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Turbinen stehen oft still: Gaskraftwerke in Knapsack werden zu wenig genutzt

Kein Dampf über den Kaminen: Die Turbinen der Gaskraftwerke auf dem Knapsacker Hügel stehen die meiste Zeit still.

Kein Dampf über den Kaminen: Die Turbinen der Gaskraftwerke auf dem Knapsacker Hügel stehen die meiste Zeit still.

Foto:

Engels

Hürth-Knapsack -

Eisige Kälte, wolkenverhangener Himmel und kaum Wind – so wie in der vergangenen Woche sieht für den Energiekonzern Statkraft als Betreiber von Gaskraftwerken ein perfekter Winter aus. Denn diese Witterung, kombiniert mit niedrigen Gaspreisen, sorgte dafür, dass die beiden Gas- und Dampfturbinenkraftwerke auf dem Knapsacker Hügel in der vergangenen Woche fünf Tage lang am Netz waren. Doch dass in den hochmodernen und als klimafreundlich geltenden Kraftwerken Strom erzeugt wird, bleibe nach wie vor die Ausnahme, bedauert Statkraft-Sprecherin Anne Joeken. Die meiste Zeit über bleiben die Kessel kalt und stehen die Turbinen still.

Dabei hatten die Norweger viel Hoffnung in die Energiewende gesetzt und in Knapsack mehrere Hundert Millionen Euro investiert. Denn Gaskraft galt lange als ideale Ergänzung zu den regenerativen Energien. Die Kraftwerke können flexibel hoch- und runtergefahren werden und gerade dann ans Netz gehen, wenn die Sonne nicht scheint und kein Wind weht.

Doch hohe Gaspreise bei gleichzeitig niedrigen Strompreisen machten den Norwegern einen dicken Strich durch die Rechnung. Die Kraftwerke seien die meiste Zeit über nicht wirtschaftlich zu betreiben, beklagt Joeken. Dazu kommt die Konkurrenz durch Kohlekraftwerke, die von billigem Brennstoff und günstigen Luftverschmutzungsrechten profitieren.

Wenige Lichtblicke

In den vergangenen Jahren gab es nur wenige Lichtblicke. So in der vergangenen Woche. Grund dafür waren die sehr hohen Strompreise und sehr niedrigen Gaspreise. Am vergangenen Donnerstag lag der Strompreis an der Strombörse nach Statkraft-Angaben in der Spitze bei 70 Euro pro Megawattstunde, der Gaspreis bei 14 Euro pro Megawattstunde. Stakraft fuhr beide Knapsacker Kraftwerke und ein weiteres Kraftwerk in Herdecke an der Ruhr hoch. Allein in Knapsack wurden in der vergangenen Woche rund 100 Gigawattstunden Strom erzeugt.

Den hohen Strompreis erklärt Statkraft-Sprecherin Joeken mit dem hohen Verbrauch durch die Kälte, gleichzeitig speisten Wind- und Solarkraftwerke relativ wenig Strom ins Netz ein. „Dies war jedoch eine große Ausnahme“, so Anne Joeken. „In einem Durchschnittsjahr gibt es nicht einmal eine Woche mit solchen Bedingungen.“ Allein um die Fixkosten für den Betrieb der Kraftwerke wieder hereinzuholen, würde Statkraft aber 15 solcher Wochen brauchen – um auch noch die gewaltige Investitionssumme wieder einzuspielen, sogar etliche mehr.

Günstige Wetterlage

Zumindest für die ganz nahe Zukunft sehen die Aussichten nicht ganz so trüb aus. Statkraft rechnet damit, dass die Marktlage im Februar verhältnismäßig günstig bleibt. „Vielleicht gibt es noch einmal eine günstige Wetterlage“, hofft die Unternehmenssprecherin, aus ihrer Sicht bedeutet das: kalt und völlig windstill.

Perspektivisch bleiben die Gaskraftwerke aber wohl unwirtschaftlich, zumindest, solange der Gesetzgeber die Rahmenbedingungen nicht verändert. „Auf lange Sicht gehen wir davon aus, dass der Gaspreis wieder steigen wird, genauso wie der Ölpreis“, wagt Statkraft-Sprecherin Anne Joeken einen Ausblick. Bei der Frage welche Zukunft die Gaskraftwerke haben werden, würden neben der Marktentwicklung die Regelungen des neuen Strommarktgesetz, das für Frühsommer erwartet wird, eine entscheidende Rolle spielen.