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Schützenbruderschaften: Christlicher Glaube nicht zwingend

Schützenbruderschaften pflegen (hier in Schildgen) die Tradition nach dem Motto „Glaube – Sitte – Heimat“.

Schützenbruderschaften pflegen (hier in Schildgen) die Tradition nach dem Motto „Glaube – Sitte – Heimat“.

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(Foto: dvo)

Rhein-Berg -

Würde ein Schützenkönig muslimischen Glaubens bei einem Bezirksschießen antreten wollen: Auch im Bergischen Land wäre dies wohl nicht möglich. Mithat Gedik aus dem westfälischen Werl war diese Teilnahme vom übergeordneten Bund der Deutschen Historischen Schützenbruderschäften verwehrt worden. Weil er kein Christ ist, soll er die Königskette sogar zurückgeben.

Als Fördermitglieder willkommen

Die Sankt Sebastianus-Schützenbruderschaft in Bergisch Gladbach-Schildgen begrüßt diese Position: Auch bei ihr werden keine Menschen muslimischen Glaubens aufgenommen, entsprechende Anfragen würden ganz klar abgelehnt. „Wir sehen da auch keinen Nachbesserungsbedarf“, erklärt der Erste Brudermeister Peter Koch. Falls jemand muslimischen Glaubens aktiver Schützenbruder werden wolle, müsse er eben seinen Glauben wechseln.

Als Fördermitglied seien Muslime allerdings erlaubt, „wir sind ja auf jeden Euro angewiesen“. Wer als Schützenbruder nach der Aufnahme in den Verein seine Religion wechsle, müsse ebenfalls ausgeschlossen werden. „Demokratie hat irgendwo seine Grenzen. Man muss zu seinen Idealen stehen.“ Die Schützenvereine seien eben christlich orientiert, ein katholischer Priester dürfe schließlich auch nicht heiraten.

Mit einer grundsätzlichen Abneigung gegen Muslime habe diese Haltung nichts zu tun. Die Schützenbruderschaft in Werl habe, so Koch, allerdings den Fehler gemacht, den muslimischen Schützenbruder überhaupt erst aufzunehmen. „Im Aufnahmeantrag muss die Konfession ja schon angegeben werden. Das hat man in Werl offenbar versäumt.“

„Der Dachverband hat korrekt entschieden“, sagt auch Klaus Stöcker, Erster Brudermeister der Sankt Sebastianus-Schützenbruderschaft in Rösrath über den Fall aus Werl. „Jeder hat Spielregeln, an die man sich halten muss.“ Generell akzeptiere er Muslime, aber er sei eben auch ein bisschen konservativ. „Man muss nicht alles aufweichen. Ich bin jedenfalls nicht der Befürworter, der alles umschmeißen möchte.“ Im Männergesangverein dürften schließlich auch keine Frauen Mitglied sein.

Allenfalls als inaktive Mitglieder könnte sich Stöcker Muslime in den eigenen Reihen vorstellen. Die Rösrather Bruderschaft sei allerdings auch noch nicht in die Verlegenheit gekommen, Anträge abzulehnen. Allenfalls bei Schnupperabenden habe es mal den einen oder anderen Gast muslimischen Glaubens gegeben.

Obwohl Stöcker die Überzeugung teilt, dass nur Christen in Schützenvereinen gut aufgehoben sind, findet er den Fall in Werl kritikwürdig: „Den Mann im Nachhinein vor den Kopf zu stoßen, das war nicht richtig. Den Fehler hat die Bruderschaft im Anfangsstadium gemacht.“

Deutlich offener zeigt sich Edgar von Kruedener, der Geschäftsführer der Offermannsheider Bruderschaft: „So lange sich alle im Vorstand einig sind, ist auf lokaler Ebene vieles möglich“, sagt er. „Wir hatten mit Erol Aydin schon einen jungen Muslim, der sogar Schützenprinz bei uns gewesen ist. Alles kein Problem.“ Nur an einem übergeordneten Schießwettbewerb könne diese Majestät nicht teilnehmen. „Erol hat nicht am Diözesanschießen teilnehmen dürfen“, erinnert sich von Kruedener. Es komme bei der Aufnahme der Mitglieder auch immer darauf an, wie kirchennah die Bruderschaft sei. Erol Aydin sei auch heute noch Mitglied in Offermansheide. Wenn er wollte, könne er ohne weiteres am Königsschießen teilnehmen.

„Etwas altmodisch“ findet Alexander Neu, Brudermeister der St. Hubertus-Bruderschaft in Kürten-Olpe, den Passus, ausschließlich Mitglieder christlichen Glaubens aufzunehmen. „Bis zur Königswürde ist das kein Problem. Alles, was darüber hinaus geht, ist schwierig.“ Es gebe halt die Satzung des Dachverbands und an dieser komme keine Bruderschaft vorbei.

Ein Schwuler als Schützenkönig

„Wenn ein Muslim Mitglied werden möchte, nehmen wir ihn auf. Selbstverständlich“, sagt Wilbert Klein, Geschäftsführer der Biesfelder Bruderschaft. Dieses Mitglied könne auch Schützenkönig werden, sofern es Konsens im Vorstand sei. Klein glaubt, dass sogar eine Teilnahme am Bezirksschießen möglich sein könnte. „Bei allem, was über den Bezirk hinaus geht, wird es problematisch.“

Unter der Hand weisen Schützen auch auf andere Schwierigkeiten hin. „Menschen, die keinem Glauben angehören, werden ebenfalls ausgeschlossen. Auch nach Scheidung Wiederverheiratete sind ein Problem.“

Für alle übergeordneten Wettbewerbe müsse von den Schützen ein Formular ausgefüllt werden, in dem der christliche Glaube bestätigt werde. Auf örtlicher Ebene könnte notfalls ein Auge zugedrückt werden. In einer bergischen Bruderschaft sei vor einiger Zeit ein Schwuler Schützenkönig gewesen. „Zur Königin hatte er eine Bekannte gewählt. Das ist gar nicht weiter aufgefallen.“