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Willibert Pauels: Zurück aus der Klinik

Aus der Neusser Klinik heimgekehrt:  Willibert Pauels mit Ehefrau Irene in der bergischen Herbstsonne. 

Aus der Neusser Klinik heimgekehrt:  Willibert Pauels mit Ehefrau Irene in der bergischen Herbstsonne. 

Foto:

Wagner

Hamböcken -

Auf dem Feld ernten Häcksler und Traktoren den Mais, im Nachbargarten surrt ein Rasenmäher, es riecht nach frisch gemähtem Gras, Laub und durchpflügter Erde. Herbst im kleinen Weiler Hamböcken bei Wipperfürth. Auf der Bank vor dem historischen Gehöft sitzt Willibert Pauels mit seiner Frau Irene in der Sonne, blinzelt und atmet tief durch. Seit einigen Tagen ist der 57-Jährige zurück aus der Klinik, in die er sich Mitte August wegen einer akuten Depression begeben hatte.

„Die Entscheidung war die beste seit Jahren: Viele, viele gute Gespräche haben mir geholfen, den Moment zu erreichen, im Negativen wieder das Positive sehen zu können“, sagt der Diakon, Kabarettist und Büttenredner und fügt hinzu: „Aber die Behandlung ist noch nicht abgeschlossen.“

Weiterhin in ambulanter Behandlung

Mindestens ein halbes Jahr wird er weiterhin vom Chefarzt des „Zentrums für seelische Gesundheit“ in Neuss ambulant begleitet, wird deshalb auch in der kommenden Session keinen Karnevalsauftritt wahrnehmen und auch 2013/2014 sein bereits zuvor geplantes Sabbatjahr in Punkto fünfte Jahreszeit anschließen. „Natürlich hat es nicht klick gemacht, und ich war frei von jeglichem Schatten“, sagt Pauels, „aber ich fühle mich in den vergangenen Wochen innerlich auf einem so guten Weg wie lange nicht mehr.“

Schon bevor Pauels in den 1990er Jahren als „Bergischer Jung“ die großen Kölner Karnevalsbühnen eroberte, hatte er schon einmal eine schwere Depression. „Auch als Kind hatte ich schon depressive Phasen“, sagt er im Gespräch mit der BLZ. So wusste er im Sommer genau, was auf ihn zukam. „Depression ist wie ein schwarzer Hund, der dich anspringt aus der Dunkelheit und der dir die Seele aussaugt, so dass du nichts Helles oder Hoffnungsvolles mehr darin sehen kannst“, sagt er und schaut seine Frau an. Sie hatte schon vor anderthalb Jahren gespürt, dass ihr Mann irgendwie „neben sich herlief“, fahrig, nervös und häufig in Gedanken abwesend wirkte. Im August folgte dann der völlige Zusammenbruch. Zwar hatte Pauels in seinen Reden stets das zentrale Dilemma der Depression als festen Bestandteil integriert: „Es sind nicht die Dinge, die uns unglücklich machen, sondern wie wir sie sehen.“

Allein: Der entscheidende Perspektivwechsel gelang ihm, der seine Zuschauer stets zum Lachen und Nachdenken brachte, jetzt selbst nicht mehr.

50 Prozent der Depression sind Veranlagung

In der Klinik habe er erfahren, dass 50 Prozent der Depression Veranlagung seien, und er nur die anderen 50 Prozent beeinflussen könne. „Mein Arzt Dr. Martin Köhne hat mir gesagt: ,Herr Pauels, Sie brauchen die Bühne, aber Gift ist für Sie diese Mühle von der Herrensitzung um 11.20 Uhr bis zum Auftritt um 0.50 Uhr im Sartory, wo die Kellner dann schon kassieren. Dafür sind Sie nicht geschaffen. Schaffen Sie sich eine sichere Insel, von der aus Sie dann – wie es Ihnen gut tut – auf die Bühne gehen können. Dann wirkt auch der Karneval wieder befreiend.’“ Pauels will seine Insel wieder im Kirchendienst suchen. „Ich hoffe, dass es klappt, dass ich wieder eine halbe Stelle als Diakon in einer Gemeinde bekomme“, sagt der Seelsorger, der vor einigen Jahren den Beruf als Kabarettist und Büttenredner zu seinem Hauptberuf gemacht und damals als „Diakon mit Zivilberuf“ die Option erhalten hatte, jederzeit in eine kirchliche Anstellung zurückkehren zu können. „Das wäre für mich ein Stück nach Hause kommen.“

Feste Stelle als Diakon?

Zwar wäre die Stelle wohl nicht in Wipperfürth, „aber vielleicht in einer der Nachbarpfarreien“. Karneval und Kirche in einer gesunden Mischung, das sei sein Wunsch, sagt Pauels und berichtet von ersten Gesprächen mit Weihbischof Dominikus Schwaderlapp. „Die Kirche ist mein Zuhause.“ Der Dienst bei Taufen, Trauungen oder Beerdigungen ist vom Auftrittsverbot, das die Ärzte Pauels verordnet haben, ohnehin ausgenommen. „Nächstes Wochenende darf ich wieder im Altenberger Dom predigen, wie auch vor dem Klinikaufenthalt an jedem letzten Sonntag im Monat“, freut sich der Diakon. Im Herbst nächsten Jahres will der Wipperfürther dann auch über eine „sanfte Rückkehr“ in den Karneval nachdenken.

„Vielleicht mach’ ich ein Duo mit Hans Hachenberg, der macht ja auch nicht mehr ganz so viel“, schmunzelt Pauels. In jedem Fall wolle er da wieder anfangen, „wo das ursprüngliche Herz des Karnevals pocht: von den Pfarrsitzungen über die Kajuja und die Vorort-Vereine bis hin zu den Gesellschaften, wo ich zu Hause bin.“

In der kommenden Session wird Pauels erstmals seit Jahren den Karneval nicht von der Bühne erleben. Für seine Frau Irene eine schöne Vorstellung: „Wir sind sowieso hier im Hof mit dem Ausrichten der Rosenmontagsfeier dran – zu der ist Willibert in den vergangenen Jahren immer nur spät abends gekommen und dann auf dem Sofa eingeschlafen.“

Auch in Sachen Familie hat sich für Pauels einiges geändert, nicht nur seitdem Tochter Franziska Anfang Oktober ihr Jura-Studium in Münster begonnen hat, wo auch ihr Vater einst Theologie studierte. „Ich habe wieder lernen müssen, dass an erster Stelle die Familie steht – und nicht die Bühne.“