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VHS Bergheim: Neue Aufgaben bei der Integration

Mit Loriots „Kosakenzipfel“-Sketch sorgte Michael Wibbes Theatergruppe beim Jubiläumsfest der Volkshochschule Bergheim für Heiterkeit.

Mit Loriots „Kosakenzipfel“-Sketch sorgte Michael Wibbes Theatergruppe beim Jubiläumsfest der Volkshochschule Bergheim für Heiterkeit.

Rhein-Erft-Kreis/Kerpen -

„Es kann mich richtig wahnsinnig machen, wenn mal wieder versucht wird, den Volkshochschulen dieses verschnarchte, verstaubte Image anzudichten. Vielleicht sollten wir mal einen richtig knackigen Werbefilm produzieren, um mit all den dummen Klischees aufzuräumen.“ Für den Werbefilm, den sich VHS-Leiterin Dr. Ute Bermann-Klein wünscht, hätte man am Freitagabend im soziokulturellen Zentrum in Horrem sicherlich einige eindrucksvolle Szenen drehen können. Die Volkshochschule Bergheim feierte dort Semestereröffnung und gleichzeitig 40-jähriges Bestehen – und sie präsentierte sich den vielen Gästen bei dem ebenso informativen wie unterhaltsamen Festabend als moderne Bildungseinrichtung auf der Höhe der Zeit.

Kurz nach Inkrafttreten des nordrhein-westfälischen Weiterbildungsgesetzes im Jahr 1975 wurde die VHS Bergheim im Rahmen eines gemeinsamen Zweckverbandes von den Kommunen Bergheim, Bedburg, Kerpen und Elsdorf gegründet. Sie löste die Volkshochschule des alten Kreises Bergheim ab und bekam die Verpflichtung auferlegt, jährlich mindestens 8000 Unterrichtsstunden in der Erwachsenenbildung zu erteilen. „Diese Marke übertreffen wir heute bei weitem“, betont Ute Bermann-Klein, „aktuell geben fast 200 Honorardozenten in den vier Trägerkommunen alljährlich insgesamt rund 23 500 Unterrichtsstunden. Nach Belegungen gerechnet, besuchen in jedem Jahr elf- bis 13 000 Bürger unsere Kurse.“

Konkurrenz aus dem Internet

Ein Schwerpunkt liege wie bei allen Volkshochschulen in Deutschland derzeit auf den Integrations- und Deutschkursen für Zuwanderer. Hier laufen derzeit 15 Kurse mit 52 Modulen. „Damit ist nun allerdings die absolute Obergrenze erreicht; sämtliche Ressourcen sind erschöpft“, sagt die VHS-Leiterin und spricht den in diesem Bereich tätigen Lehrern ein großes Lob aus: „In den Sprach- und Integrationskursen kommen Menschen aus ganz unterschiedlichen Kulturkreisen und mit ganz unterschiedlicher Vorbildung zusammen. 112 Nationalitäten sind dort vertreten. Da kann manchmal nicht einmal das lateinische Alphabet als gemeinsame Grundlage dienen. Dies stellt höchste fachliche und methodische Anforderungen an unsere Lehrkräfte, vor denen ich wirklich den Hut ziehe.“

Aber auch die einheimischen Bürger kommen nicht zu kurz. In den sechs Fachbereichen Politik/Gesellschaft/Umwelt, Kultur/Gestalten, Gesundheit/Bewegung/Ernährung, Arbeit/Beruf/Computer sowie Sprachen und Grundbildung wartet ein riesiges Kurs-, Seminar-, Vortrags- und Exkursionsangebot auf Menschen, die im Erwachsenenalter noch dazulernen möchten.

Dass interaktive Lernangebote im Internet den klassischen VHS-Kursen zunehmend Konkurrenz machen, ist Ute Bermann-Klein durchaus bewusst. „Trotzdem bin ich überzeugt davon, dass das Lernen in der Gemeinschaft mit festen Zeiten, regelmäßigen Treffen, Lehrern aus Fleisch und Blut und der Begegnung von Mensch zu Mensch nachhaltigeren Erfolg ermöglicht und letztlich auch mehr Spaß macht. Die Volkshochschule ist kein Auslaufmodell.“

Senioren wollen lernen

Wichtig sei aber, dass sich die Volkshochschulen auf neue gesellschaftliche Herausforderungen einstellten. So bringe der demografische Wandel mit einer wachsenden Anzahl an fitten und lernbereiten Senioren neue Aufgaben und auch neue Möglichkeiten in der Erwachsenenbildung mit sich.

Auch müsse man bedenken, sagt die VHS-Chefin, dass die Integration von Zuwanderern weit über reine Sprachvermittlung hinausgehe. „Deutschkurse sind da nur der erste Schritt. Bei der Eingliederung in den Arbeitsmarkt und in unser gesellschaftliches Leben warten viele weitere integrative Aufgaben“, so Bermann-Klein, „und wer wenn nicht die Volkshochschulen sollte diese Aufgaben übernehmen?“

So sieht es auch die Bergheimerin Elisabeth Hülsewig als Vorsitzende der VHS-Zweckverbandsversammlung. Die Volkshochschule sei als Ort der Kommunikation von Generationen, Nationalitäten und Kulturen heute vielleicht wichtiger denn je.

Beim Jubiläumsfest wurden Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der VHS Bergheim in Interviews, mit Musik sowie mit Film- und Fotopräsentationen überaus munter und kurzweilig aufgearbeitet.

Zum Programm gehörten auch Darbietungen, die so mancher Gast bei einer Volkshochschulveranstaltung nicht unbedingt erwartet hatte. So führte eine VHS-Theatergruppe unter Leitung von Michael Wibbe Loriots „Kosakenzipfel“-Sketch auf. Und am Ende war Mitmachen angesagt: VHS-Gebärdensprachendozent Rob Davis und seine Schüler zeigten, wie man „We are the world“ und „Imagine“ mit den Händen singen kann und übten gleich auch einige Gebärden mit dem Publikum ein.