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Kölnische Rundschau | Terra-Nova-Forum in Elsdorf: Tagebau braucht nach Ende keine Pumpen
21. January 2016
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Terra-Nova-Forum in Elsdorf: Tagebau braucht nach Ende keine Pumpen

Über die Auswirkungen der Sümpfung nach 2020 informierten RWE-Vertreter um Christian Forkel, Leiter der Wasserwirtschaft.

Über die Auswirkungen der Sümpfung nach 2020 informierten RWE-Vertreter um Christian Forkel, Leiter der Wasserwirtschaft.

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Fratz

Elsdorf-Berrendorf -

Ein Novum in der Tagebaugeschichte: RWE Power hat die Bürger über die Planungen und Folgen der Sümpfung des Tagebau Hambach bis 2030 informiert – vor der Einleitung des Genehmigungsverfahren. Im Terra-Nova-Forum an der Berrendorfer Tagebaukante informierten die Wasserwirtschaftler des Unternehmens rund 100 Besucher über die Zukunft der Wassersituation im fortschreitenden Tagebau.

Angegliedert an den bereits genehmigten dritten Rahmenbetriebsplan für den Tagebau muss das Unternehmen auch für die Entnahme des Grundwassers eine Genehmigung bei der Bezirksregierung einholen. Die zurzeit gültige reicht bis ins Jahr 2020. Jetzt beantragt RWE-Power die Verlängerung bis 2030. Das Prüfungsverfahren startet im Februar.

Christian Forkel, Leiter der Wasserwirtschaft beim Tagebaubetreiber, informierte mit seinem Team über die Planungen. Anschließend stellten sich die Wassertechniker den Fragen der Besucher.

Das rund 60 Meter breite, 15 Millionen Jahre alte Flötz neigt sich in Richtung Kerpen in die Tiefe. Statt zurzeit 390 Meter liegt die Unterkante im Raum Manheim in einer Tiefe von 450 Metern. Entsprechend steigt die Menge des abzupumpenden Wassers weiter an, wie RWE-Vertreter Matthias Metzger erläuterte. Die Absenkung des Geländeniveaus verlangsame sich dagegen in Elsdorf. Aktuell liege das Stadtgebiet rund 4,60 Meter tiefer als vor Beginn des Tagebaus. Am Ende seien es rund 4,90 Meter. Forkel unterstrich, dass die Absenkung gleichmäßig verlaufe, daher sei die Sümpfung nicht Ursache für Bergschäden an Immobilien.

Durch derzeit 460 Brunnen pumpt RWE das Wasser ab, um die Böschungen zu sichern und trockenen Fußes an die Kohle zu gelangen. 340 Millionen Kubikmeter Wasser seien in 2014 abgepumpt worden. Metzger: „Das ist 835 Mal das Volumen des Kölner Doms“. „Dafür zahlen wir zurzeit jährlich 16 Millionen Euro“, ergänzte Forkel.

Auf Nachfrage aus dem kritischen Publikum betonte Forkel, dass die Wechselwirkungen mit der Sümpfung auf der Rurscholle – rund um den Tagebau Inden – in einem Modell ständig beobachtet und vorausberechnet werde.

„Was passiert nach der Sümpfung?“, wollte eine Elsdorferin wissen. Das Wasser steige nachdem Jahr 2045, dem Ende der Auskohlung in Hambach, wieder an, das Bodenniveau hebe sich wieder gleichmäßig um etwa vier Meter an. Die Erft, deren Bettniveau ebenfalls mitsteige, gebe den Grundwasserspiegel vor, sagte Forkel. „Für den Tagebau benötigen wir die Pumpen nicht mehr“, ist er sicher.

Jedoch sei bereits vor dem Eingriff durch den Tagebau die Erftaue trockengelegt und besiedelt worden. Daher sei dort ein dauerhaftes Abpumpen nötig, über das es mit dem Erftverband bereits eine Abmachung gebe.

Bis dahin fließt noch viel Wasser die Erft herunter: Ab 2045 soll mit Rheinwasser, das den natürlichen Grundwasserspiegel diktiert, das Restloch zu einem See volllaufen. Der soll nach 2080 seinen geplanten Wasserspiegel erreicht haben.

„Egal, wie man zum Tagebau steht, der frühzeitige Dialog mit den Bürgern ist sehr zu begrüßen“, befand ein Besucher nach der rund zweistündigen Informationsveranstaltung, in der auch die Themen Ökologie, Naturhaushalt und Artenschutz angeschnitten wurden.


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