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Debatte um alte Bunker : Rheinisches Amt für Denkmalpflege schaltet sich ein – Transfer in Stadtgarten

Die drei Ein-Mann-Bunker sind an der Bliesheimer Straße in Liblar zwischengelagert worden.

Die drei Ein-Mann-Bunker sind an der Bliesheimer Straße in Liblar zwischengelagert worden.

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privat

Erftstadt-Liblar -

Es war eine Überraschung für alle Beteiligten: Bei Rodungsarbeiten auf dem Gelände zwischen der Carl-Schurz-Straße und dem Liblarer Stadtgarten waren im vergangenen Oktober drei Ein-Mann-Bunker aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs gefunden worden. Sie sollten offenbar Eisenbahnmitarbeitern der „Flutsch“ als Schutz dienen, die früher dort verlief. Doch was mit den zwei Meter hohen Splitterschutzzellen geschehen soll, ist nach wie vor unklar.

Die Stadt hat die Ein-Mann-Bunker derzeit in einem abgetrennten, umzäunten Bereich der Rodungsfläche zwischengelagert. Das städtische Bauordnungsamt hatte sich dagegen ausgesprochen, die Bunker unter Denkmalschutz zu stellen. Zwischenzeitlich hatte es Überlegungen gegeben, ein Exemplar dem Rheinischen Bahnmuseum in Köln zu überlassen. An den zwei anderen Exemplare hat ein Unternehmen aus Neuwied Interesse, das die Bunker seinerzeit hergestellt hat. Doch diese Pläne sind vorerst auf Eis gelegt. Denn nun hat das LVR-Amt für Denkmalpflege den Antrag gestellt, die Ein-Mann-Bunker in die Denkmalliste einzutragen.

Die Verwaltung will den Antrag prüfen, eine Beratung zu dem Thema soll am 1. März im Ausschuss für Stadtentwicklung stattfinden. Der Erftstädter Geschichtsverein hat eine eindeutige Meinung zur weiteren Vorgehensweise: „Die Ein-Mann-Bunker sind ein bedeutsames historisches Zeugnis, sie müssen in Erftstadt erhalten bleiben“, sagt der Vorsitzende des Geschichtsvereins, Professor Horst Matzerath. Die Stadt Erftstadt verfüge über keine vergleichbaren Objekte, die die NS-Zeit in ähnlich eindrücklicher Weise vergegenwärtigten. Da die Bunker wegen des geplanten Bauprojekts nicht an ihrem ursprünglichen Ort bleiben können, schlägt der Geschichtsverein vor, alle drei Schutzzellen in ihrer ursprünglichen Konstellation in den benachbarten Stadtgarten zu transferieren. „Das gäbe auch dem Stadtgarten als Bindeglied zwischen dem Schlosspark Gracht und dem Gesundheitsgarten am Marien-Hospital eine neue Qualität“, betont Matzerath.

Einzigartiger Fund

Dass gleich drei Bunker im Ensemble gefunden wurden, hält er für einzigartig. Die Schutzzellen könnten auch ein Anlass sein für die „Auseinandersetzung mit der jüngeren Geschichte, die in Erftstadt überhaupt noch nicht stattgefunden hat“, so Matzerath. Seiner Meinung nach müssen die Bunker unbedingt unter Denkmalschutz gestellt werden.

Auch einige Bürger setzen sich für den Erhalt der Ein-Mann-Bunker ein, so etwa Gerd Janes aus Liblar. Der Bauingenieur plädiert dafür, zumindest einen der Bunker in den Stadtgarten zu versetzen und dort eine Informationstafel aufzustellen. „Ich verstehe gar nicht, warum die Schutzzellen jetzt zwischengelagert werden. Der Stadtgarten ist doch nur einen Steinwurf entfernt, da hätte man sie doch gleich dort aufstellen können.“ Immerhin habe man seit Oktober ja vier Monate Zeit gehabt, um einen geeigneten Standort zu finden.

Auch die SPD-Fraktion spricht den Bunkern einen historischen Wert zu. Sie hat beantragt, wenigstens einen von ihnen als Mahnmal im Stadtgarten aufzustellen.