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Kölnische Rundschau | Eine-Welt-Laden: Kaffee belebt fairen Handel
12. April 2013
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Eine-Welt-Laden: Kaffee belebt fairen Handel

Frechen -

„Was für ein schönes Geschäft hier in Frechen.“ Oft bekommen die Betreiberinnen des Eine-Welt-Ladens an der Hauptstraße 14 dieses Kompliment. „Das kann nicht so verkehrt sein, was wir hier tun, sonst würden wir nicht so viel Hilfe bekommen“, freut sich die Vorsitzende des Trägervereins, Elisabeth Kann, noch in Erinnerung an den Verlust des Ladenlokals an der Hauptstraße 2 vor drei Jahren.

Damals war unsicher, ob das jetzige 30-jährige Bestehen des Eine-Welt-Ladens überhaupt würde gefeiert werden können. Doch dann erschien Hausbesitzerin Ottilie Köllen als rettender Engel. Familienangehörige, Freunde und Bekannte halfen mit, im jetzigen Domizil einen neuen Laden einzurichten. Die alten Regale der ehemaligen Pfarrbücherei in dem baufälligen früheren Haus wurden nicht zuletzt im Sinne der Nachhaltigkeit mitgenommen und weiterverwendet.

Nicht mehr so viel Überschuss wie bis zum Umzug im März 2010 wirft der Eine-Welt-Laden ab, trotz der geringen Miete und Nebenkosten im neuen Lokal. Denn das alte Haus gehörte der Kirche. Aus ihrem Schoß war vor 30 Jahren das gemeinnützige Geschäft mit Produkten aus dem Fairen Handel hervorgegangen. Mit Kaffee fing die 30-jährige Geschichte des Ladens an.

Elisabeth Kann, einzig noch aktives Gründungsmitglied, und einige andere engagierte Abiturienten aus der Kirchengemeinde St. Audomar erfuhren, dass die Arbeiter auf den Kaffeeplantagen in den Ländern der sogenannten Dritten Welt einen Hungerlohn für ihren harten Job erhielten, damit das belebende Heißgetränk hierzulande billig in Supermärkten verkauft werden kann.

Solche Ungerechtigkeiten wollten sie nicht länger tatenlos hinnehmen. Zur selben Zeit wurden Vertriebsorganisationen wie „Gepa“ oder „El Puente“ immer bekannter, die der Ausbeutung den fairen Handel entgegensetzten. Die Produktpalette wurde im Laufe der Jahre immer vielfältiger, so dass der Eine-Welt-Laden inzwischen ein buntes Bild bietet. Zum Kaffee, mit dem der faire Handel in Frechen Fuß fasste, kamen bald auch Kakao und Tee hinzu, später Gewürze, Handarbeiten, Schmuck und sogar Instrumente. Wer Geschenkideen sucht, ist im Laden ebenso an der richtigen Adresse wie jemand, der Nützliches braucht, zum Beispiel ein Salatbesteck, einen Einkaufskorb, eine neue Geldbörse oder ein Käsemesser.

„Einkaufs- und Warenexpertinnen“ unter den 15 Mitgliedern des Eine-Welt-Laden-Vereins nennt Elisabeth Kann Larissa Krings und Hiltrud Hamacher. Mit den Postkarten der Andheri-Kinder- und Leprahilfe Dülmen fand Gerlinde Amshoff eine Verkaufsnische.

Die Postkarten, die nun als Einladung zur Feier des Laden-Jubiläums am Samstag, 1. Juni, verschickt und verteilt werden, hat die Künstlerin Rose Schreiber mit Ansichten aus dem Laden gestaltet.

Noch immer regelmäßig mit jeweils 20 Euro im Monat unterstützt der Verein die Esel-Initiative in Nepal, die Gesellschaft für bedrohte Völker, die Andheri-Hilfe Bonn und den Werkhof in Darmstadt, der Ersatzteile für Maschinen in armen Ländern fertigt. Je 500 Euro haben die Frauen außerdem der Dülmener Andheri-Hilfe gespendet und dem deutschen Projekt „Debra“ für Straßenkinder in Brasilien.

Mit dem Tag der offenen Tür am Samstag, 1. Juni, wollen die Frauen nicht nur erneut auf ihr gemeinnütziges Wirken aufmerksam machen, sondern auch allen Kunden und Unterstützern danken. Die Ladentür geht um 11 Uhr auf und am Abend erst dann zu, wenn der letzte Besucher gegangen ist. Um 13 Uhr schauen die beiden Musiker Udo Kamjunke und Wolfgang Gerhard vorbei und spielen auf Sitar und Flamenco-Gitarre wie auch auf anderen Instrumenten Musik aus den Ländern, woher die Waren kommen.

Die Ladenbetreiberinnen werden an ihre Kunden Treuekarten verteilen, in die es für jeden Einkauf einen Stempel gibt. Wer eine Karte voll hat, darf sich aus einem Warenkorb eine Kleinigkeit aussuchen.