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Sozialladen: Bedburger Carisma-Sozialladen will Menschen schick machen

Gerade für Kinder kann man bei Carisma günstig Kleidung kaufen.

Gerade für Kinder kann man bei Carisma günstig Kleidung kaufen.

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Kurth

Bedburg -

Sie kommen in Scharen. Alte, Junge, Männer, Frauen, Kinder. Und natürlich auch Flüchtlinge, die in Bedburg und Umgebung leben. Den Carisma-Sozialladen kennen sie alle. Hier treffen sich die, die wenig Geld zur Verfügung haben, die, die nicht unbedingt auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Aber im Laden sind alle gleich. Und der Andrang ist groß in diesen vorweihnachtlichen Tagen. „Menschen in Würde schick machen“, gibt Achim Niepel, Vorsitzender und Geschäftsführer des eingetragenen Vereins Carisma die Losung des Ladens aus, dessen Grundidee vom früheren Kreisdechanten und Subsidiar Gerhard Dane stammt.

Der Sozialladen ist keine Kleiderkammer und auch kein Laden, in dem es alte, abgewrackte Kleidung gibt, auch wenn die Preise das im ersten Augenblick vermuten lassen. Im Gegenteil. Die Hosen, Hemden, Schuhe, Haushaltswaren, Lampen, Kleinmöbel und Kinderspielsachen sind zwar ausschließlich Spenden. Aber nichts in den Regalen und an den Kleiderhaken erinnert an miefige ausrangierte Klamotten. Und wer hier für den Freund, den Vater, den Bruder oder sonst wen ein schickes Herrenhemd sucht, der wird nicht nur fündig, der hat am Ende womöglich die Qual der Wahl. Und das ab zwei Euro, manchmal noch weniger. „Es gibt ein Hemd oder eine Hose für ein bis zwei Euro, einen Mantel für einen Zwanziger“, sagt Margret Strauch, zweite Vorsitzende und Personalmanagerin bei Carisma.

Personalmanagerin? Klingt komisch, ist aber sehr ernst gemeint, denn im geräumigen Laden arbeiten im Wechsel bis zu 50 freiwillige Helfer, fast ausschließlich Frauen. Im Büro, nennen wir den Raum hinter der Verkaufstheke so, hängen Dienstpläne, denn der Laden bringt viel mehr Arbeit als nur das bloße Verkaufen mit sich. Es braucht also mehr als ein geübtes Auge für Größen und Schnitte. In dem ehemaligen Fliesenfachgeschäft ist nämlich nicht nur alles nach Größen fein säuberlich sortiert. Bevor die Sachen auf einen Bügel oder in ein Regal des 200 Quadratmeter großen Verkaufsraums gelangen, werden sie im Keller sozusagen auf Herz und Nieren geprüft. Während das bei Haushaltswaren relativ einfach ist, muss man bei Bekleidung schon genauer hinsehen.

Acht, zehn oder zwölf Hände sind in der Vorweihnachtszeit regelmäßig damit beschäftigt, die zahlreichen gespendeten, zum großen Teil gut bis sehr gut erhaltenen Textilien im 120 Quadratmeter großen Keller zu sortieren. „Da ist dann schon mal ein van-Laack-Hemd dabei“, sagt Margret Strauch, „noch original verpackt und mit dem Preisschild versehen – 240 Euro. Das bekommen Sie dann bei uns für zwei Euro.“ Einer der Grundsätze des gemeinnützigen Vereins lautet: nachhaltig verwerten. Was für den Laden nicht gut genug ist, holen die Helfer der Malteser ab. „Wir werfen nichts weg.“

Im Laden geht es meist schon kurz nach der Öffnung hoch her. Vier, fünf Frauen bemühen sich im Verkaufsraum, die Kunden nach ihren Wünschen zu fragen. Ob zum Beispiel ein junger Mann, der offenbar eine Jeans sucht, am richtigen Regal steht, weiß Strauch sofort. Junge Syrer oder Iraker etwa bräuchten relativ kleine Größen – und in diesem Bereich sei das Spendenaufkommen eher dünn.

Dreimal die Woche öffnet der Laden an der Otto-Hahn-Straße in der Regel. Montags und donnerstags von 15 bis 18 Uhr, samstags ist das Geschäft in Abteilungsstärke von zehn bis 13 Uhr besetzt. Derzeit ist es geschlossen, ab 7. Januar öffnet es wieder.

Achim Niepel , Margret Strauch und die anderen Frauen sind ein wenig stolz auf den Betrieb. Denn Niepel erinnert sich noch gut an namhafte Leute, die ihm erklärt haben: „Achim, das funktioniert nicht.“ Natürlich, sagt Niepel, funktioniere es nur, weil niemand für seine Arbeit auch nur einen Cent bekomme. Aber das sei von Anfang an auch nicht geplant gewesen, als der Laden am 5. November 2012 erstmals seine Pforten öffnete. Damals waren die Leute im Laden wohl genauso so gespannt wie diejenigen, die schon vor der Tür warteten. Im Prinzip habe sich das Publikum seither nicht verändert, die Flüchtlinge und Asylbewerber seien aber hinzugekommen. „Es gab Tage, da standen hier gut und gerne 60 Leute vor der Tür, als wir öffneten“, so Margret Strauch.

Unterstützung der Jugendarbeit

Für die Frauen und den Vorsitzenden sind aber noch andere Ziele wichtig. Zu den Aufgaben von Carisma gehört nämlich die Unterstützung der Jugendarbeit in der Stadt Bedburg. Dorthin fließt der gesamte Erlös. Dazu zählt die Förderung von Kindergärten, Schulen, Vereinen, Einrichtungen von Kirchen, der Bedburger Tafel sowie der Asylsuchenden, für die Carisma schon im September die Erstversorgung übernommen hatte. Wohlgemerkt, Carisma ist zwar ein gemeinnütziger Verein, so erklärt es Niepel, „wir zahlen aber Steuern, weil die Umsätze die Grenzen der Gemeinnützigkeit überschreiten“. Und dennoch konnte der Verein bereits nach dem ersten Jahr für Schulprojekte an Grund- und Hauptschule, für Jugendfreizeiten und -einrichtungen mehr als 10 000 Euro spenden. Nach dem zweiten Jahr waren es schon mehr als 20.000 Euro.

Und noch eines ist Niepel wichtig. Die Schuhe, die im Laden nicht verkauft werden, gehen an ein spezielles Projekt im Awo-Kindergarten in Bedburg.


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