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Kölnische Rundschau | Hambacher Forst: Polizei räumt Camp der Waldbesetzer
21. March 2013
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Hambacher Forst: Polizei räumt Camp der Waldbesetzer

Speziell gesicherte Polizeibeamte kletterten zu den Plattformen empor demontierten sie.

Speziell gesicherte Polizeibeamte kletterten zu den Plattformen empor demontierten sie.

Foto:

Nicolai/Ritter

Kerpen/Morschenich -

Am späten Nachmittag gegen 16 Uhr war es offiziell: Der Polizeieinsatz, der bis dahin von der Dürener Polizei als „Inspektion“ des neuen Camps der Waldbesetzer im Hambacher Forst bezeichnet worden war, wurde eine Räumung.

Ein Aktivist wurde, von einem Beamten mit Seilen gesichert, von der rund zehn Meter hohen, in Bäumen errichteten Plattform gen Erdboden befördert. Zwei weitere kletterten von den Bäumen hinunter und stellten sich freiwillig, nachdem ihnen versichert worden war, dass sie nicht festgenommen werden. Beide Plattformen wurden entfernt und gegen die Waldbesetzer Verbotsverfügungen ausgesprochen, wonach sie das Gelände nach Angaben der Dürener Polizei drei Monate nicht wieder betreten dürfen. Gegen 18.30 Uhr war die Aktion aus Sicht der Polizei abgeschlossen.

„Der Einsatz war so nicht beabsichtigt“, sagte Polizeisprecher Ralf Meurer. Ursprünglich habe das Camp nur einer Überprüfung unterzogen werden sollen, der Rest habe sich dann entwickelt – unter anderem, weil es zu einer „Konfliktsituation“ gekommen sei. Dies wollten Beobachter jedoch nicht bestätigen. Zudem, so Meurer weiter, habe RWE, Eigentümer des Waldgeländes, auf dem die Aktivisten die beiden Plattformen sowie ebenerdig einen Unterstand errichtet hatten, Strafantrag wegen Hausfriedensbruchs erstattet. Daraufhin habe die Polizei das Hausrecht durchgesetzt.

Beamte in Klettermontur

Rund 30 Beamte aus Köln und Bonn waren am späten Vormittag am Camp erschienen, einige davon in Klettermontur. Später kamen Waldarbeiter von RWE dazu, die mit schwerem Gerät, einem Harvester, den hölzernen Unterstand demontierten und dort gelagerte Holzpaletten abtransportierten. Auch zersägten sie um den Bau herum gestapelte Baumstämme. Anschließend sperrte die Polizei das Gelände mit Flatterband ab, und Beamte begannen mit Vorarbeiten für die Räumung.

Die wurde unter anderem von der Landtagsabgeordneten der Grünen Gudrun Zentis aus dem Kreis Düren mitverfolgt. „Ich hoffe, dass er nicht hinunterfällt. Das wäre die Sache nicht wert“, kommentierte sie die waghalsigen Kletteraktionen eines Besetzers, der sich bis in die Baumkrone vorarbeitet hatte, während ein Beamter am selbigen Baum die Plattform entfernte.

Ein Aktivist aus Schottland, der die Frage nach seinem Namen mit „Niemand“ beantwortete, betonte auf Englisch: „Ich liebe diesen Ort und möchte nicht, dass er dem Boden gleichgemacht wird.“ (gri)


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