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Spielhalle überfallen: Angeklagter muss nach Überfall ins Gefängnis

Symbolbild.

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Polizei

Bergisch Gladbach -

„Es ist ein großer Blödsinn, was Sie da gemacht haben“, rügte Wilhelm Kremer, Vorsitzender Richter der 10. Großen Strafkammer am Kölner Landgericht, den Angeklagten in der Urteilsbegründung. Für ein paar Euro habe sich der 30-Jährige viel Ärger eingehandelt. Der „Blödsinn“ hat empfindliche Folgen: Zwei Jahre und neun Monate muss der Täter nun in einer Justizvollzugsanstalt absitzen. Das Urteil wurde am Donnerstag gefällt.

Polizeihund „Pepe“ biss zu

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der 30-Jährige am 16. Oktober eine Spielhalle an der Bensberger Straße überfallen hatte. Gegen 23.30 Uhr, habe der Mann eine 36-jährige Mitarbeiterin mit der Faust niedergeschlagen. Anschließend griff der Täter in die Kasse und flüchtete mit 464 Euro. Er kam allerdings nicht weit. Polizeihund „Pepe“ schnappte zu, und der Täter landete in Untersuchungshaft.

Der Staatsanwalt hatte eine Verurteilung wegen schweren Raubs und vorsätzlicher Körperverletzung gefordert und hielt drei Jahre und drei Monate für eine angemessene Haftstrafe. Der Verteidiger plädierte am Donnerstag auf zwei Jahre Haft und die Aussetzung zur Bewährung – der Überfall seines Mandanten sei als minderschwerer Fall eines schweren Raubs anzusehen. In einem Punkt waren sich Richter, Staatsanwalt und Verteidiger einig: Alle werteten das Geständnis und die Entschuldigung des Angeklagten in Richtung des Opfers als mildernde Umstände. Ausführlich beschrieb der Verteidiger in seinem Plädoyer den Lebenslauf seines Mandanten. Er sei erst vor kurzem von Polen nach Deutschland gekommen, um sich hier ein besseres Leben aufzubauen. Tatsächlich sei er allerdings in eine schwierige Lebenssituation geraten – ohne Wohnung und mit einem schlecht bezahlten Job. Der Wunsch nach einer eigenen Wohnung habe schließlich zu der spontanen Tat geführt. Darüber hinaus sei sein Mandant Ersttäter und auch anderweitig noch nicht negativ in Erscheinung getreten. Dass der 30-Jährige zur Tatzeit ein 25 Zentimeter langes Messer in der Kleidung versteckt hielt, sei dem Umstand geschuldet, dass er Wochen vor der Tat von Unbekannten angegriffen worden sei und das Messer zum eigenen Schutz bei sich trug.

Bleibende Erinnerung

Die Narben durch den Biss des Polizeihundes seien schließlich eine bleibende Erinnerung des Täters an seine schwere Verfehlung. Diesen Argumenten wollte das Gericht allerdings so gar nicht folgen. Für Richter und Schöffen stand augenscheinlich fest: Die Tat war geplant, und der Schlag mit der Faust in das Gesicht des überraschten Opfers sei als unnötige Brutalität zu werten.

Vor der Urteilsfindung hatte der Angeklagte noch um das letzte Wort gebeten. „Wenn ich verurteilt werde ohne Gefängnisstrafe, werde ich allen beweisen, dass ich ein Leben ohne Straftaten führen kann“, sagte der 30-Jährige. Dies kann er nun erst nach der Haftzeit beweisen.