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Unglück im Kraftwerk: RWE fordert 1,3 Milliarden Schadenersatz

Bei Arbeiten am Kesselgerüst von Block F kam es 2007 zu dem Unfall, bei dem drei Monteure starben und sechs verletzt wurden.

Bei Arbeiten am Kesselgerüst von Block F kam es 2007 zu dem Unfall, bei dem drei Monteure starben und sechs verletzt wurden.

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Beißel

Neurath -

Das furchtbare Unglück, bei dem 2007 auf der BoA-Baustelle in Neurath drei Arbeiter ums Leben kamen und sechs weitere schwer verletzt wurden, wird jetzt ein zivilrechtliches Nachspiel haben. Vor dem Landgericht Mönchengladbach beginnen am 26. Februar drei zu einem Prozess gebündelte Verfahren, in denen einerseits RWE Power Schadenersatzansprüche im Gesamtwert von 1,3 Milliarden Euro geltend machen will, andererseits das Konsortium der beklagten Baupartner Hitachi Power Europe, Hitachi Ltd. Japan und Alstom Power Systems auf die Zahlung ausstehender Vergütungen in Höhe von rund 290 Millionen Euro klagen.

15 Monate Stillstand

Am 25. Oktober 2007 stürzte bei Stahlbauarbeiten am Kesselgerüst ein Querträger aus 100 Metern Höhe ab und verletzte drei Arbeiter tödlich, sechs weitere schwer. 15 Monate lang standen danach die Arbeiten an Block F still. Knapp 14 Monate ermittelte die Staatsanwaltschaft. Sämtliche Trümmerteile wurden untersucht, um den Unfallhergang zu rekonstruieren. Schließlich stellte die Staatsanwaltschaft das Verfahren ein. Schuldige waren nicht auszumachen, so das Ergebnis der Ermittlungen, es handele sich um ein Unglück.

Die lange Bauverzögerung aber verursachte enorme Kosten. RWE Power klage in erster Linie „Verzögerungsschäden in Form entgangenen Gewinns“ ein, sagt der Pressesprecher des Landgerichtes Mönchengladbach, Jan-Philip Schreiber. Um rund 900 Millionen Euro gehe es hier. Ansonsten würden Konzessionsstrafen für nicht eingehaltene Verträge geltend gemacht. Im Gegenzug, so Schreiber, klage das Konsortium der Baukonzerne auf ausstehende Bezahlungen. Da die Baufirmen nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und der Einstellung des Verfahrens von einem Fall „höherer Gewalt“ ausgingen, so Schreiber, sähen Unternehmen die Klage von RWE Power als gegenstandslos an. RWE will sich mit Blick auf das laufende Verfahren nicht äußern.

Warum findet der Zivilprozess so viele Jahre nach dem Unglück statt? „Bei uns ist das Verfahren noch ganz jung“, sagt Schreiber. Erst 2015 sei die Klage eingereicht worden. Dem vorangegangen seien die langwierigen Ermittlungen, ebenso zeitaufwendige Schadensberechnungen und einige fruchtlose Versuche der Kontrahenten, sich außergerichtlich zu einigen.

Seit 2011 laufen beide BoA-Blöcke in Neurath mit einer Nennleistung von je 1100 Megawatt. Nach dem Probebetrieb drückte im August 2012 Ministerpräsidentin Hannelore Kraft symbolisch den roten Knopf zur Inbetriebnahme des 2,6-Milliarden-Projektes. Den Grundstein für die Großbaustelle legte im August 2006 Bundeskanzlerin Angela Merkel. In der Folge arbeiteten dort bis zu 4000 Menschen gleichzeitig, insgesamt waren 100.000 Menschen und 3000 Firmen mit den verschiedenen Gewerken beschäftigt.