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Kölnische Rundschau | Phantasialand: BUND spricht von „faulem Kompromiss“
15. January 2013
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Phantasialand: BUND spricht von „faulem Kompromiss“

Den Ententeich
im Erweiterungsgebiet sahen sich (v.l.) Paul Kröfges, Holger Sticht und Doris Linzmeier an.

Den Ententeich

im Erweiterungsgebiet sahen sich (v.l.) Paul Kröfges, Holger Sticht und Doris Linzmeier an.

Brühl -

Als „faulen Kompromiss“ bezeichnet der Vorsitzende des BUND-NRW, Paul Kröfges, den Beschluss des Regionalrats Köln zur Erweiterung des Phantasialands. Der Regionalrat hatte Mitte Dezember eine Regionalplanänderung beschlossen, um eine rund 19 Hektar große Erweiterung des Freizeitparks zu ermöglichen. Kröfges fordert Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und Umweltminister Johannes Remmel in offenen Briefen auf, die Planänderung nicht zu genehmigen.

Der stellvertretende Pressesprecher des Umweltministeriums, Wilhelm Deitermann, meinte: „Auf Grundlage des Regionalratsbeschlusses kann mit allen Beteiligten vor Ort ein dauerhaft tragfähiger Konsens gesucht werden.“ Die Landesregierung habe sich im Koalitionsvertrag darauf geeinigt, den Flächenverbrauch insgesamt zu begrenzen und den Anteil des landeseigenen Waldes zu erhöhen. Diese Grundlinien müssten nun mit allen Beteiligten ausgestaltet werden.

Paul Kröfges und sein Stellvertreter Holger Sticht hatten sich mit der Sprecherin der Initiative „50 000 Bäume“, Doris Linzmeier , die für die Erweiterung vorgesehenen Flächen angesehen. „Wir sind zu dem eindeutigen Ergebnis gekommen, dass dieser erhebliche Eingriff in geschützte und wertvolle Landschaft nicht zu verantworten ist“, schreibt Kröfges. Zwar sei die für die Erweiterung vorgesehene Fläche im Vergleich zur Ursprungsplanung deutlich reduziert worden. Doch eine Erweiterung öffne „die Tür zum scheibchenweisen Ausverkauf umliegender Grünflächen“. „Wenn heute das Naturschutzgebiet Ententeich zerstört werden darf, sind es morgen vielleicht schon die Naturschutzgebiete der Villeseen und der Waldville“, erklärte Kröfges. Denn wenn das Phantasialand, wie angekündigt, mit dem Europapark Rust konkurrieren wolle, könnten zukünftig noch ganz andere Flächenverbräuche und Beeinträchtigungen für die Bevölkerung anstehen.

„Koalitionsvertrag ernst nehmen“

Ein „fatales Signal“ sei es, wenn das in Landeseigentum befindliche Naturschutzgebiet zu Gunsten des Phantasialands verkauft werde. „Die Landesregierung ist mit dem Ziel angetreten, keinen Staatswald zu veräußern“, betont Kröfges. Besonders kritisiert der BUND, dass für die Zerstörung des Naturschutzgebiets kein überwiegendes öffentliches Interesse und keine geeigneten Ausgleichsflächen nachzuweisen seien. „Mit viel Aufwand versuchen wir seit Jahrzehnten, Lebensräume für Springfrosch und Wildkatze zu schützen, und hier sollen genau diese Lebensräume zerstört werden“, so Holger Sticht.

Remmel solle vor einer möglichen Erweiterung einen strategischen Flächenmanagementplan einfordern. „Das Ziel muss es sein, auf Grundlage eines solchen Plans Einsparpotenziale und Möglichkeiten des Flächenrecyclings zu ermitteln, damit aktuelle und zukünftige Ansprüche auf dem begrenzten Raum dauerhaft in Einklang gebracht werden können“, so Sticht.

Kraft wird eindringlich aufgefordert, die Aussagen des rot-grünen Koalitionsvertrages ernst zu nehmen, wonach die Staatswaldfläche wieder erhöht und der Flächenverbrauch gesenkt werden solle.