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Brühler Strolche: Niedliche Welpen lösen Freude im Seniorenheim in Hürth aus

Hedwig Süßenguth spitzt die Lippen und küsst das samtige Fell der zehn Wochen alten Birthe.

Hedwig Süßenguth spitzt die Lippen und küsst das samtige Fell der zehn Wochen alten Birthe.

Foto:

Jochheim

Brühl/Hürth -

Ganz vorsichtig umschließt Hedwig Süßenguth den Körper der kleinen Birthe. „Haben Sie sie sicher?“, fragt Petra Rattay. „Ja, ich lasse sie nicht fallen“, versichert die 82 Jahre alte Seniorin.

Rattay überzeugt sich davon, dass der zehn Wochen alte Hund wohlbehalten auf dem Schoß der Dame sitzt und überlässt ihr das junge Tier vorübergehend. Zärtlich berührt Süßenguth das samtige Ohr der jungen Hündin und küsst es. Tränen rollen über ihre Wangen.

Für etwa 45 Bewohner der Caritas-Senioreneinrichtung St. Ursula in Hürth-Hermülheim ist es ein ganz besonderer Nachmittag. Petra Rattay, Vorsitzende der Brühler Strolche, hat die sechs Welpen ihrer Entlebucher Sennenhündin Adele mit in die Caritas-Einrichtung gebracht und damit viel Freude ausgelöst.

Die Brühler Strolche sind ein Verein, dem 50 Hundehalter angehören, die sich dem „Spaß für Hund und Mensch“ verpflichtet haben. Aus diesem Gefüge haben sich 15 Teams – also Hundehalter und deren Vierbeiner – gebildet, die unter der Leitung Rattays seit 2006 Senioreneinrichtungen besuchen – ehrenamtlich. Gegenwärtig sind dies das Altenzentrum Johannesstift in Brühl und das Caritas-Seniorenzentrum in Hürth. Als Rattays fünf Jahre alte Adele trächtig wurde, nahmen sowohl die Brühler als auch die Hürther Bewohner großen Anteil am Verlauf der Schwangerschaft. Insbesondere die 94-jährige Agnes Marx aus Hürth wollte alles ganz genau wissen.

Als es schließlich soweit war und Adele drei Hündinnen und drei Rüden zur Welt brachte, gab es kein Halten mehr: Marx verfasste poetische Texte und schrieb Briefe an Petra Rattay, diese bedankte sich und verschickte ihrerseits Fotos der jungen Hunde. Marx reichte das jedoch nicht: Sie sprach den Sozialen Dienst des Hauses an und bat darum, einen Bus zu chartern, um die sechs Welpen sowie Adele bei Familie Rattay zu besuchen. Der Einfachheit halber schlug Petra Rattay vor, mit den Welpen und der Hündin in die Einrichtungen zu kommen. In den Vereinsmitgliedern Bernd und Karin Sonntag sowie Rainer und Gerlinde Bay fand sie tatkräftige Unterstützer ihres Vorhabens.

Jetzt haben sich 45 Hürther Senioren im Speisesaal versammelt und können ihr Glück kaum fassen, als Bella, Bina, Bilbo, Barri, Bran und Birthe quietschvergnügt umherspringen. Rattay und ihre Helfer haben eine große Kunststoffwanne mitgebracht, die mit bunten Kugeln und leichten Kegeln gefüllt ist. Immer wieder springen die Tiere hinein, um ein kleines Stück Hundekuchen zu ergattern. Kreuz und quer laufen sie im Saal umher, Mutter Adele immer aufmerksam hinterher. Als sich die Aufregung der Tiere ein wenig legt, nähert sich Rattay den Senioren mit den kleinen Hunden, ermutigt sie, die Tiere zu streicheln und setzt sie ihnen – sofern sie das mögen – auf den Schoß.

An die Kindheit erinnert

„So etwas ist ja viel schöner als Fernsehgucken“, sagt Magdalena Clemens und streicht Bran über das Köpfchen. Die Betreuer blicken sich an und schmunzeln. „Das Fell ist so schön seidig weich“, sagt Regina Knoth (77) und schiebt ihre Finger durch das kurze schwarze Fell.

Gern nehmen die meisten die Welpen in den Arm, spüren die Wärme und blicken den Tieren in die Augen. „Das ist schon was Besonderes heute“, sagt auch die 96 Jahre alte Ursula Riebling. Nein, Angst habe sie gar nicht vor den Tieren, versichert die alte Dame.

An ihre Kindheit fühlt sich die 97-jährige Paula Hagel erinnert. Mit ostpreußischem Akzent erzählt Hagel vom Bauernhof ihrer Eltern, und dass sie dort immer sehr viele Tiere, auch Hunde, gehabt hätten.

„Kann ich einen behalten“, fragt Agnes Marx schmunzelnd. Und dann erzählt sie, die Initiatorin dieses Besuchs, dass ihre Familie immer Tiere gehabt habe. „Angefangen hat alles mit einem Goldfisch. Den hat meine Tochter auf der Kirmes gewonnen“, erinnert sich die 93-Jährige. Nach einem Jahr sei er allerdings aus dem Glas gesprungen und gestorben. „Dann bekamen wir einen Wellensittich, nach dem Hausbau am Römerkanal eine Katze und schließlich einen Hund. Meine Tochter war nie ohne ein Tier“, berichtet sie und widmet sich dann wieder ganz dem kleinen Barri. „Wann geben Sie sie ab“, möchte Agnes Marx von Petra Rattay wissen. „Am Montag“, lautet die Antwort. „Oh, wenn ich mich von ihnen trennen müsste, wäre das ganz schlimm“, sagt Agnes Marx und lässt Barri noch einmal eine intensive Streicheleinheit zukommen.

Schließlich manövrieren Rattay und ihre Helfer die sechs Rabauken wieder in die Boxen. Mutter Adele wirft einen raschen Blick auf ihren Nachwuchs, fast glaubt man, dass sie ihn durchzählt. Und dann folgt sie Petra Rattay und den Welpen zum Auto.