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Pantomine Milan Sladek: Wortlose Kunst und barocke Klänge

Pulheim -

Bange Minuten gab es vor dem Auftritt des Barockensembles Nel Dolce mit Milan Sladek: der berühmte Pantomine hatte sich im labyrinthischen Treppenhaus der Abtei Brauweiler ausgeschlossen und musste erst befreit werden.

Sladek, ein Bühnenprofi mit jahrzehntelanger Erfahrung, münzte sein Missgeschick kurzerhand in einen pantomimischen Prolog um und entschädigte die Besucher im Kaisersaal so auf charmante Weise für die Verspätung. Die Mitwirkung des charismatischen Mimen hatte dem Freundeskreis Abtei Brauweiler bei der ersten Veranstaltung des Jahres ein ausverkauftes Haus beschert.

Der 78-Jährige hatte sich nicht lange bitten lassen, als die jungen Musiker von Nel Dolce bei ihm anfragten, ob er Lust habe, die barocke Harlequinade wieder aufleben zu lassen, die sich in der Mitte des 18. Jahrhunderts in England besonderer Beliebtheit erfreute. Für die bunten Darbietungen wurden eigene Medley-Ouvertüren komponiert, in der Zitate bekannter und beliebter Melodien aus Opern und Oratorien verarbeitet wurden.

Für die Harlequinade „Harlequin restor’d“ etwa bedient sich der Komponist Richard Clarke bei Werken von Händel und Purcell, die wirkungsvoll und unterhaltsam kombiniert werden. Mit dem Konzept, Barockmusik und Pantomime miteinander zu verbinden, hat Nel Dolce offenbar einen Volltreffer gelandet.

„Harlequin restor’d“ erzählt vom Tod und der Wiedererweckung des Harlekins, die Milan Sladek mit ausgefeilter Mimik und Körpersprache vermittelte. Zunächst aber konnte man ihn dabei beobachten, wie er am Bühnenrand zwei Bilder mit Harlekingesichtern malte, die punktgenau mit der Musik vollendet waren. Blockflötistin Stephanie Buyken und Violinistin Olga Piskorz standen im Zentrum des musikalischen Geschehens, Harm Meiners (Violoncello) und Luca Quintavalle (Cembalo) legten ihnen dazu das Fundament. Mit Lust und Laune vertieften sie sich in die virtuosen Stücke, aus denen zwei Sätze aus einer Blockflötensonate von Händel herausragten. Hier betörte die Flötistin mit kunstvollen Ornamentierungen und langem Atem. Auch als Sängerin machte Stephanie Buyken eine ausgezeichnete Figur. Sehr ansprechend gelang dem Quartett auch Rameaus „La Pantomime“; bei Nicolas Matteis’ Triosonate wurden die vielfältigen Einflüsse hörbar, die die Bühnenmusik der Pantomimenstücke in London um 1730 geprägt haben. Für authentisches Flair sorgten dabei die Masken, die die Musiker sich aufgesetzt hatten.

Milan Sladek faszinierte die Zuschauer mit einer Solo-Pantomine, in der er verschiedene Rollen einnahm, und als Akteur in dem Stück „Harlequin married“. In deftig-übermütiger Weise vermittelte er unterschiedlichste Handlungen. So erlebte man ihn etwa bei der Rasur, beim Essen, bei Annäherungsversuchen und beim Hüten eines Kleinkindes. Der Pantomime spielte dabei detailreich alle Facetten seiner wortlosen Kunst aus. Rauschenden Beifall gab es für diesen ungewöhnlichen Abend, den man so schnell nicht vergessen wird.