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Fastenzeit: So fasten die Tollitäten aus dem Rhein-Erft-Kreis

Der erste Schritt ist getan. Josef Schnorrenberg, Ex-Prinz Jupp I., trainiert seine Kondition im Fitnessstudio.

Der erste Schritt ist getan. Josef Schnorrenberg, Ex-Prinz Jupp I., trainiert seine Kondition im Fitnessstudio.

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Beißel

Rhein-Erft-Kreis -

Die Fastenzeit hat begonnen, und das bedeutet vor allem für die gerade ausgeschiedenen Tollitäten ein radikales Abbremsen. Für sie geht es quasi von Hundert auf Null. Wochenlang haben sie ihre Körper in jecker Mission und zur Freude aller Untertanen mit Extrem-Schunkeln, Terminstress und Einsätzen bis in die Nacht geschunden.

Bei so manch einem war auch das ein oder andere Gläschen Bier mit im Spiel. Jetzt heißt es bei vielen Fasten und Regenerieren. Unsere Redaktion stellt die Fastenzeitideen einiger Karnevalisten vor. Auch Mitarbeiter der Redaktion – Redaktionsleiter Bernd Rupprecht, Dennis Vlaminck und Britta Havlicek – haben sich einiges vorgenommen.

Als Jungfrau „Hermi“ im Dreigestirn von Bergheim-Rheidt-Hüchelhoven hat Hermann-Josef Weilerswist (68) wegen Auftrittsmarathons und schweißtreibender Perücke kaum zugenommen. Aber im Laufe des Jahres kommen immer ein paar Pfunde drauf. Süßigkeiten, hier und da ein Kölsch und gutes Essen belasten das Idealgewicht nach und nach. Seit vielen Jahren fastet Weilerswist daher zwischen Karneval und Ostern.

„Mein Wohlfühlgewicht sind 82 Kilo“, sagt der 171 Zentimeter große Ehrenvorsitzende des Fußballvereins SV Rheidt. Die Waage verrät ihm am Aschermittwoch: elf Kilo zu viel wölben sich, vornehmlich in Bauchhöhe, vor. Zehn Kilo Abspecken sind sein erklärtes Ziel.

Dazu will Weilerswist täglich auf rund 1500 Kilokalorien beim Essen verzichten. Dazu meidet er konsequent Fett, Alkohol, Kuchen und Süßigkeiten. Und statt des geliebten Schweinebratens, gibt es „nur weißes Fleisch“, Geflügel und Fisch. Auch die Portionen werden kleiner gehalten. „Ich vertraue der Weisheit meiner Großmutter: Frühstücken wie ein Kaiser, Mittagessen wie ein König und Abendbrot wie ein Bettler“, verrät Weilerswist sein Rezept. Morgens Vollkornbrot mit Marmelade oder Honig, mittags viel Gemüse, nachmittags ein Obst-Smoothie und abends ein Eiweißdrink.

Zudem werden die sportlichen Aktivitäten erhöht. Walking ist seine große Leidenschaft. Vor einigen Jahren ist Weilerswist von Köln bis Santiago de Compostela zu Fuß dem über 2000 Kilometer weiten Weg der Jakobspilger gefolgt. In den ersten zehn Tagen zeigen sich, so seine Erfahrung, schnell Erfolge. „Da schaffe ich vier Kilo ohne große Anstrengung.“ Danach sinke nicht nur das Abnehmtempo. „Es steigt auch die gelegentliche Schmacht nach Süßem. Der Körper hat sich gewöhnt“, bekennt er seine Schwäche, „gegen die ich aber mit Sturheit standhalte.“ Schlecht gelaunt sei er nie gewesen beim Fasten. „Ich fühle mich zu dick. Da ist der Gedanke ans Abnehmen positiv“, motiviert er sich selbst. Im vergangenen Jahr hat der Bahn-Vertriebsleiter im Ruhestand über zwölf Kilo abgenommen. Ob er die anvisierten zehn Kilo diesmal schafft, wird sich in gut sechs Wochen zeigen.

Karl-Heinz Becker ist seit 26 Jahren Prinzenführer in Brühl. Die ersten elf Jahre hat er die Kindertollitäten durch den Fasteleer begleitet, seitdem kümmert er sich jährlich aufopfernd um die großen Dreigestirne der Schlossstadt. Das bedeutet für den 64-Jährigen Termine machen, Fahrten organisieren, Auftritte managen – und jede Menge karnevalistisches Fastfood. Mettbrötchen, Käseschnitten, Frikadellen und fettige Pommes hat Becker in den vergangenen Woche zur Genüge gegessen.
Damit ist jetzt Schluss. „Ich werde nur noch gesunde Dinge essen“, hat er sich für die Fastenzeit vorgenommen. „Und natürlich werde ich auch keinen Alkohol trinken.“ Bei seiner Ernährungsumstellung setzt Becker auf Obst. „Bananen zur Stärkung, Äpfel für den Hunger zwischendurch.“

Der Verzicht auf die ungesunde Kost werde ihn nicht so schmerzen, ist er zuversichtlich. Nur eins wird ihm auf jeden Fall schwer fallen: kein Lakritz mehr zu essen. Becker ist ein bekennender Lakritz-Junkie, und das weiß die Brühler Karnevalsszene. Ständig bekommt er Lakritz in allen Formen und Sorten geschenkt. Becker: „Ich habe zu Hause bestimmt zehn Kilo Lakritz, und da darf ich jetzt nicht dran.“

Ex-Prinz Jupp I. aus Frechen, mit bürgerlichem Namen Josef Schnorrenberg, ist mit Ende seiner jecken Amtszeit umgehend auf der Couch gelandet. Den 51-Jährigen hat eine Bronchitis heimgesucht, was seinen Fastenplänen aber keinen Abbruch tut. Zum einen möchte er bis Ostern komplett auf Alkohol verzichten. „Das mache ich schon seit vielen Jahren“, erklärt er.

„Das muss nach der wilden Karnevalszeit einfach sein.“ Zwar habe er als Majestät stets darauf geachtet, zwischen den Bieren auch Wasser zu trinken. „Aber vor allem an Weiberfastnacht und nach dem Frechen Zug ging es partymäßig rund“, erinnert er sich. Nach den Auftritten hatte er mit Hilfe seiner Begleiter das Ornat abgelegt, dann starteten sie die Sause. Jetzt braucht der Ex-Prinz eine Pause. Gleichzeitig möchte er beim Sporttraining aufdrehen. Gleich dreimal pro Woche geht’s ins Fitnessstudio, zweimal in die Sauna.

Bei Marieluise Grell, vor kurzem noch die Karnevalsprinzessin von Hürth-Berrenrath, geht das Fasten erst so richtig am Montag los. „Da muss ich auch wieder arbeiten, das trifft sich dann ganz gut.“ Sie ist bei einer Hürther Firma im Finanz- und Rechnungswesen tätig. Da wird sie kaum Zeit haben, ihre geliebten Süßigkeiten zu vermissen.

Vor allem die kleinen Schokoladentäfelchen, die sie selber als Prinzessin auf dem Berrenrather Karnevalszug geworfen hat, hatten es ihr angetan. „Die schmecken einfach super, und das ist wunderbare Nervennahrung.“ Doch die Prinzessin hat noch einige Kartons Wurfmaterial zu Hause. Aber dort hineingreifen darf sie leider nicht. „Das wird schon eine Herausforderung“, sagt die 55-Jährige lachend. Auch alkoholfrei soll die Fastenzeit für sie werden – zumindest bis zur Hälfte. Denn ihr Verein „Mir sin jeck“ aus Berrenrath feiert dann ein Fastenbrechen. Da wird Alkohol getrunken und geschlemmt. Darauf freut sich Marieluise Grell jetzt schon.

Astrid Bednarski hat den Karneval als Jungfrau im Niederaußemer Dreigestirn genossen und dabei in vielerlei Hinsicht ihren Mann gestanden. 160 Auftritte hat sie zwischen Proklamation und Aschermittwoch absolviert, und vor ihrem Amtsantritt waren es auch schon knapp 30. „Da gab es jedes Mal ein Kölsch – also mindestens eins“, sagt sie mit einem Augenzwinkern. Vor allem bei den Heimspiel-Sitzungen in Niederaußem – eine Herren-, zwei Mädchen- und zwei Müttersitzungen – sei ausgiebig gefeiert worden. „Das ging bis zu sechs Stunden lang.“

Nun will sie ihren Körper nach den schönen Strapazen entschlacken und sich bis Ostern jedem Tröpfchen Alkohol verweigern. Das Vorhaben wird daher in den ersten Tagen sicher eher eine Wohltat denn Verzicht sein. „Aber wenn dann im März ein paar Feiern im privaten Kreis anstehen, will ich auch eisern bleiben“, sagt die 34-Jährige. Da könne es gut sein, dass sie sich der ein oder anderen Diskussion stellen müsse, schließlich habe sie ja vor kurzem noch täglich einen mitgetrunken. Die bevorstehenden privaten Feiern seien aber auch die einzigen Anlässe, in denen sie mal ein Glas getrunken hätte. „Es ist nicht so, dass ich jeden Tag ein Glas Wein oder Bier trinke.“
Die Fastenzeit nimmt sie ernst. „Meine Eltern sind katholisch und leben danach, das hat auf mich abgefärbt.“