucher durch die Sammlung zeitgenössischer Grafik im Schloss Bensberg.

Parthena Pauli führt Besucher durch die Sammlung zeitgenössischer Grafik im Schloss Bensberg.

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Klaus Daub

Bensberg -

„Wir sind ja hier in einem Hotel und nicht im Museum“, lacht Parthena Pauli und steuert erstmal ein bisschen Tratsch und Biografisches über die Herren Lüpertz, Baselitz und Penck bei. Wir schauen in der Lobby des Althoff Grandhotels Schloss Bensberg auf das riesige Bild eines Flussgotts, wie ihn der rheinische Maler und Bildhauer Markus Lüpertz in jungen Jahren mehrfach verewigt hat. Ein Exemplar steht hinter der Rezeption knietief im grünlichen Wasser und scheint den Taktstock zu schwingen über die Inszenierung, die da heißt „Kunst im Hotel“.

Tatsächlich, was kaum jemand weiß: Das Schlosshotel verfügt über eine ansehnliche Leihgaben-Sammlung zeitgenössischer Kunst, und seit Neuestem kann man für diese sogar eine Führung buchen, begleitet von einer „Art Concierge“. Parthena Pauli ist genau die richtige, um in Fluren, Sälen, sogar in Suiten auf Entdeckungsreise zu gehen und der Kunst ganz nah zu kommen – auf eine Distanz, bei der es im Museum längst sicherheitshalber piept.

Schon beim Betreten der Schlossanlage wird der Besucher flankiert von zwei imposanten Steinskulpturen aus der Hand von Lüpertz. „Die Hässliche grüßt die Schöne“ auf der einen Seite, „Der Krieger“ auf der anderen Seite. „Die sind museumsreif“, kommentiert die quirlige Kölner Kunsthistorikerin und verweist auf prominente Stehplätze ähnlicher Plastiken bundesweit im öffentlichen Raum. Im Foyer grüßt neben „Klitumnus“, dem Flussgott, noch das „Mykenische Lächeln“ nach dem Vorbild antiker Skulpturen, bevor es in die Bar geht.

Behaglich-modern, aber nicht plüschig wirkt der Ort mit seinen taubengrauen Wänden. „Die schwarzweißen Holzschnitte nimmt kaum einer zur Kenntnis, obwohl sie die Atmosphäre deutlich prägen“, hat Parthena Pauli schon oft erlebt. Es sind Auflagenarbeiten von Georg Baselitz aus den 90er Jahren. „Und, was fällt auf?“ Die Expertin ist gespannt. „Nicht alle Gesichter stehen auf dem Kopf.“ Richtig. Noch hat der Künstler sein späteres Markenzeichen nicht jedem Bild aufgedrückt. Die frühen Blätter wirken fast grafisch und lassen sich erst lesen, wenn man ein paar Meter weit entfernt steht. „Mir gefällt das Strenge, das sich im Spielerischen auflöst“, schwärmt Pauli und bittet in die erste Etage, nicht ohne auf eine Reihe von Puttenzeichnungen nach gotischen Zitaten im Flur zu verweisen – wiederum von Markus Lüpertz.

In der Bel Etage stehen wir vor Lithografien, die aus der bekannten „Suite 45“ stammen, in der Georg Baselitz 1990 weißschwarze Netze gesponnen hat; sie hängen leider ein bisschen verloren im großen Saal über den barocken Sofas. Eine weitere Suite spielt im dritten Stock, diesmal in den kräftigen Farben eines gewissen Ralf Winkler, besser bekannt unter dem Namen A.R. Penck. Ein Saxophon, ein Tiger sind auf den Aquatinta-Grafiken zu bewundern. Im Kaminzimmer, Ton in Ton mit der Tapete, hängen zwei Arbeiten des spanischen Stars Antoni Tapies. Und eins der Luxus-Hotelzimmer ist gar mit Beuys-Arbeiten ausstaffiert: Was der rheinische Revolutionär wohl davon halten würde?

Egal. Dass sich Hotels mit Kunst-Deko schmücken, ist so ungewöhnlich nicht. Doch dass hier die Avantgarde der jungen Republik Einzug gehalten hat, schon. „Und zwar, bevor die Granden mit dem großen Malen anfingen und sich als Künstlerfürsten inszenierten“, betont Pauli und schiebt gleich noch die Info hinterher, dass sie ja alle fast gleich alt sind, alle aus dem Osten (Böhmen, Dresden, Lausitz) stammen und alle fast gleichzeitig den großen Durchbruch schafften.

Das war in den 1990er Jahren, als die Aachen- Münchner Versicherung (heute Generali) das Bensberger Schloss kaufte, sanierte und zum Hotel umbaute. Gleichzeitig erwarb der Vorstand Kunst für seine verschiedenen Immobilien, unter anderem junge Kunst in Auflagenmappen mit wenigen Exemplaren, zu kleinem Preis, aber offenbar mit gutem Riecher. Für Pächter Thomas Althoff, der das Schlosshotel im Jahr 2000 eröffnete, war schnell klar: „Zeitgenössische Kunst gibt diesen geschichtsträchtigen Räumen einen ganz besonderen Touch“, erinnert sich der Hotelier. „Die Kunstwerke sind damals gemeinsam von uns und dem Bauherren ausgewählt worden.“ Heute sind sie ein Vielfaches wert, und die Strahlkraft der Künstler sorgt für wachsende Aufmerksamkeit.

Die Kombination von Alt und Neu macht auch für Parthena Pauli einen besonderen Reiz dieses etwas anderen „Museums“ aus. Und deshalb erzählt sie nicht nur von den Kunstwerken, sondern auch vom alten Schloss und seiner wechselvollen Geschichte – mit einer Begeisterung, die ansteckt.