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Kölnische Rundschau | Jahresrückblick 2015: Im Revier brodelt es – das war das Wirtschaftsjahr im Rhein-Erft-Kreis
27. December 2015
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Jahresrückblick 2015: Im Revier brodelt es – das war das Wirtschaftsjahr im Rhein-Erft-Kreis

Kraftwerk Frimmersdorf

Kraftwerk Frimmersdorf

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Manfred Funken

Rhein-Erft-Kreis -

Für die Mitarbeiter bei RWE ist das Jahr 2015 ein Wechselbad der Gefühle. Die geplante Verkleinerung des Tagebaus Garzweiler, Kohleabgabe, Ausstiegsplanungen und Konzernumbau halten die Beschäftigten in Atem. Im Revier brodelte es.

Im April reißt bei den Beschäftigten, angeführt von Gewerkschaftsvertretern und Betriebsräten, der Geduldsfaden.

15 000 protestierten in Berlin

Mit einem Großaufgebot an Mitarbeitern aus Kraftwerken und Tagebauen geht es nach Berlin zum Protest gegen den Ausstieg aus der Braunkohle. 15 000 Menschen sollen dort gewesen sein. Zeitgleich bilden Kohle-Gegner am Rand des Tagebaus Garzweiler eine Menschenkette. Der Kampf um die Kohle ist entbrannt.

Öl gießt Umweltminister Sigmar Gabriel in das Feuer. Er fordert im April eine Klimaabgabe, die zur Stilllegung von 17 bis 20 Kraftwerksblöcken führe, heißt es aus RWE-Kreisen. Um ihrer Haltung Nachdruck zu verleihen, ziehen Beschäftigte, Betriebsräte und Gewerkschafter im Mai auf die Domplatte, um dort parallel zum Braunkohlentag buchstäblich auf die Pauke zu hauen. Und die Botschaft dazu ist klar: „Nicht mit uns.“ Unter dem wachsenden Protest der Beschäftigten und des Unternehmens zieht Sigmar Gabriel sein Vorhaben schließlich zurück.

Doch die Proteste um die Kohleverstromung werden immer spektakulärer. Anfang Juni klettern Kohlegegner auf einen Bagger im Tagebau und halten ihn 48 Stunden besetzt. Ruhe kommt keinesfalls ins Revier, und auch die zahlreichen Projekte, die es inzwischen im Rahmen der Förderung des Strukturwandels gibt, ändern daran nichts.

Im August gründet sich der Pro-Kohle-Verein „Unser Revier“ und lädt zu seiner ersten öffentlichen Kundgebung nach Niederzier ein. „Die Kohle wird noch lange gebraucht, damit die Energiewende funktioniert“, lautet die Botschaft. Sprecher der Organisation verurteilen die Angriffe auf RWE-Mitarbeiter scharf. Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki fordert bei einem Besuch im Revier „Respekt vor den Mitarbeitern“ des Unternehmens ein. Schließlich verwirrt Umweltministerin Barbara Hendricks die eigene NRW-SPD und die Arbeitnehmervertreter mit einem neuen Ausstiegsplan. In 20 bis 25 Jahren, so ihre Forderung, solle der Kohleausstieg vonstattengehen. Und dazu soll noch in dieser Legislaturperiode ein Fahrplan in Berlin verabschiedet werden. Nach Protesten aus dem Land und dem Revier wird daraus aber nichts. Dafür ist die Vereinbarung über die Schaffung einer Sicherheitsbereitschaft getroffen worden. Danach werden bis spätestens 2021 fünf ältere Kohlenmeiler im Revier vom Netz gehen.

Nur langsam beruhigen sich die Gemüter zum Jahresende etwas. Immerhin ist klar, dass der Tagebau Inden bis 2030 laufen wird und die Tagebaue Hambach und Garzweiler bis 2045. RWE selbst legt zum Jahresende einen Ausstiegsplan bis Mitte des Jahrhunderts vor – und kündigt einen Umbau des Konzerns an. Die Vorstandschefs Matthias Hartung (RWE Power) und Peter Terium (Konzern) werfen zum Jahresende einen Blick in die nächste Dekade und kündigen für 2030 das Ende des Kraftwerks Weisweiler und damit eine CO2 -Einsparung von 40 bis 50 Prozent an. Danach sinke die Stromerzeugung aus Braunkohle abhängig vom Ausbau der erneuerbaren Energien weiter.

Lange Trockenheit

Das Klagen gehört für die Landwirte zwar zum Geschäft wie das Säen und das Düngen. Aber zum Ende des Frühjahrs ist die Lage dramatisch: Die anhaltende Trockenheit lässt schwere Einbußen beim Getreide befürchten. Vor allem aber die Kartoffeln leiden unter Wassermangel – und können stellenweise nicht aus der hart verkrusteten Oberfläche des Bodens gezogen werden. Das Ergebnis bei den frühen Sorten: unterdurchschnittlich.

Beim Getreide kommt es dann doch nicht so schlimm wie gedacht. Die prognostizierten Einbrüche etwa bei Gerste und Winterweizen bleiben aus. Im Gegenteil: Die Gerste liefert rekordverdächtige 8,4 Tonnen pro Hektar. Und auch das einsetzende unbeständige Wetter im Kreis mit Ernteunterbrechungen von bis zu einer Woche minderte die Erträge nicht. Beim Weizen, der wichtigsten Getreideart auf den Äckern im Rheinland, liegen die Erträge nur um knapp zwei Prozent unter denen des Vorjahres.

Sehr günstige Erntebedingungen finden die Landwirte in der Rübenkampagne. Sowohl die Rode- als auch die Transportbedingungen sind optimal. Ebenso Menge und Zuckererträge. Die Landwirte sehen das mit gemischten Gefühlen. Nach Jahrzehnten geht die EU-Zuckermarktordnung zu Ende. Ab 2017 muss die rheinische Knolle im Wettbewerb auf dem Markt bestehen.