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Kritik: Ententeich für Phantasialand opfern?

Informierten über die Bedeutung des Ententeichs: (v.l.) Rolf Ehrenstein (NABU), Hans Meeth (Angelverein), Lothar Schroll, Bernhard Rieger, Wilhelm von Dewitz (alle drei NABU), Ingo Löhrer  und Ernst Bandel (Angelverein). (Foto: Höhne)

Informierten über die Bedeutung des Ententeichs: (v.l.) Rolf Ehrenstein (NABU), Hans Meeth (Angelverein), Lothar Schroll, Bernhard Rieger, Wilhelm von Dewitz (alle drei NABU), Ingo Löhrer  und Ernst Bandel (Angelverein). (Foto: Höhne)

Brühl -

„Es ist ein Skandal, dass das Naturschutzgebiet um den Ententeich für die Erweiterung des Phantasialands geopfert werden soll“, sagte der zweite Vorsitzende des Angelvereins Ententeich, Ingo Löhrer am Samstag bei einem Rundgang um den rund 1,8 Hektar großen See.

Zuvor hatten sich Mitglieder des Angelvereins und des Naturschutzbundes (NABU) mit Politikern der Stadt vor Ort getroffen, um ihre Situation zu erläutern. Laut Löhrer waren alle Fraktionsvorsitzenden der im Stadtrat vertretenen Parteien eingeladen. Erschienen waren waren aber nur Hans-Theo Klug (CDU) und Matthias Petran (SPD). „Ich habe keine Einladung bekommen“, erklärte Michael vom Hagen (Grüne).

Nach dem Gespräch erwartet Löhrer aber keine Rückendeckung von der lokalen Politik in Düsseldorf, wo das Umweltministerium über den Verkauf der staatlichen Waldflächen, die zum Landesbetrieb Wald und Holz gehören, entscheide. „Wir haben Bauchschmerzen, wenn das Gebiet überplant wird“, erklärte Klug. Aber wenn der Naturschutzgebiet-Status aufgehoben werde und Umweltminister Johannes Remmel die in Besitz des Landes befindlichen Flächen auch verkaufe, „dann ist der Ententeich weg“, so Klug. Ähnlich äußerte sich auch Petran. Ob die vom Regionalrat Köln im Dezember beschlossene Änderung des Regionalplans, die eine Erweiterung im vier Hektar nach Osten und um 15 Hektar nach Westen vorsieht, mit den Zielen der Landesplanung übereinstimmt, will die Landesplanungsbehörde in dieser Woche bekanntgeben. Erst dann wird die Regionalplanänderung rechtskräftig, und die Stadt Brühl kann den Flächennutzungsplan ändern und einen Bebauungsplan aufstellen.

„Wenn das Land die Flächen verkauft, wäre das das erste Mal, dass ein solches Naturschutzgebiet für die privatwirtschaftliche Zwecke eines Unternehmens aufgegeben werden soll“, so Löhrer. „Wir wehren uns gegen die Inanspruchnahme von Naturschutzflächen für die Expansion eines privaten Unternehmens“, sagte das langjährige NABU-Mitglied Wilhelm von Dewitz. Für ihn ist auch nicht nachvollziehbar, warum der hier an den Ententeich angrenzende 80-jährige Buchenwald Parkplätzen weichen solle. Dafür gebe es auch Möglichkeiten am Rheindorfer Acker, verwies er alternativ. Das werde aber nicht vom Phantasialand angestrebt, sagte von Dewitz.

Seit Jahrzehnten kennt Dewitz den Ententeich. „Hier sind seltene Tiere zu Hause wie beispielsweise Teichrohrsänger und Wasserallen“. In dem Gebiet würden auch Eisvögel brüten. Früher seien es rund 18 Paare gewesen, aufgrund der vergangenen kalten Winter habe sich deren Zahl auf sechs oder sieben reduziert. Für sie habe er zusätzliche 60 bis 70 Zentimeter lange Tonröhren ausgelegt, in denen sie nisten und brüten können.

Natur kontra Wirtschaftsinteressen 

„Auch wenn Ausgleichsflächen geschaffen werden müssen, bräuchte man fünf Jahre, um ein solches Biotop wachsen zu lassen“, merkte Dewitz an. „Hier wird die Natur knallhart gegen Wirtschaftsinteressen ausgespielt. Das Signal ist, die Natur ist nichts wert“, sagte Bernhard Rieger. „Seit 1957 komme ich hier zum Angeln her. Es gibt Hechte und Zander. Die Mitglieder des Angelvereins lieben diesen Teich, hegen und pflegen ihn“, berichtete Ernst Bandel. „Das ist ein kleines Paradies“, resümierte das Angelverein-Mitglied Hans Meeth (CDU).