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Sparbeschluss für den Löwen: Politik schämt sich für das Theater

Der städtische Theaterzuschuss
beträgt künftig weniger als die Hälfte des ursprünglichen Beitrags: Wie lange kann der Löwe  auf einem Bein stehen? (Foto: Wagner)

Der städtische Theaterzuschuss

beträgt künftig weniger als die Hälfte des ursprünglichen Beitrags: Wie lange kann der Löwe  auf einem Bein stehen? (Foto: Wagner)

Bergisch Gladbach -

Alle Jahre wieder vor der Sommerpause stehen im Kulturausschuss die Jahresberichte der diversen kulturpflegerischen Institute der Stadt an – seit Gladbach in der Sauna von Nothaushalten und Haushaltssicherungskonzepten schwitzt ein Anlass für heftige politische Schlagabtausche. Die Frage ist stets: Was ist uns die Kultur wert – an sich und im Vergleich zu anderen kommunalen Aufgaben.

Am Dienstag ging es um die Zukunft der Gladbacher Bühne. 90 000 Euro sollen im Etat von Norbert Pfennings, Geschäftsführer des Bürgerhauses Bergischer Löwe ab 2014 eingespart werden. Beschlossen wurde das schon 2011 mitten im tiefsten Nothaushalt, damals aber nicht umsetzbar, weil Pfennings auf langfristige Verträge pochen konnte. Die wurden aber gekündigt und damit schrumpft der Theaterzuschuss für die Löwen-Bühne ab dem 31. Dezember 2013 von 350 000 auf 260 000 Euro.

Das ist allein schon eine Einbuße von 25 Prozent, doch sie trifft ein Haus, das bereits vor 2005, Datum der letzten Sparrunde, kräftig zur Ader gelassen wurde: Gestartet war die Löwen-GmbH 1992 unter Volker Aurich, als sie die Gestaltung des Theaterprogramms von der Stadt in ihre Obhut nahm, noch bei stattlichen 614 000 Euro (beziehungsweise damals 1,2 Millionen Mark).

Bereits im Vorfeld der Ausschusssitzung herrschte blankes Entsetzen unter Gladbachs Kulturpolitikern aller Fraktionen über die Folgen dieses Schnitts, die Pfennings in der Vorlage ausgemalt hatte.

„Untragbar“ hieß es bei der SPD, die lieber nach anderen Positionen suchen möchte, um den Rotstift anzusetzen, statt das Theater soweit herunterzufahren. Und auch die CDU will den Sparbeschluss in den anstehenden Etatberatungen noch mal auf dem Tisch haben, um Alternativen auszuloten. Problem: Mit den jährlich eingekürzten 90 000 Euro steht und fällt das Haushaltssicherungskonzept, das der Politik überhaupt erst wieder gewisse finanzielle Spielräume eingebracht hat.

Zu Pfennings Abgesang gehört unter anderem der Verzicht auf ein Theater-Abo: „Um treuen Besuchern dennoch einen Preisvorteil zu ermöglichen, bieten wir den neuen Löwen-Rabatt an: Spartenübergreifend erhält der Besucher einen Rabatt von cirka 20 Prozent ab einer Anzahl von vier gebuchten Vorstellungen.“

Selbst veranstaltetes Schauspiel wird es nur noch an vier Abenden im Jahr geben, ebenso wird das beliebte Kindertheater auf vier Nachmittage eingedampft. Ballettschulen und Fremdveranstalter sollen einspringen. Für Qualität könne man da aber nicht immer garantieren, warnt Pfennings. Weiter an der Honorarschraube zu drehen, sei nicht mehr möglich. Hier hat der Löwen-Chef seit 2011 alles ausgereizt. Da die Kürzungen in der Spielzeit 2013/14 noch nicht voll zum Tragen kommen, sieht es für die zweite Hälfte 2014 noch düsterer aus. „Man kann es auf die Formel bringen, alle zwei Monate eine eigene Aufführung auf der Bühne. In der übrigen Zeit vermieten wir das Haus an andere“, so Pfennings. Nebenbei gab der Löwen-Chef vor dem Hintergrund der Debatte über Unsicherheit und Verwahrlosung der Innenstadt in den Abendstunden zu bedenken, dass das Bürgerhaus die einzige Einrichtung sei, die nach Geschäftsschluss Menschen in die City ziehe.

Während Renate Beisenherz-Galas (Grüne) wenigstens die Hälfte der wegfallenden Mittel für den Löwen retten wollte (also 45 000 Euro), lehnte Ausschussschef Wolfgang Miege solch kleinmütiges Nachbessern ab: „Das ist Tod auf Raten.“ Wer dem Haus helfen wolle, müsse ihm die vollen 90 000 lassen. „Das Programm der nächsten Spielzeit ist beschämend und entspricht nicht der Größe, der Bedeutung und dem Ansehen dieser Stadt. Das möchte ich vor den Nachbarstädten nicht vertreten.“

Birgit Bischoff und Peter Mömkes (beide CDU) gaben Miege recht und plädierten dafür, den Theaterzuschuss erneut in die Haushaltsberatungen einzubringen. Kämmerer Jürgen Mumdey machte allerdings klar, dass Lösungen im Rahmen des vereinbarten Korridors der Freiwilligen Leistungen gefunden werden müssten. „Entweder wird überall ein Bisschen gekürzt, mit der bekannten Folge, dass alle dahinsiechen, oder man streicht an einer Stelle mal richtig.“ Das hieße, was er nicht sagte, eine Einrichtung zu opfern. Ein dritter Weg sei, eine Maßnahme aus dem Korridor gegen eine außerhalb auszutauschen.


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